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Donnerstag, 14.06.2018

Peterskirche wird ab Herbst zur Baustelle

Von Ingo Kramer

Ab September sollen die Türme eingerüstet werden. Archivfoto: Pawel Sosnowski
Ab September sollen die Türme eingerüstet werden. Archivfoto: Pawel Sosnowski

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Ein winzig kleines Steinchen von den Türmen der Görlitzer Peterskirche steckt in jeder Armbanduhr, die Robert Navratiel mit seiner Juweleria in der Hospitalstraße jetzt anfertigt. „250 Uhren insgesamt“, sagt er. Zum Stückpreis von 99 Euro will er die edel anmutenden Zeitmesser demnächst in seinem Geschäft anbieten, aber auch in der Tourist-Information Görlitz sowie vor Ort in der Peterskirche. 25 Euro von jeder verkauften Uhr fließen als Spende in die Sanierung der Kirchtürme, also 6 250 Euro insgesamt. „Für die unvorhergesehenen Kosten“, sagt Pfarrer Hans-Wilhelm Pietz.

Um ein Drittel höherer Kosten

Eigentlich hat er die 786 000 Euro beisammen, die er voraussichtlich benötigt. Ursprünglich sollten es nur 577 000 Euro sein. Dann startete er voriges Jahr die Ausschreibung – und musste feststellen, dass die Baupreise deutlich höher sind, als seine Gemeinde kalkuliert hatte. „Das günstigste Angebot beim Gerüstbau lag um ein Drittel darüber“, sagt er. So musste er alles abblasen – und eine Aufstockung der Fördermittel beantragen. „Das ist uns gelungen“, sagt er nun. 542 000 Euro kommen vom Landesamt für Denkmalpflege in Dresden, weitere 89 000 Euro von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien in Berlin. In den Eigenanteil teilen sich Landeskirche, Kirchenkreis und Kirchgemeinde.

Minerale verursachen Risse

Das Problem an der Kirche: In den von 2000 bis 2002 sanierten Türmen sind Risse aufgetreten, die behoben werden müssen. Schuld sind Minerale, die sich gebildet haben. 14 der 16 Wimpergkreuzblumen sind durch eine sogenannte Treibmineralbildung nahezu vollständig gerissen. „Damit das nicht wieder passiert, setzen wir auf eine neue Technologie“, sagt Sven Klingebiel vom Ingenieurbüro Heidelmann & Klingebiel aus Dresden. Dabei kommt Edelstahl zum Einsatz, der dafür sorgt, dass die Mineralien nicht mehr mit dem Altbeton in Kontakt kommen. Auch der weitere Zeitplan des Prozederes steht laut Sven Klingebiel bereits fest: „Jetzt starten wir die Ausschreibung, bis Ende August wollen wir die Aufträge erteilen.“ Hier liegt das Risiko: Die Kirchgemeinde hofft, dass die Angebote der Firmen nicht noch höher ausfallen – und dass das Geld nun reicht. Mitte oder Ende September soll der Gerüstbau beginnen. Bis zum Winter folgen Demontage und Aufmaße. „Über den Winter werden in der Werkstatt die neuen Gussteile hergestellt“, sagt Klingebiel.

Die eigentliche Sanierung soll dann im Frühling beginnen und bis Oktober geschafft sein. So ist die Kirche für etwas mehr als ein Jahr eingerüstet. (SZ/ik)