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Dienstag, 27.06.2017

Plötzlich doch ein guter Junge

Timo Werner wurde von den Fußball-Fans ausgepfiffen, doch jetzt hat er zwei Tore für die deutsche Nationalelf erzielt.

Von Oliver Mucha

Mit seinen Treffern gegen Kamerun hat der Stürmer von RB Leipzig die Zweifler überzeugt.
Mit seinen Treffern gegen Kamerun hat der Stürmer von RB Leipzig die Zweifler überzeugt.

© Getty Images

Am Tag nach seiner furiosen Leistung ließ es Timo Werner ruhig angehen. Der Fußball-Nationalstürmer genoss die Sonne in Sotschi. „Am Pool liegen und ein bisschen bräunen ist immer schöner als im Hotelzimmer sitzen“, sagte der 21-Jährige. Dass das Perspektivteam des Weltmeisters sich als Gruppensieger beim Confed-Cup weiter an den Vorzügen der Olympiastadt erfreuen darf, hat es auch dem Stürmer von Vizemeister RB Leipzig zu verdanken.

Mit seinen ersten beiden Länderspieltoren war der 21-Jährige maßgeblich beteiligt am 3:1-Erfolg gegen Kamerun. Nachdem Werner in Nürnberg gegen San Marino (7:0) in der WM-Qualifikation nach seiner Einwechslung von den eigenen Fans noch gnadenlos ausgepfiffen wurde, war der Auftritt gegen den Afrikameister Balsam für die Seele. „Mein Ziel muss sein, dass die deutschen Fans irgendwann froh sind, mich im Nationaltrikot zu sehen. Dass sie sagen: Zum Glück haben wir den Jungen, der das entscheidende Tor beispielsweise im WM-Halbfinale erzielt hat. Dieser Gedanke spornt mich an“, hatte Werner zuletzt im Interview mit dem Kicker erklärt.

Daher war auch die Freude bei seinen Mitspielern groß. „Ich weiß ja, wie es ist, wenn man von Presse und Publikum viel zu hören bekommt. Deswegen freut es mich besonders, dass er da so cool bleibt, dranbleibt und vor allem der Mannschaft hilft“, sagte Julian Draxler. Mit ernster Miene schob der Kapitän einen Appell hinterher. „Ich hoffe“, betonte Draxler, „dass das Ganze jetzt mal aufhört.“ Werner habe sich für seinen Fehler entschuldigt.

Dieser Fehler, die Schwalbe im Dezember im Spiel gegen Schalke 04, verfolgt Werner bis heute. Trotz der Schmähgesänge in fremden Stadien war er mit 21 Treffern mit Abstand bester deutscher Torschütze in der vorigen Bundesligasaison. Im vierten Länderspiel hat es nun auch in der DFB-Auswahl geklappt. „Die ersten Tore in der Nationalmannschaft sind etwas Besonderes“, sagte Werner, der es nach dem Spiel eilig hatte, in den Bus zu kommen: „Die anderen warten schon.“

Eilig hat es der pfeilschnelle Stürmer auch auf dem Platz. Mit seiner Schnelligkeit bringt er eine andere Komponente ins deutsche Spiel, die nicht nur beim Confed-Cup gefragt ist, sondern auch für die WM 2018 in Russland. (sid)

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