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Dienstag, 24.11.2015

Papierflieger im Militärmuseum

Die Pazifistische Liga Großenhain beschoss damit 2013 die Dresdner Einrichtung. Nun stehen die Flieger sogar dort in der Vitrine.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Die Flieger von Paligro befinden sich in der Ausstellung im Thementeil „Primat der Politik“.
Die Flieger von Paligro befinden sich in der Ausstellung im Thementeil „Primat der Politik“.

© Militärhist. Museum

Großenhain/Dresden. Die Geschichte hört sich ein bisschen an wie David gegen Goliath: Die Aktivisten der Pazifistischen Liga Großenhain (Paligro) attackierten im April 2013 das Militärhistorische Museum in Dresden mit Papierfliegern. Und dann am 1. Mai auch Bundespolitiker Jürgen Trittin auf einer Gewerkschaftskundgebung.

Auf den Papierfliegern steht: „Ich wär so gern Drohnenpilot. Da könnte ich von zu Hause aus arbeiten.“ Mit der Aktion wollte Paligro auf die „Gefahr einer drohenden Militarisierung der Bevölkerung“ durch die Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr hinweisen. Der Kopf der Gruppe, Daniel D. Dietze, war bereits zwei Jahre vorher mit einem spontanen Protest beim damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) aufgefallen. Beim Besuch des Ministers in Großenhain hatte Dietze mit ihm auf offener Straße länger diskutiert.

Und nun sind die Paligro-Flieger sogar in eine Ausstellung des früheren Dresdner Armeemuseums am Olbrichtplatz gekommen: In die Sonderschau „60 Jahre Bundeswehr“. Seit 3. November wird diese Ausstellung gezeigt. Die Papierflieger stehen in einer Vitrine im Themenbereich „Primat der Politik“. Auf Deutsch und Englisch werden Besucher darüber informiert, was es mit den gefalteten Flugzeugen auf sich hat.

Keine reine Patriotismusschau

Dem Direktor des Museums, Oberst Matthias Rogg, war die Aktion der Großenhainer Pazifisten sogar eine Erwähnung in einem Mdr-Beitrag zur Ausstellungseröffnung wert. Man wolle keine ausschließliche Hurra- oder Patriotismusschau zeigen, hieß es. Auch gegenteilige Haltungen sollten Gehör finden. Wie Museumssprecher Sebastian Bangert ergänzt, wird selbst das umstrittene Sturmgewehr G 36 ausgestellt, ebenso wie ein Sitz aus dem Flugzeug „Star Fighter“ – der sogenannte Witwenmacher. Gezeigt wird zudem das Plakat „Treue um Treue“. Der Sinnspruch, den sich Fallschirmjäger  für  ihren  Einsatz  in  Afghanistan  gewählt hatten, war in der Bundeswehr verboten worden. Man wollte damit eine zu große Nähe zur Wehrmacht vermeiden.

Auch die Paligro-Aktion werde im Militärhistorischen Museum nicht einfach abgetan, sondern als zulässige Äußerung und Zeichen für Demokratie gewertet und deshalb ausgestellt. Die Bundeswehr sei in einer Demokratie eine legitimierte Parlamentsarmee, sagt Sprecher Bangert. „Wir kämpfen auch dafür, dass man gegen uns sein darf.“ Dass die Papierflieger mit in die Schau kamen, sei ein Beleg dafür, auch wenn dies Bundeswehrangehörigen vielleicht persönlich nicht gefalle.

Daniel Dietze ist überrascht von der Tatsache, dass die Paligro-Flieger nun öffentlich gezeigt werden. „Das kann ich nur begrüßen“, freut sich der Großenhainer, der in Dresden arbeitet. Allerdings sei seit der Aktion von 2013 bei Paligro nicht sehr viel passiert. Die Gruppe bestehe im Wesentlichen nur aus zwei Mitgliedern. Allerdings werde  die Internetseite regelmäßig aktualisiert. Eine neue Aktion ist aber in Vorbereitung.

Verleihung eines Friedenspreises

Am 30. November, so Daniel Dietze, soll in Dresden bei der allmontaglichen Mahnwache für den Frieden am Jorge-Gomondai-Platz der Friedenspreis „Goldene Klopapierrolle in Herzform“ verliehen werden. Die Aktion werde auch auf Youtube im Internet veröffentlicht. Empfänger des ironisch gemeinten Preises wird das Sozialwerk der Bundeswehr mit dem Leitspruch „Hier scheint die Sonne“.

Dass zum Beispiel Zahngold für eine Stiftung zugunsten von Bundeswehrfamilien gesammelt wird oder Kuscheltiere in „Bundeswehroptik“ verteilt werden, finden die Pazifisten geschmacklos. „Solange Soldaten der Bundeswehr, wo und wie auch immer, Kinder und Jugendliche werben und solange deutsche Soldaten im Ausland Kolonien verteidigen, wird Paligro Luftangriffe auf Orte des öffentlichen Lebens fliegen“, hatte Paligro seine „Spaß-Guerilla“ verteidigt. Der Friedenspreis soll ein ähnliches Zeichen setzen – gerade jetzt aus aktuellem Anlass: Syrien.