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Montag, 17.09.2018

Oybiner Schätze restauriert

In Leipzig sind zwei Bücher der Klosterbibliothek wieder in nutzbaren Zustand versetzt worden. In der Burgausstellung werden diese aber nicht gezeigt.

Auch dieses Buch, ein Breviarium Pragense, konnte jetzt restauriert werden.
Auch dieses Buch, ein Breviarium Pragense, konnte jetzt restauriert werden.

© Buchrestaurierung Leipzig

Oybin. Die Christian-Weise-Bibliothek Zittau und die Gemeinde Oybin mit der Burg- und Klosteranlage hatten im vergangenen Jahr gemeinsam zu einer Spendenaktion zur Restaurierung zweier wertvoller Oybiner Bücherschätze aufgerufen. Uwe Kahl Leiter des wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Altbestandes der Christian-Weise-Bibliothek, erklärt, worum es sich dabei handelt. „Zum einen ging es um ein Antiphonar, eine liturgische Handschrift, welche die Stundengebete der Kirche enthält. Es dürfte um 1400 entstanden sein und soll der Überlieferung nach aus der Bibliothek des einstigen Coelestinerklosters auf dem Oybin stammen.“ Beim zweiten Buch handelt es sich laut Uwe Kahl um ein Breviarium Pragense. „Das ist ein Gebetbuch nach Prager Ritus, welches 1492 in Nürnberg gedruckt wurde“, sagt Uwe Kahl. „Dieser alte Druck stammt nachweislich aus der Oybiner Klosterbibliothek. Er wurde sogar in der Oybiner Klosterbuchbinderei eingebunden, was an besonderen Zeichen erkenntlich und in der Forschung belegt ist.“

Dank einer großzügigen Förderung durch die Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien und durch zahlreiche private Spenden sowie durch Eigenmittel der Gemeinde Oybin und der Christian-Weise-Bibliothek Zittau konnte ein Leipziger Fachbetrieb die Restaurierungsarbeiten im ersten Halbjahr 2018 durchführen. Damit wurden die beiden historischen Schätze der einstigen Oybiner Klosterbibliothek wieder in einen nutzbaren Zustand versetzt. Die Papierhandschrift des Antiphonars hatte in den vergangenen Jahrhunderten sehr gelitten. Bei der Restaurierung wurde sie gründlich gereinigt, Spuren von Wasser-, Schimmelpilz- und Insektenschäden beseitigt. Risse und Fehlstellen im Papier wurden geschlossen. Der Buchblock wurde neu geheftet. Die historische Einbanddecke wurde aufgearbeitet und wieder mit Schließen versehen. Das Breviarium Pragense wurde ebenfalls gesäubert, Risse im Papier geschlossen, lose Seiten eingebunden. Der Oybiner Einband wurde aufgearbeitet und mit Schließen versehen. Zudem wurden beide Bücher digitalisiert.

Uwe Kahl freut sich über die Restaurierung der Bücher. „Die beiden Oybiner Schätze sind nun für die folgenden Jahrhunderte gerüstet. Sie harren aber noch immer ihrer wissenschaftlichen Erschließung, vor allem die zahlreichen handschriftlichen Eintragungen in dem Breviarium sind noch unbearbeitet.

Zur diesjährigen Klosternacht am 7. Juli wurden die beiden restaurierten Bände für einen Tag an ihrem ursprünglichen Ort auf dem Berg Oybin präsentiert. Eine dauerhafte Ausstellung ist dort aus konservatorischen Gründen leider nicht möglich, sagt Uwe Kahl. „Daher wurde bei der Restaurierung ein aufwendiges Faksimile des Oybiner Einbandes und einer Doppelseite des Antiphonars für die Dauerausstellung auf dem Oybin geschaffen. Sie sind dort seit der Klosternacht zu sehen.“ (SZ)