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Freitag, 13.07.2018

Pilotprojekt abgeblasen

Die Mitnetz Strom verzichtet in Kriebstein auf das Ablesen des Stromverbrauchs per Funk. Dennoch müssen die Zähler ausgetauscht werden.

Von Frank Korn

Die Mitnetz Strom baut ab sofort nur noch moderne Stromzähler ein. Die Ablesung per Funk ist aber in Kriebstein vom Tisch.
Die Mitnetz Strom baut ab sofort nur noch moderne Stromzähler ein. Die Ablesung per Funk ist aber in Kriebstein vom Tisch.

© Th. Goethe/Mitnetz Strom

Kriebstein. In der Gemeinde Kriebstein wird der Stromverbrauch weiter nach der herkömmlichen Methode ermittelt. Das Pilotprojekt des Energieversorgers Mitnetz Strom, die Zähler per Funk abzulesen, ist vom Tisch. Das bestätigt Stefan Buscher, Pressesprecher der Mitnetz Strom, auf Nachfrage des Döbelner Anzeigers. „Ausschlaggebend für unsere Entscheidung war die skeptische Haltung von Gemeinderäten und Bürgern bei der Vorstellung des Projekts im Gemeinderat“, sagte Buscher.

Bei der angesprochenen Sitzung hatte CDU-Rätin Andrea Röder-Reglich offen ihre Abneigung gegen das Projekt ausgesprochen. „Ich bin gegen dieses Modell und gegen die Digitalisierung überall“, sagte sie. Zudem befürchtete Röder-Reglich, dass ältere Bürger damit überfordert werden. Ihr Parteikollege Manuel Viertel sah vor allem die Gefahr des Missbrauchs der neuen Technik (DA berichtete). Eine „Ersatzgemeinde“, die das Pilotprojekt nun umsetzt, gibt es nicht. „Wir planen keine Pilotprojekte in anderen Gemeinden des Landkreises Mittelsachsen“, sagte Stefan Buscher.

Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) sieht die Entscheidung des Stromnetzbetreibers pragmatisch. „Die Gemeinde hätte dadurch weder Vorteile noch Nachteile gehabt“, sagte Euchler. Die Gemeinderäte hätten dazu auch keine Entscheidung getroffen, das sei Angelegenheit eines jeden Bürgers.

Unabhängig von der Absage des Pilotprojektes geht aber der Einbau der digitalen Zähler weiter. Mit dem 2016 verabschiedeten Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende wurde beschlossen, dass bis zum Jahr 2032 alle Stromzähler auf den modernen Standard umgerüstet werden müssen. „Das bedeutet, alle Stromzähler werden von uns als Netzbetreiber ausgetauscht. Das betrifft in unserem Verbreitungsgebiet etwa 1,6 Millionen Messstellen“, so Stefan Buscher. Der überwiegende Teil, etwa 85 Prozent der Stromkunden, erhält einen Zähler, der nicht nur den aktuellen, sondern auch den tages-, monats- und jahresbezogenen Stromverbrauch speichern und anzeigen kann.

Eine Umstellung auf die Funkablesung sei auch nach dem Einbau der neuen Zähler nur mit sehr hohem technischen Aufwand möglich. „Notwendig dafür ist eine Erweiterung des Stromzählers durch ein zusätzliches Kommunikationsgerät“, erklärt der Pressesprecher. (mit vt)