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Samstag, 02.06.2018

Park kontra Naturschutz

Beim neuen Park- und Festplatz hinterm Rathaus scheiden sich die Meinungen der Stadträte. Doch ab September wird gebaut.

Von Ines Scholze-Luft

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Hier soll er gebaut werden, der neue Park- und Festplatz im Zentrum von Coswig.
Hier soll er gebaut werden, der neue Park- und Festplatz im Zentrum von Coswig.

© Norbert Millauer

  • Hier soll er gebaut werden, der neue Park- und Festplatz im Zentrum von Coswig.
    Hier soll er gebaut werden, der neue Park- und Festplatz im Zentrum von Coswig.
  • So soll der Platz umgebaut werden.
    So soll der Platz umgebaut werden.

Coswig. Der Ausweichparkplatz wird gebraucht. Da sind sich Coswigs Stadträte recht einig. Denn vor allem, wenn öffentliche Veranstaltungen laufen in Börse oder Rathaus, wird es knapp mit Stellflächen im Zentrum. Die 70 neuen Plätze zwischen Gleisschleife und Netto könnten deutlich Abhilfe schaffen. Das rund 5000 Quadratmeter-Areal hat die Stadt mit Erbbaurechtsvertrag von den DVB übernommen.

Doch nicht nur fürs Autoabstellen ist der neue Platz gedacht. Multifunktional soll er sein. Für Rummel, Open air, Public viewing nutzbar, gestalterisch an den benachbarten Bürgerpark angebunden, ins städtische Wegenetz integriert, fußläufig gut erreichbar. Vor allem soll er eine vernünftige Größe haben. Schließlich handelt es sich nicht um Münchens Theresienwiese, sagt Bauamtschef Wolfgang Weimann.

So weit, so gut. Wäre nicht direkt am Festplatz ein weiterer Bereich, der mit Schotterrasen befestigt werden soll. Allerdings stehen da jetzt Bäume und Sträucher. Die Strauchschicht entfällt, heißt es von der Stadt. Stattdessen werden Parkbäume gepflanzt, und es gibt dann mehr Bäume als vorher, unter den Bäumen sind Sitze für Fußgänger geplant, eben wie in einem Park. Doch was bedeutet die Fällung für die heckenbrütenden Vögel, die dort entdeckt wurden? Eine Frage aus den Reihen der Stadträte, die bei einem Ortstermin mit dem Naturschutz eine Rolle spielte. Von dem noch eine Gegenüberstellung ökologischer Vor- und Nachteile erwartet wird.

Nicht das einzige schwierige Thema. Eine Schallimmissionsprognose zu Auswirkungen des Festplatzes auf umgebende Wohngebäude ist nötig. Es geht um Lärmschutz, entsprechend den Vorgaben für die Nutzung als Festplatz dürften Ereignisse wie das Stadtfest nicht mehr als zehnmal im Jahr stattfinden, sagt der Bauamtschef.

Die Beleuchtung – ebenfalls nicht ohne. Sie darf das Wohnhaus hinterm Festplatz nicht stören. Nur: Die Dauerwege sollen – wie im Bürgerpark – beleuchtet werden. Das ist laut Bauamtschef alles noch zu untersuchen und komplizierter als gedacht.

Der Naturschutz ist nicht zuletzt aus Sicht von Thomas Werner-Neubauer (Grüne) ein Riesenproblem. Er zählt auf, was in dem Gebiet alles festgestellt wurde, darunter Segelfalter, Fitis, Gartengrasmücke. Und fragt: Sollte nicht wenigstens der hintere Teil des Platzes, für den der Schotterrasen vorgesehen ist, mit Bäumen und Sträuchern weitgehend in Ruhe gelassen werden? So werde wahnsinnig viel Geld in die Fläche gesteckt, die erst mal nur für 20 Jahre gepachtet wurde. Ein entsprechender Antrag Werner-Neubauers bleibt jedoch ohne die erforderliche Stadtrats-Mehrheit.

Zwei andere Wünsche finden den Weg ins Protokoll: Einen Bereich für Fahrradabstellplätze zu schaffen. Sowie den Apfelbaum auf der Fläche zu erhalten und Bäume für Falter anzulegen – das will die Stadt mit der Behörde abstimmen. Nur am Feldweg vom Bürgerpark zur Dresdner Straße, einem oft genutzten, jedoch meist sehr verdreckten Durchgang, wird sich nichts ändern. Bürgermeister Thomas Schubert (parteilos): Die Stadt wollte die Fläche erwerben, aber der Eigentümer will das nicht.

Die überwiegende Zustimmung des Stadtrates macht den Weg frei für den Festplatzbau. Insgesamt sind Kosten von 659 581,30 Euro veranschlagt. Nötig für zwei Abschnitte: Der Erste betrifft den Park- und Festplatz bis zur Bruchsteinmauer auf der Westseite, Gesamtkosten 500 740,10 Euro. Der zweite Teil – für den die Finanzierung im Moment noch nicht sicher ist – den Weg an der Bruchsteinmauer.

Mit den Bauarbeiten soll es gleich nach dem Landeserntedankfest losgehen, und zwar am 17. September. Die Fertigstellung ist bis Ende November geplant.

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