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Freitag, 13.07.2018

Pilot segelt 733 Kilometer am Stück

Ein Verein aus Niedersachsen ist für zwei Wochen in Görlitz. Mit dabei ist ein Ex-Görlitzer.

Von Ingo Kramer

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Bastian Eckelmann (rechts) schaffte 733 Kilometer am Stück mit dem Segelflugzeug. Das Bild zeigt ihn in Görlitz mit einem anderen Vereinsmitglied.
Bastian Eckelmann (rechts) schaffte 733 Kilometer am Stück mit dem Segelflugzeug. Das Bild zeigt ihn in Görlitz mit einem anderen Vereinsmitglied.

© Verein

  • Bastian Eckelmann (rechts) schaffte 733 Kilometer am Stück mit dem Segelflugzeug. Das Bild zeigt ihn in Görlitz mit einem anderen Vereinsmitglied.
    Bastian Eckelmann (rechts) schaffte 733 Kilometer am Stück mit dem Segelflugzeug. Das Bild zeigt ihn in Görlitz mit einem anderen Vereinsmitglied.
  • Görlitz von oben: Die Segelflieger vom Verdener Luftfahrt-Verein nutzten vorige und diese Woche sehr oft die gute Thermik.
    Görlitz von oben: Die Segelflieger vom Verdener Luftfahrt-Verein nutzten vorige und diese Woche sehr oft die gute Thermik.

Görlitz. Für Bastian Eckelmann ist es der persönliche Rekord: 733 Kilometer am Stück mit dem Segelflugzeug – in acht Stunden und 15 Minuten. Von Görlitz ist er zunächst nach Süden gen Tschechien geflogen, dann nach Norden bis Frankfurt/Oder, von da gen Westen und schließlich nach Görlitz zurück – und alles nur mit den Kräften der Thermik. Da ist auch Heinrich Kracke begeistert, der erste Vorsitzende des Verdener Luftfahrt-Vereins, zu dem auch Eckelmann gehört. „733 Kilometer am Stück, das hat in den vergangenen 15 Jahren in unserem Verein maximal ein Segelflieger geschafft.“

Verden ist eine 27 500-Einwohner-Stadt in Niedersachsen, zwischen Bremen und Hannover. Der dortige Verein besteht seit 1932 – und reist schon seit Langem jedes Jahr für ein zweiwöchiges Sommerlager auf einen anderen Platz. „In Görlitz sind wir zum ersten Mal“, sagt Kracke. Die Flieger sind schon fast zwei Wochen hier, am Wochenende reisen sie wieder nach Hause.

Vieles habe für die Neißestadt gesprochen: Der Platz ist groß genug, er ist mit Segel- und Motorflug vertraut, das Wetter ist sicherer als in Norddeutschland und bei schlechtem Wetter gibt es auch am Boden viel zu sehen. Einziges Manko: Für die Motorflugzeuge gibt es vor Ort keine Tankstelle, stattdessen müssen sich die Flieger mit Kanistern behelfen. „Zum Teil mussten wir zum Tanken nach Kamenz oder Bautzen fliegen“, sagt Kracke. Das sei sehr ärgerlich – aber alles andere passt super und auch die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Görlitzer sei toll. Von den 90 aktiven Piloten des Vereins nehmen 30 am Fliegerlager in Görlitz teil, außerdem sind etwa zehn Familienmitglieder mitgekommen, darunter einige Kinder. Darüber hinaus haben die Niedersachsen ihren kompletten Segelflugzeugpark mitgebracht, elf Maschinen insgesamt, dazu drei Motorflugzeuge.

Und auch wenn es gestern geregnet hat: Bis dahin war das Wetter ideal. „In der ersten Woche war die Thermik super, da haben wir uns den Arsch wund geflogen“, scherzt Kracke. Kleiner Nachteil: Es blieb kaum Zeit, sich am Boden umzuschauen. „Immerhin waren wir im Rothenburger Flugzeugmuseum, in den Gewölben der Landskron-Brauerei und in Restaurants“, sagt der 59-Jährige. In seinen Reihen hat er mit Torsten Jinczek auch einen Ex-Görlitzer. Jinczek ist die kompletten zwei Wochen mit dabei – und hat seinen Vereinskollegen viele Tipps gegeben, was sie in Görlitz und Umgebung machen können. Im Mittelpunkt steht aber das Fliegen – und die Flugausbildung. Ein Drittel der Teilnehmer ist in der Ausbildung. „Drei haben hier ihre ersten Alleinflüge gemacht, das ist ein großer Erfolg“, sagt Kracke. Insgesamt seien bisher 300 bis 400 Flugbewegungen zustande bekommen, also Starts und Landungen zusammengenommen.

Auch Werner Lange, Flugleiter der gastgebenden Flugplatz Rothenburg/Görlitz GmbH, freut sich über die Gäste – und die Zahlen. „Wir haben dieses Jahr schon fast 2 800 Flugbewegungen, das sind über 1 000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.“ Es vergehe kaum ein Wochenende ohne Touristen, die mit dem Flugzeug nach Görlitz kommen. Zudem gab es über Himmelfahrt ein dreitägiges Fascination-Treffen: „Das sind Ultraleichtflugzeuge, diesmal waren es etwa 30 Gastflugzeuge“, so Lange. Im Juni folgte dann das Tandemspringen. „Das wollen wir am 8./9. September wiederholen“, sagt Lange. Ob tatsächlich an beiden Tagen oder nur an einem, hängt von der Nachfrage ab. „Wer springen will, sollte sich möglichst zeitnah telefonisch anmelden“, erklärt Lange.

Vorher könnte es im August eventuell auch noch ein zweites Fliegerlager von einem anderen Verein aus den alten Bundesländern geben. Dafür fehlt aber noch die abschließende Zusage. Der beliebte Airlebnistag im September findet aber dieses Jahr wahrscheinlich nicht statt. „Wir als GmbH können ihn dieses Jahr definitiv nicht organisieren, weil bei uns zwei Leute in den Ruhestand gehen und es somit personell nicht mehr zu schaffen ist“, sagt Lange. Wenn, dann müssten es die ansässigen Vereine stemmen. Das zeichnet sich aber derzeit noch nicht ab, sodass Lange damit rechnet, dass der Airlebnistag ausfällt. Für die Flieger aus Verden spielt das freilich keine Rolle. „Uns gefällt es hier sehr gut“, so Kracke. So gut, dass er sich durchaus vorstellen kann, dass sein Verein mal wieder für ein Fliegerlager nach Görlitz kommt.

Anmeldung zum Tandemspringen: 03581 300540