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Montag, 07.05.2018

Post: Harte Bandagen bei Arbeitsverträgen

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© Hannibal Hanschke/dpa

Bonn. Die Deutsche Post macht die Entfristung von Arbeitsverträgen von den Krankheitstagen eines Mitarbeiters abhängig. Niederlassungsleiter hätten von der Konzernspitze ein entsprechendes Konzept bekommen, berichtete „Bild am Sonntag“. Darin heiße es, dass Mitarbeiter in zwei Jahren nicht häufiger als sechsmal krank gewesen sein beziehungsweise nicht mehr als 20 Krankheitstage anhäufen dürften. Weiter schreibe die Post vor, dass der Mitarbeiter „höchstens zwei selbstverschuldete Kfz-Unfälle mit einem maximalen Schaden von 5000 Euro“ verursachen dürfe. Außerdem dürften Postboten in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen.

Ein Sprecher der Post in Bonn bestätigte den Bericht am Sonntag auf Anfrage. Die Aufregung darüber erschließe sich ihm nicht, sagte er. Die gleichen Medien, die das Konzept nun kritisierten, wären die ersten, die aufschreien würden, wenn es Mängel bei der Zustellung geben sollte. „Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, das ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden“, sagte der Sprecher. Die Tätigkeit des Postboten sei auch körperlich anstrengend. Im übrigen lege die Post aber keine Schablonen an, sondern berücksichtige immer das Gesamtbild. Da Zusteller im Moment dringend gesucht würden, könne man außerdem davon ausgehen, dass die Auswahl nicht nach zu strengen Kriterien erfolge.

Aus der Politik kamen andere Stimmen. „Diese Kriterien sind völlig menschenverachtend und sittenwidrig“, sagte Beate Müller-Gemmeke, Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, der „Bild am Sonntag“. Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe von CDU/CSU, kritisierte in der Zeitung: „So ein Kriterienkatalog, wie er vorliegt, ist ein Quatsch und der Personalabteilung eines Großunternehmens unwürdig.“ (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Gert

    Eine Aufregung um das Thema, dabei ist der Gesundheitszustand in vielen Berufen Voraussetzung. Z.B. wird ein Zeitsoldat mit mangelnder Gesundheit nicht Berufssoldat.

  2. Max Anders

    Na endlich wird beim ehemaligen Staatsbetrieb (markt-)wirtschaftlich gedacht. Die Maßnahmen sind logisch nachvollziehbar in einem angemessenen Rahmen. 6 Krankschreibungen und höchstens 2 selbstverschuldete Unfälle innerhalb von 2 Jahren als Kriterium für eine Aufhebung der Befristung sind eine kulante Größenordnung. Wer ernsthaft krank ist, wird ohnehin 78 Wochen von den Kassen bezahlt und es darf bezweifelt werden, daß diese Person den Job bei Wind und Wetter und unter Termindruck überhaupt noch ausüben kann. Daß die vom Staat alimentierten Berufsempörer jetzt wieder so einen Simms um solche Selbstverständlichkeiten machen, das war ohnehin zu erwarten. Ich wünschte, im öffentlichen Dienst würden auch mal solche Rahmenbedingungen ausgegeben, um dem Unkündbarkeitsstatus auch bei absolut Leistungsschwachen den Kampf anzusagen. Denn die Arbeit die der eine nicht macht, bezahlen seine Kollegen und die Kunden. Die einen mit Mehrarbeit, die anderen mit schlechten Dienstleistungen.

  3. Manfred Hengst

    Der eigentlich Skandal ist nicht das die Post diese Praxis anwendet. Der Skandal ist das der Finanzminister Scholz (SPD) nicht mal weis , das diese Praxis auch noch gesetzlich geschützt ist und unter SPD Regierungsbeteiligung entstanden ist. Darauf musste ihm gestern bei Will erst Wagenknecht hinweisen. Nachdem er nun angekündigt hat etwas zu unternehmen, bin ich gespannt wann und was und ob überhaupt oder ob es den Agenda - Befürworter nur bei leeren Worten belässt

  4. Thomas Rosenberg

    @1+2) Ihr merkt nichts mehr. Wartet mal ab, ob Ihr Mitte fünzig noch sooo fit seid. Übrigens, nach einer Weisheitszahn-OP ist man auch mal locker eine Woche krank (egal wie fit man ansonsten ist). Und der DHL-Fahrer mit dem Steißbeinabzess (heißt englisch nicht umsonst umgangssprachlich "truckers bump") ist auch mal locker 4 - 6 Wochen krank. Aber sind ja in Eurem Mikrokosmos alles faule Säcke. In meinem Mikokosmos seid Ihr auch was.

  5. Max Anders

    Es ist immer wieder erstaunlich wie selbstverständlich solche quasi sozialistischen Praktiken als gesetzt gelten, während andere schwer Schaffende über solche Praktiken froh wären. Nenn mir einen vernünftigen Grund, warum ausgerechnet die Postprivilegien erhalten werden sollen, während die Konkurrenz weder in Entlohnung noch in Vertragsgebaren so gut ausgestattet ist. Fragt mal den Postmoderenen oder den Hermesboten, die schütteln über diese Diskussionen nur den Kopf. Und da reden wir erstmal nur über einen Teil des Logistikgewerbes. Aber es ist schwer zu akzeptieren, daß sich ehemalige Staatsbetriebe an marktübliche Praktiken gewöhnen müssen. Dafür haben solche postkommunistischen Träumerle aber natürlich keinerlei Verständnis...

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