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Donnerstag, 14.06.2018

Platz für seltenes Getier

Naturschutz in der Agrarlandschaft ist möglich. Sogar mit Fördergeldern, in der Moritzburger Kuppenlandschaft.

Von Uta Büttner

Nabu-Fachgruppenleiter Ornithologie Großdittmannsdorf, Matthias Schrack (2. v. l.), zeigt die verschiedensten Pflanzenarten auf einer Ackerwiese, die sich neben einem Getreidefeld befindet. Daneben wurde eine Hecke angelegt. Beide zusammen bieten einen idealen Lebensraum für verschiedenste Tierarten.
Nabu-Fachgruppenleiter Ornithologie Großdittmannsdorf, Matthias Schrack (2. v. l.), zeigt die verschiedensten Pflanzenarten auf einer Ackerwiese, die sich neben einem Getreidefeld befindet. Daneben wurde eine Hecke angelegt. Beide zusammen bieten einen idealen Lebensraum für verschiedenste Tierarten.

© Norbert Millauer

Moritzburg. Landwirtschaft und Naturschutz – wie beides vereinbar ist – das zeigt Matthias Schrack an Beispielen in der Moritzburger Kleinkuppenlandschaft. Zu der alljährlichen Weiterbildungsveranstaltung sächsischer Naturschutzberater hat der Leiter der Nabu-Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf die etwa 30 Teilnehmer an mehrere Orte geführt, wo Naturschutzmaßnahmen auf Acker und Grünland umgesetzt wurden.

Die Naturschutzberater, vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) berufen, sollen Landwirte kostenfrei zu Maßnahmen des Naturschutzes und Fördermöglichkeiten beraten. Beispielsweise müssen sie wissen, welche Pflanzen auf den Flächen der Landwirte wachsen sollten, damit es Fördergelder gibt, erklärt Matthias Schrack.

Das erste Ziel der Exkursion ist eine Hecke am Rand eines Getreidefeldes. Es befindet sich an der Marsdorfer Straße – von Medingen kommend unmittelbar am Ortseingang Großdittmannsdorf. 2009 wurde die 160 Meter lange und etwa sechs Meter breite Hecke angelegt, bezahlt von der Agrargenossenschaft Radeburg, sagt Matthias Schrack. In neun Jahren hat die aus Ebereschen und Wildrosen bestehende Hecke eine Höhe von mehr als zwei Metern erreicht, die Brutplätze für Neuntöter, Amseln und Dorngrasmücken bietet. Daneben wurde auf dem Acker eine Wildkrautmischung eingesät. „So ein Acker sollte mindestens sechs Meter breit sein“, sagt Matthias Schrack und ergänzt: „Hier ist er sogar deutlich breiter.“ Verschiedene Blütenpflanzen sind auf ihm zu entdecken, die Naturschutzberater sind begeistert und suchen nach selten zu findenden Arten. Diese Kombination aus Hecke und Ackerwiese ist ideal für den Tierartenschutz, erläutert der Fachmann. Sie bietet Lebensraum für verschiedenste Insekten, Vögel, unter ihnen auch die Rebhühner, und Feldhasen.

Als weiteres Beispiel führt Matthias Schrack die Naturschützer zu einem Naturschutzacker. Er befindet sich nahe der A 13 auf Volkersdorfer Flur. Diese etwa zwölf bis 15 Hektar große Fläche bietet unter anderem Lebensraum für die Feldlerche. Bezahlt werden die Maßnahmen auf dieser Ausgleichs- und Ersatzfläche vom Dresdner Flughafen. Begeistert sind die Naturschützer, als sie auf einem breiten Feldstreifen eine im Durchmesser knapp zehn Zentimeter große „Pusteblume“ entdecken. „Das ist Wiesenbocksbart“, klärt Matthias Schrack auf.

Die Exkursion führt weiter zu einer großflächigen Ackerbrache der Frank Johne und Frank Lorenz Landwirtschaftsbetrieb GbR Volkersdorf. Auf dem durch die Brache führenden Trampelpfad wachsen viele verschiedene Blütenpflanzen, unter ihnen die in der Moritzburger Kuppenlandschaft äußerst selten vorkommende Skabiosen-Flockenblume. Unzählige Heuschrecken und andere Insekten leben dort und sind Nahrung für Vögel. „Eigentlich müsste hier das erste Mähen bereits Ende Mai erfolgen, damit noch mehr Blütenpflanzen wachsen“, sagt Matthias Schrack. „Aber das bekommen Landwirte nicht bezahlt.“

Von der Ackerbrache geht es weiter zu einem Feld, auf dem nur kleine Getreidepflanzen wachsen. Auch stehen sie nicht so dicht. Dazwischen sind einzelne Blütenpflanzen zu finden. Diese Fläche ist ideal für die Feldlerche und viele verschiedene Finkenvögel, erläutert Matthias Schrack. Neben der Ackerbrache befindet sich dann ein konventionell bewirtschaftetes Feld.

Doch Arten- und Biotopschutz umzusetzen, ist sehr schwer, meint Matthias Schrack. „Die Ziele der Politik sind nicht darauf angelegt“, kritisiert er. Carola Schneier vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie erklärt: „Die Gelder kommen aus der Agrarumweltförderung. Dabei würden wir uns mehr Flexibilität wünschen.“