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Freitag, 11.05.2018

Pirna hat bald Dresdens größtes Gewerbegebiet

Die Chancen für den Industriepark Oberelbe steigen, weil die Landeshauptstadt in das Projekt einsteigen will. Dennoch bleiben die Hürden hoch.

Von Christian Eissner

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Blick über die großen Landwirtschaftsflächen am Pirnaer Autobahnzubringer in Richtung Elbtal mit Heidenau und Pirna. Hier soll der Industriepark entstehen.
Blick über die großen Landwirtschaftsflächen am Pirnaer Autobahnzubringer in Richtung Elbtal mit Heidenau und Pirna. Hier soll der Industriepark entstehen.

© Dirk Zschiedrich

  • Blick über die großen Landwirtschaftsflächen am Pirnaer Autobahnzubringer in Richtung Elbtal mit Heidenau und Pirna. Hier soll der Industriepark entstehen.
    Blick über die großen Landwirtschaftsflächen am Pirnaer Autobahnzubringer in Richtung Elbtal mit Heidenau und Pirna. Hier soll der Industriepark entstehen.
  • Hier soll der neue Gewerbepark entstehen.
    Hier soll der neue Gewerbepark entstehen.

Pirna. Aus drei mach vier: Zu den Städten Pirna, Heidenau und Dohna, die gemeinsam ein 140 Hektar großes Gewerbegebiet zwischen der A 17 und dem Elbtal bei Pirna erschließen wollen, wird sich aller Voraussicht nach auch die Landeshauptstadt Dresden gesellen. „Der ganz große Wille von allen Seiten ist da“, sagte Pirnas Stadtentwicklungs-Chef Christian Flörke bei einem Diskussionsforum am Mittwochabend in Pirna. Es fehle letztlich noch das Okay des Dresdner Stadtrates, damit Dresden dem Zweckverband beitreten kann, den die drei anderen Kommunen gerade gründen.

Das Vorhaben Industriepark Oberelbe (IPO) erhielte mit der Beteiligung Dresdens bedeutend mehr Gewicht, unterstreicht der Pirnaer Vize-Landrat Heiko Weigel, der das Projekt als Chef der Kreis-Bauverwaltung begleitet. Die Landeshauptstadt könnte zwar nicht wie die anderen drei Städte eigenes Land einbringen, aber die Kraft eines 40 Mitarbeiter starken Amtes für Wirtschaftsförderung – und ihren Namen. „Es ist einfach Fakt, dass dies einem großen Unternehmen die Entscheidung, sich hier anzusiedeln, erleichtert“, so Weigel. Hinzu kommt: Nach Einschätzung der Wirtschaftsförderung Sachsen hat Dresden keine Chance, auf eigener Flur einen Gewerbestandort dieser Größe auszuweisen. „Es fehlen schlicht die Flächen“, sagt Peter Nothnagel, Geschäftsführer des landeseigenen Standortwerbe-Unternehmens.

Außerdem bringe jeder neue Arbeitsplatz Kaufkraft in die Stadt, bestenfalls auch zusätzliche Einwohner – auf die die gesamte Region von Freital bis Sebnitz hofft. Denn im Raum steht die Zahl von rund 3 000 neuen Arbeitsplätzen, die im Industriepark entstehen könnten.

Was ist der Industriepark Oberelbe?

Im Moment noch Ackerland beiderseits des Pirnaer Autobahnzubringers (siehe Grafik). Pirna, Heidenau und Dohna, auf deren Gemeindegebieten sich die auserkorene Fläche befindet, wollen hier 140 Hektar für Gewerbe-Ansiedlungen bereitstellen. Kernstück ist ein 50 Hektar großes Areal, auf dem sich ein Großunternehmen ansiedeln soll. Ob es dafür schon einen Interessenten gibt, darüber schweigen sich die Beteiligten aus. Insgesamt umfasst das Plangebiet für den Industriepark rund 230 Hektar Fläche, wozu unter anderem auch Ausgleichsflächen für den Naturschutz zählen.

Wie weit sind die Planungen vorangeschritten?

Momentan gründen Pirna, Heidenau und Dohna einen Zweckverband, der die Entwicklung des Industrieparks übernehmen wird, einschließlich Grundstückskäufe und dem Beauftragen von notwendigen Gutachten. Allein die Kosten für Standortanalyse und Rahmenplanung werden sich auf rund 200 000 Euro belaufen. Eine Machbarkeitsstudie zum IPO existiert bereits.

In den nächsten Tagen werden die Stadträte der drei Kommunen die Gründung des Zweckverbandes vorbereiten und erste Entscheidungen absegnen. So gilt der Heidenauer Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) als gesetzt für den Verbandsvorsitz. Nach seiner Gründung, die für den 22. Mai geplant ist, kann der Zweckverband die Arbeit aufnehmen. Zunächst müssen ein Finanzplan erarbeitet und Fachplanungen beauftragt werden. Vorgesehen ist auch, eine sogenannte Veränderungssperre über das gesamte Gebiet zu legen, um Landspekulationen vorzubeugen. Denn längst nicht alle benötigten Flächen gehören den beteiligten Kommunen.

