erweiterte Suche
Donnerstag, 31.05.2018

Ostritz wappnet sich fürs nächste Neonazi-Festival

NPD-Funktionär Thorsten Heise hat das zweite Schild- und Schwert-Fest für November in Ostritz angemeldet. Die Macher des Friedensfestes bereiten schon wieder Gegen-Aktionen vor.

Im November soll in Ostritz erneut ein Neonazi-Festival stattfinden. Die Friedensfest-Macher wollen wieder dagegenhalten. (Symbolbild)
Im November soll in Ostritz erneut ein Neonazi-Festival stattfinden. Die Friedensfest-Macher wollen wieder dagegenhalten. (Symbolbild)

© dpa

Ostritz. Mit großer Kraftanstrengung hat es die kleine Stadt Ostritz geschafft, nicht als „Nazi-Stadt“ abgestempelt zu werden. Am vorletzten April-Wochenende organisierten Privatleute und Vereine ein großes Friedensfest auf dem Marktplatz und reagierten damit auf ein Festival von Neonazis auf dem Gelände des alten Hotels Neißeblick am Rande der Ostritzer Altstadt. So standen nach Schätzungen der Polizei etwa 1 200 Neonazis rund 3 000 Menschen gegenüber, die sich für Demokratie und Toleranz eingesetzt haben.

Doch eine wirkliche Verschnaufpause haben die 2 400 Bewohner von Ostritz nicht. Schon in fünf Monaten soll es das nächste Neonazi-Treffen geben. Für das Wochenende vom 2. und 3. November kündigen dieselben Veranstalter wie im April unter dem Markennamen „Schild und Schwert“ wiederum ein Festival mit Sport und Musik an – diesmal unter dem Beinamen „Festival für Frieden und Freiheit“.

Als Provokation empfinden die ehrenamtlichen Organisatoren des Ostritzer Friedensfestes diesen Plan und vor allem den Titel. „Hier wird bewusst unser Friedensfest attackiert“, sagt Georg Salditt vom Organisationsteam. So wurde am Mittwoch aus einem gemeinsamen Treffen, bei dem alle Beteiligten auf das besondere Wochenende vom 20. bis zum 22. April zurückblicken, schon das nächste Vorbereitungstreffen: Was werden wir tun, wenn die Neonazis wieder kommen? Dass etwas passieren muss, darin waren sich die Organisatoren und Helfer für das Friedensfest im April einig. Offen ist bislang, welche Aktionen die Ostritzer dem geplanten nächsten Treffen von Neonazis entgegensetzen. Vor der Kälte Anfang November fürchte sich niemand, saget Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) kämpferisch: „Die Ostritzer harren auch bis spät Abends auf ihrem Weihnachtsmarkt aus.“ Eine Demonstration mit Kerzen, stille Mahnwachen, Spendenläufe zugunsten von Neonazi-Aussteigerprogrammen: Die Liste der Ideen ist lang.

Das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) im Koster Sankt Marienthal hat vorsorglich schon Veranstaltungen auf mehreren öffentlichen Flächen in Ostritz angemeldet. „Wir gehen damit noch weiter als im April“, sagte Stiftungsdirektor Michael Schlitt zur SZ. „Denn wir wollen keinen Meter den Neonazis überlassen.“ Schon beim Friedensfest ging es darum, dass die Neonazis auf ihr Festgelände neben dem Bahnhof beschränkt bleiben und nicht demonstrativ durch die Straßen der Stadt ziehen können. etwa zum Kriegerdenkmal am anderen Ende des Ortes.

Das rechte Festival in November soll nach Einschätzungen der Friedensfest-Macher wieder ähnliche Ausmaße haben wie im April. Damals waren 750 rechtsextreme Teilnehmer angemeldet, rund 1 000 kamen nach Polizeischätzungen.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Mühlhausen die Ermittlungen gegen den Veranstalter des Schild- und Schwert-Festivals, Thorsten Heise, eingestellt. Die Polizei hatte während des Festivals T-Shirts beschlagnahmt, die zwei gekreuzte Stielgranaten zeigten. Die Vermutung, dass es sich dabei um Symbole des historischen Nationalismus der 1930er und 1940er Jahre in Deutschland handele, teilt die Staatsanwaltschaft nicht. Heise ist Landesvorsitzender der rechtsextremen NPD in Thüringen und organisiert die Festivals unter dem Label „Schwert und Schild“. Auch das Festival im November hat Heise als Privatperson angemeldet, bestätigt die Stadt Ostritz auf Nachfrage. (SZ/fs, mit dpa)

www.ostritzer-friedensfest.de