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Dienstag, 20.03.2018

Preisgekröntes Stein-Reich

Karen und Stephan Trepte haben nahe der Bastei eine zauberhafte Welt erschaffen. Dafür gibt es jetzt viel Anerkennung.

Von Franz Werfel

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Im Wortsinne „urig“ ist der Gastraum in Karen Treptes „Stein-Reich“. Das Mobiliar stammt zum Teil vom großelterlichen Dachboden.
Im Wortsinne „urig“ ist der Gastraum in Karen Treptes „Stein-Reich“. Das Mobiliar stammt zum Teil vom großelterlichen Dachboden.

© Daniel Schäfer

  • Im Wortsinne „urig“ ist der Gastraum in Karen Treptes „Stein-Reich“. Das Mobiliar stammt zum Teil vom großelterlichen Dachboden.
    Im Wortsinne „urig“ ist der Gastraum in Karen Treptes „Stein-Reich“. Das Mobiliar stammt zum Teil vom großelterlichen Dachboden.
  • Schon das Eingangsportal ins Stein-Reich ist ein Hingucker.
    Schon das Eingangsportal ins Stein-Reich ist ein Hingucker.

Hohnstein/Dresden. Schwer liegt das große Holztor in den Angeln. Durch eine Brücke, die an längst vergangene Ritterzeiten erinnert, muss der Besucher hindurch, will er ins Stein-Reich gelangen. Dahinter öffnet sich eine Welt der Sagen und Märchen, von Kräuterhexen, Zwergen und Feen. Für diese zauberhafte Welt, die Karen Trepte vor fünf Jahren mit ihrem Bruder Stephan und befreundeten Handwerkern erschuf, wurde die Unternehmerin nun mit dem Adelie-Preis ausgezeichnet. Von der Jury, allesamt namhafte sächsische Unternehmer, heißt es, dass damit die „grandiose Fantasie“ und das „gute Erlebniskonzept, das den Besucher herausfordert, aber nicht mit Reizen überflutet“ gewürdigt werden solle.

Über den Preis freue sie sich „wahnsinnig“, sagt Karen Trepte. Auf Initiative der Radebeuler Unternehmensberaterin Daniela Kreißig wurde er in diesem Jahr erstmals vergeben, um Firmenchefinnen in Sachsen den Rücken zu stärken. Geld gibt es nicht – dafür aber 15 gratis Coaching-Stunden von erfolgreichen Firmenchefs. „Der Preis kommt genau zur richtigen Zeit“, sagt Trepte. Denn ihr kleiner Freizeitpark zwischen Lohmen und Rathewalde am Abzweig zur Bastei läuft gut – und hat, sagt die 39-Jährige, noch viel Luft nach oben. Zwischen 20 000 und 25 000 Besucher begrüßt sie mit ihrem fünfköpfigen Team jedes Jahr. Der Park ist als familienfreundliches Ziel zertifiziert, bietet eine Mischung aus regionaler Sachkunde, Geschichtserfahrung für alle Sinne und jedes Lebensalter. Und mit dem „Steinbeißer“ ein Restaurant, das der tschechische Küchenchef mit Buttermilchplinsen, böhmischen Knödeln und Gulasch, Kartoffelecken, selbst gemachtem Apfelmus und Ketchup bodenständig und zugleich ambitioniert prägt.

Die Geschichte, mit der Besucher am hölzernen Eingangstor begrüßt werden, ist wahr: Vor Jahren fanden Karen und Stephan Trepte auf dem Dachboden ihrer Großeltern ein altes Geschichtenbuch. Viele sollten folgen – denn der Opa, Erich Günther aus Helmsdorf, ist Chronist. „Ich erinnere mich an ihn nur, wie er vor seiner Schreibmaschine sitzt, zwischen Bücherstapeln und Zeitungsartikeln“, sagt Karen Trepte. Was der Opa liest und schreibt, wird Jahre später der Grundstock für ihr Stein-Reich sein. Die Eröffnung verpasst Erich Günther knapp, als er 2012 stirbt.

Karen Trepte hat Tourismus in Görlitz und Kulturmanagement in Dresden studiert. Sie liebt das Reisen, hat ein gutes Jahr lang in Amsterdam gelebt und geht leidenschaftlich gern auf Flohmärkte. Vor elf Jahren begann sie zusammen mit ihrem Bruder Stephan, einem studierten Wirtschaftsingenieur, das Stein-Reich zu planen. „Wir haben uns nicht vordergründig Gedanken darüber gemacht, was Kindern gefällt“, sagt Trepte. Kinder hat sie nicht. „Leitfrage für uns war: Was würde uns Spaß machen, wo würden wir uns wohlfühlen?“ Die Antwort darauf erlebt, wer das Restaurant betritt. Urig trifft den Kern: Das Bücherregal wird von hundert Jahre alten Holzbalken gestützt, zusammengewürfelte Tische und Stühle machen den Raum gemütlich und funktional zugleich. Aus Omas altem Kaffeeservice sind Tischlampen geworden.

Das Angebot im Stein-Reich passt gut zur Region. „Familien mit kleinen Kindern wandern meist eher kurze Strecken“, sagt Trepte. „Es ist erst der halbe Urlaubstag rum – und was dann?“, fragt sie. Im Freizeitpark können die Kinder bei gutem Wetter draußen toben, versteckte Tunnel erkunden, durch den Kräutergarten streifen oder den Wasserspielplatz entdecken. Regnet es, bieten die kleinen Häuser, thematisch nach Berufzweigen wie Apotheke, Töpferei und Bäckerei unterschieden, eine Verschnaufpause. Neben dem Restaurant haben die Treptes ein kleines Museum zur regionalen Geschichte eingerichtet. Doch im Winter, wenn das Stein-Reich nur an den Wochenenden öffnet, werden die Stellwände auch mal zur Seite gerückt. Aus dem Museum wird dann ein Tobezimmer mit Holzklötzen und Schaumwürfeln.

Derzeit sitzt Karen Trepte viel in ihrem Pirnaer Büro und bereitet die kommende Saison vor, die am Osterwochenende beginnt und bis Anfang November läuft. Der Veranstaltungskalender ist schon gut gefüllt. Es wird den Märchen-Markt im Juni geben, Theater im Juli, den Kürbisschnitz-Wettbewerb zu Halloween. Am zweiten Advent werden die Feuer für den Weihnachtsmarkt angezündet und der Park verwandelt sich ins Glühweindorf. Konzepte für die Winterzeit, traditionell in der Sächsischen Schweiz eher schwierig zu bespielen, liegen in den Schubladen.

Nun freut sich Karen Trepte erst einmal auf die Hochsaison. Die Schatzkarte und das neue Erlebnis-Rätsel für die jüngeren Besucher sind fast fertig. Bald will sie in ihrem steinernen Dorf wieder umbauen. Das Holzportal am Parkplatz neben der Bastei-Tankstelle könnte dann anders aussehen. Ideen hat die junge Unternehmerin genug.

www.steinreich-sachsen.de