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Freitag, 23.06.2017

Platzverweis

Wenn das Stadion der Freundschaft in Görlitz fertig ist, sollen Hagenwerders Fußballer ihren Platz räumen. Sie hoffen auf ein Wunder.

Von Daniela Pfeiffer

Drei von mehr als 60Fußballern, die auf dem Rasen der ISG zu Hause sind: die Trainer Peter Mosig, Hartmut Stephan und Sven Dittrich. Kommt die Stilllegung des Platzes – und danach sieht es im Moment aus – wird das für sie, wie auch alle anderen, extrem bitter.
Drei von mehr als 60 Fußballern, die auf dem Rasen der ISG zu Hause sind: die Trainer Peter Mosig, Hartmut Stephan und Sven Dittrich. Kommt die Stilllegung des Platzes – und danach sieht es im Moment aus – wird das für sie, wie auch alle anderen, extrem bitter.

© pawel sosnowski/80studio.net

Hagenwerder. Soll es das gewesen sein? Wird es kein Punktspiel mehr auf dem schönen Rasenplatz in Hagenwerder geben? Existenzielle Fragen sind das – vor allem für die Sportler der ISG Hagenwerder. Vermutlich müssen sie ihren Platz tatsächlich räumen.

Angedeutet hat sich das schon lange. Weil das bei der August-Flut 2010 geschädigte Sportzentrum in Hagenwerder als nicht sanierungswürdig gilt, wurde als sogenannte Hochwasserersatzmaßnahme das Stadion der Freundschaft in Görlitz saniert. Die daran geknüpfte Bedingung: Stilllegung des Sportplatzes Hagenwerder, sobald das Stadion fertig ist.

Niemand hat allerdings so wirklich daran geglaubt, dass das tatsächlich passieren wird. Zumal Bürgermeister Michael Wieler noch vor Monaten die damals schon erhitzten und beunruhigten Gemüter beruhigte: Um den Sportplatz in Hagenwerder mache er sich keine Sorgen, hatte Michael Wieler damals gegenüber der SZ gesagt. „Die Fördermittelgeber gehen natürlich davon aus, dass für Hochwasserersatzbauten Altes abgerissen wird, aber individuelle Dinge sprechen eben dagegen“, sagte er. Etwa, dass der Sportkomplex in Hagenwerder noch gut genutzt wird. „Kegeln, Billard, Judo, das alles findet dort im ersten Stock statt. Es ist wohl nachvollziehbar, dass wir das nicht abreißen, selbst wenn es im Erdgeschoss wieder einmal Hochwasser geben sollte.“

Darum geht es wohl auch nicht, sondern um den Sportplatz an sich. Eine erneute SZ-Nachfrage bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) bringt ernüchternde Antworten. Es habe sich nichts geändert: „Mit Nutzungsaufnahme des Ersatzneubaus Stadion der Freundschaft ist zeitgleich der Sportplatz in Hagenwerder stillzulegen“, sagt SAB-Pressesprecherin Beate Bartsch. Dies beziehe sich auf den Punktspielbetrieb wie auch auf das Training.

Für die Punktspiele haben die ISGler wohl langsam doch mit dem Schlimmsten gerechnet. So haben sie ihre Mannschaften ab kommender Saison für Punktspiele im Stadion der Freundschaft angemeldet, bestätigt ISG-Vorstand Jürgen Heidrich. Aber auch Hagenwerder als Spielort habe man sicherheitshalber angegeben. Dass auch der Trainingsbetrieb von der Stilllegung betroffen sein soll, überrascht ihn. Mehr wolle er aus Sicht des Vorstandes aktuell aber nicht sagen, es sei noch einiges in der Klärung.

Wie bekannt wurde, soll es am Dienstag dazu eine interne Runde beim Oberbürgermeister gegeben haben. Das Rathaus möchte sich zu dem Thema gegenwärtig allerdings nicht äußern. Für die Vereinsmitglieder, speziell die etwa 65 Fußballer – darunter 24 Kinder – wäre die Stilllegung eine Katastrophe. Das Todesurteil für das Vereinsleben. Werner Mönnich blutet das Herz, wenn er daran denkt. Er ist ehemaliger Hagenwerderer und war 1978 bei der Einweihung des Sportzentrums dabei, auch mal kurz Vereinsvorsitzender, später als Mitarbeiter im städtischen Schul- und Sportamt beruflich im Sportzentrum tätig. Zuletzt hat er sich das Pokalendspiel der Frauen angeschaut. „Pläne für die Stadion-sanierung gab es bereits seit 1994, aber es wurde nicht. Nach der Flut wurden die Dinge plötzlich vermischt, weil es Flutfördermittel gab. Dabei sind das doch zwei verschiedene Dinge.“ Dass Hagenwerder jetzt bluten soll, kann er nicht nachvollziehen. „Dieser Ortsteil hat bald gar nichts mehr.“

Dabei sei der Platz top in Ordnung, die Umkleidekabine vom Feinsten, und der Vereinsraum der Fußballer in Eigenregie schön gestaltet worden. „Da hängt man doch dran“, sagt Mönnich. „Und was soll überhaupt aus dem Platz werden? Soll dort das Gras hochwachsen?“

Zwischenzeitliche Gerüchte, der Görlitzer Investor Hagen Grothe, der seit vielen Jahren im Fußball engagiert ist und mit dem 2014 gegründeten FC Silesia Görlitz eng verbunden ist, würde die Anlage in Hagenwerder übernehmen wollen, haben sich nach SZ-Informationen wohl zerschlagen. Eine Alternative wäre das offenbar auch nicht gewesen. Denn Beate Bartsch von der SAB sagt: „Die Stadt ist verpflichtet, die Stilllegung des Sportplatzes nachzuweisen. Sofern die Stadt beabsichtigt ihn an einen Dritten zu übertragen, müsste von diesem die Verpflichtung zur Stilllegung übernommen werden.“

Uwe Ulmer, Geschäftsführer des Fußballverbandes Oberlausitz und gleichzeitig Jugendleiter beim FC Silesia, könnte eine Stilllegung ebenfalls nicht nachvollziehen. „Hagenwerder hat eine der besten Anlagen mit top gepflegtem Rasen“, sagt er. Die FC Silesia-Heimspiele fanden bislang genau dort statt. Doch auch Silesia hat für die kommende Saison nun wohl oder übel das Stadion der Freundschaft als Heimspielort angeben müssen. „Eine Heimstätte für Vereine wird das dort nicht“, ist Ulmer überzeugt. Es gebe ja nicht einmal genügend Räumlichkeiten, um Bälle und Ähnliches einzulagern. „Als Privatmann frage ich: Der Platz in Hagenwerder hat keinen Flutschaden, warum dann also jetzt diese Geschichte mit den Flutfördermitteln für Görlitz? Das ist ein ganz linkes Ding.“