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Montag, 21.03.2016

Peter Schreier trifft elektronische Musik

Für sein Lebenswerk wird der weltbekannte Tenor mit dem Dresdner Kunstpreis geehrt. Das Elektronik-Festival Dave erhält den Förderpreis der Stadt.

Von Nadja Laske

Den Preis in Form eines geteilten Bronzeapfels fest im Griff: Tenor Peter Schreier nimmt zudem Blumen und Glückwünsche von Oberbürgermeister Dirk Hilbert entgegen.
Den Preis in Form eines geteilten Bronzeapfels fest im Griff: Tenor Peter Schreier nimmt zudem Blumen und Glückwünsche von Oberbürgermeister Dirk Hilbert entgegen.

© Christian Juppe

Oper, ja. Konzert und Liederabend, passt. Dort verortet man den Gesang von Peter Schreier. Aber eingebettet in ein multimediales Kunstprojekt, umschwirrt von elektronischen Beats? Von jeder Menge Spannungsbögen war am Sonnabend auf der Dresdner Kunstpreisverleihung die Rede. Auch von den Aufgaben der Kunst und ihren Bewegungsfeldern, ihren Mühen und Grenzen. Im Festsaal von Schloss Albrechtberg zitierte Oberbürgermeister Dirk Hilbert Karl Valentin: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Die hat keiner von denen gescheut, die nun geehrt wurden: der Sänger und Dirigent Peter Schreier für sein Lebenswerk und die Macher des Festivals Dave für ihre förderungswürdige Arbeit.

Wenn das kein spannender Bogen ist – vom Mozart-Tenor zum multimedialen Projekt. Er umfasste vor Augen und Ohren des Publikums den 80-jährigen Opernstar und die rund 20 jungen Leute, die sich unter dem Label Dave zusammengefunden haben. Vereint erlebten die Gäste der Feierstunde sie in einer audiovisuellen Performance, in der Schreiers Gesang als Knabe und als weltbekannter Künstler zu hören war, eingebettet in eine Klangwelt, die ihm recht fremd sein dürfte.

Ein weiterer Bogen ist den Veranstaltern der Preisverleihung gelungen. Als Gratulanten erschienen nämlich die jüngsten Kruzianer, begleitet von Kreuzkantor Roderich Kreile. Für Peter Schreier sangen die Viertklässler, die erst seit einem halben Jahr zum Chor gehören: „Es ist ein köstlich Ding“ und „Vöglein im hohen Baum“. Letzteres von Rudolf Mauersberger. Der ehemalige Kreuzkantor hatte das Talent des Knaben Peter Schreier erkannt und gefördert. Mit 24 Jahren stand der Tenor erstmals auf der Bühne der Dresdner Staatsoper. Zwei Jahre später war er Ensemblemitglied und wechselte wiederum zwei Jahre später an die Staatsoper Berlin. „Mit nur 33 Jahren war Peter Schreier ein weltweit gefragter Künstler“, sagte am Sonnabend Matthias Herrmann, Professor für Musikwissenschaften an der Dresdner Musikhochschule in seiner Laudatio. Mailand, New York, Buenos Aires und Bayreuth waren Stationen in Schreiers Leben. Dabei wohnte er ab 1945 ununterbrochen in Dresden.

Hier lebt und agiert auch das Gros der Dave-Künstler. Die Bezeichnung steht für Dresden Audio Visual Experience. Unter diesem Namen haben sich Musiker, Produzenten, Booker, Labelbesitzer, Clubbetreiber und Journalisten vereint, um der elektronischen Musik mehr Gehör in der Stadt zu verschaffen. Sie vertonten den Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ neu und zogen immense Aufmerksamkeit mit ihren Auftritten in der Martin-Luther-Kirche auf sich. In ehrenamtlicher Arbeit sorgen sie dafür, dass sich die Szene in Dresden vernetzt, fördern Nachwuchs, bieten nicht nur mit ihrem Festival Auftrittsmöglichkeiten und sorgen dafür, dass Künstler die Stadt nicht für bessere Plattformen in cooleren Städten verlassen. Das Preisgeld von 5 000 Euro ist damit gut angelegt.