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Dienstag, 10.07.2018

Polizei ermittelt fünf mutmaßliche Brandstifter

Die Feuerwehren rücken so oft zu Waldbränden aus wie noch nie. Ursache der Feuer ist oft Gedankenlosigkeit.

Von Gunnar Klehm und Christian Eißner

Ein Feuerwehrmann kontrolliert nach einem Waldbrand am 28. Juni nahe Kurort Rathen den Boden auf versteckte Glutnester. Das Bild zeigt, in welch schwierigem Gelände die Einsatzkräfte im Nationalpark unterwegs sind. Oft müssen die Feuerwehrleute das Wasser mit Rucksäcken zur Brandstelle tragen.
Ein Feuerwehrmann kontrolliert nach einem Waldbrand am 28. Juni nahe Kurort Rathen den Boden auf versteckte Glutnester. Das Bild zeigt, in welch schwierigem Gelände die Einsatzkräfte im Nationalpark unterwegs sind. Oft müssen die Feuerwehrleute das Wasser mit Rucksäcken zur Brandstelle tragen.

© Marko Förster

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Feuerwehr in Bad Schandau kommt an ihre Grenzen. Im Wald brennt es jetzt so oft wie noch nie. „Ein langer Einsatz ist besser, als wenn man andauernd ausrücken muss, auch wenn es zum Glück nur Kleinkram war, der in drei, vier Stunden abgearbeitet war“, sagt Stadtwehrleiter Kai Bigge. Allein im Nationalpark Sächsische Schweiz hat es dieses Jahr schon zwölfmal im Wald gebrannt, das sind elf Brände mehr als im gesamten Vorjahr.

Das bislang letzte Feuer wurde nach Auskunft der Nationalparkverwaltung am Sonntagmorgen am sogenannten Backofen im Rathener Gebiet entdeckt, es ging von einem Lagerfeuer aus. Bis Mittag konnten die Feuerwehren aus Bad Schandau, Waltersdorf, Porschdorf und Kurort Rathen den Bodenbrand löschen. Trotz der vielen Einsätze brachte die Schandauer Wehr bisher zu jeder Tageszeit genügend Kameraden zusammen, um in Mindeststärke ausrücken zu können. Sie haben es schon im Gefühl, wann es wieder losgehen könnte. „Bei uns heißt es dann, das Wetter riecht schon wieder nach Waldbrand“, sagt Bigge. Doch in vielen Fällen kommen sie vor Ort ins Grübeln, wie gerade an dieser Stelle ein Feuer ausbrechen konnte. Bei einem Brand an der Burg Altrathen Ende Mai sei es ziemlich eindeutig gewesen, dass eine achtlos weggeworfene Kippe unterhalb eines Weges die Ursache war. „Aber bei den meisten Bränden finden wir keine Erklärung“, sagt der erfahrene Feuerwehrmann. Blitzschlag könnte eine Ursache sein. „Aber in den unklaren Fällen gab es kein Gewitter“, sagt Bigge. Oft sind es auch abgelegene Stellen, an die kein normaler Wanderer hinläuft. Deshalb wird in den Feuerwehren immer auch über Brandstiftung diskutiert.

Vom Lagerfeuer zum Flächenbrand

Bei der Polizeidirektion Dresden, die auch für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge zuständig ist, gingen in diesem Jahr sechs Anzeigen wegen des Verdachts der Brandstiftungen in Wäldern ein. Vier wegen fahrlässiger und zwei wegen vorsätzlicher Brandstiftung. In allen sechs Fällen hätten sich die Anzeichen bestätigt, teilt die Polizei mit. Einer davon ist der Waldbrand zwischen Bielatal und Cunnersdorf, zu dem die Feuerwehr am 1. Juli ausrücken musste. Die Polizei konnte in drei der Fälle fünf Tatverdächtige ermitteln. Spätestens hier endet der Spaß für die Verursacher der Waldbrände. Ihnen stehen eine Anklage und ein Gerichtsverfahren bevor, und selbst wenn sie Wald oder Feld nicht mit Absicht, sondern fahrlässig in Brand gesetzt haben, droht mindestens eine Geldstrafe. Ist beträchtlicher Schaden entstanden oder wurden gar Menschenleben gefährdet, kann fahrlässige Brandstiftung mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden. Bei extremer Trockenheit und hoher Waldbrand-Warnstufe ein Feuer im Wald zu entzünden, aus dem sich dann ein Flächenbrand entwickelt, das kann das Gericht auch als vorsätzliche Brandstiftung werten. Dann drohen mindestens sechs Monate bis zu zehn Jahre Haft.

Was die drei Feldbrände vergangene Woche bei Kreischa, Reinhardtsgrimma und Dorfhain betrifft, gebe es seitens der Polizei zumindest keinen Verdacht hinsichtlich einer Brandstiftung. In allen drei Fällen könne von wetterbedingten Bränden ausgegangen werden, heißt es aus der Polizeidirektion Dresden.

Die Landwirte bringen zurzeit die Getreide-Ernte ein und müssen dabei besonders vorsichtig sein. Das heiße, trockene Wetter belastet die Erntemaschinen. Schon ein Funke kann dafür sorgen, dass sich die ausgedörrten Felder entzünden. Bei dem Feldbrand am Dienstagnachmittag bei Kreischa wurden 40 000 bis 50 000 Quadratmeter Gerstenfeld zerstört. Ein Getreidefeld der Agrargesellschaft Reinhardtsgrimma brannte kurz darauf auf etwa 4 000 Quadratmetern nieder. Als Brandursache vermutete Tobias Wagner, Chef der Agrargesellschaft, einen Stein, der im Schneidwerk des Mähdreschers einen Funken erzeugt hatte. Geschätzte 400 000 Quadratmeter Getreidefeld brannten am Mittwoch bei Dorfhain. Auch hier vermutete die Feuerwehr eine Landmaschine als Ursache für den Brand. (mit SZ/aeh)