Wie wollen die Städte an das nötige Land kommen?

Nach Auskunft von Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke gehört nur rund ein Fünftel des benötigten Landes den Kommunen bzw. Freistaat oder Bund. Über ein weiteres Fünftel sollen bereits Vorverträge mit Privateigentümern abgeschlossen sein. Über den Rest muss der Zweckverband noch mit Privatleuten verhandeln.

Wie soll das Projekt finanziert werden?

Zunächst müssen die Kommunen den Zweckverband mit einem Millionenbetrag aus eigenen Steuermitteln ausstatten. Die Entwicklung des Gewerbegebietes soll nach jetziger Schätzung zwischen 80 und 130 Millionen Euro kosten. Wenn alles schnell vorangeht, dann können die Städte allerdings mit einer Förderung von etwa 80 Prozent rechnen, kündigt Peter Nothnagel, Chef der Wirtschaftsförderung Sachsen, an. Der Zeitrahmen dafür sei aber eng. Bis 2020 müsse das Projekt auf den Weg gebracht sein.

Füllt sich der Industriepark, dürfen die Kommunen dann auf Gewinne aus Grundstücksverkäufen sowie auf Steuern hoffen, die die angesiedelten Unternehmen und deren Beschäftigte zahlen.

Welche Konflikte birgt die Erschließung des Gebietes?

So blumig die Befürworter alles ausmalen, so schwierig wird der Weg zum Gewerbepark. Denn die Lage des ausgewählten Gebietes birgt reichlich Konfliktstoff. Heidemarie Russig, die Leiterin des Regionalen Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge, nennt als Hauptprobleme die Anbindung des Industrieparks ans bestehende Straßennetz, die Beeinträchtigung des direkt benachbarten, denkmalgeschützten Barockgartens Großsedlitz und die geplante Schnellbahntrasse Dresden–Prag, die den Industriepark möglicherweise schneiden würde. Zudem bräuchte das Industriegebiet aufgrund seiner Hanglage ein ausgefeiltes Niederschlagswasser-Management, damit das Wasser nicht unkontrolliert nach Pirna abläuft.

All diese Konflikte, versichern die Verantwortlichen, seien lösbar. Trotzdem gibt es gerade bei den direkten Anwohnern in Heidenau-Großsedlitz und auch in Pirna Skepsis, ebenso bei Handwerkern und Unternehmern, die fürchten, dass ihre Mitarbeiter in möglicherweise besser bezahlte Jobs im IPO abwandern. Auch das wurde bei der von der Pirnaer Wählervereinigung „Wir für Pirna – Freie Wähler“ organisierten Diskussion am Mittwochabend im BMW-Autohaus auf dem Pirnaer Sonnenstein deutlich.

Lesen Sie auch: Pro- und Contra-Stimmen zum geplanten Industriepark

Leser-Kommentare

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Insgesamt 14 Kommentare

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  1. PS

    Und wieder: Ackerland zu Gewerbegebiet. Eines Tages werden unsere Kinder real spüren, dass man Geld nicht essen kann. Regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln ist Überlebens-Sicherung, denn diese Art zu wirtschaften sit falsch und geht nicht mehr lange. In ganz Sachsen gibt es Industriebrachen ohne Ende, allermeistens gut erschlossen. Kurzfristig vielleicht etwas teurer, aber dort aufräumen müssen wir ohnehin, und dort wird nie wieder Ackerland.

  2. PS

    Und wieder: Ackerland zu Gewerbegebiet. Eines Tages werden unsere Kinder real spüren, dass man Geld nicht essen kann. Regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln ist Überlebens-Sicherung, denn diese Art zu wirtschaften ist falsch und geht nicht mehr lange. In ganz Sachsen gibt es Industriebrachen ohne Ende, allermeistens gut erschlossen. Kurzfristig vielleicht etwas teurer, aber dort aufräumen müssen wir ohnehin, und dort wird nie wieder Ackerland.

  3. P.lehmann

    Mehr mehr mehr... Höher Höher Höher... weiter weiter weiter.. Ich "freue" mich schon auf eine neue Staufalle und noch mehr Menschen. Ungebremste exzessive Wirtschaftsausbreitung und Flächenversiegelung für noch mehr sinnlosen Wirtschaftswachstums. Ganz großes Kino.

  4. Ackerland

    @PS: Was inzwischen auf vielem Ackerland angebaut wird sind eher keine Nahrungsmittel für die menschliche Ernäherung sondern Rohstoffe für Bio-Diesel & Co. Und diese riesigen Monokulturen führen nebenbei dann auch noch für das Aussterben von Kleinlebewesen wie Insekten und Vögel.

  5. ja keine Arbeitsplätze

    @P.lehmann: Da sollen in einer Region mit über 5% Arbeitslosenquote bis zu 3.000 neue Arbeitsplätze entstehen: das muss natürlich verhindert werden /*Ironie aus.

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