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Donnerstag, 14.06.2018

„Open Air zu singen ist schwieriger als im Saal“

Peter Gierth und andere Mitglieder des Konzertchores Riesa organisieren jährlich das Chorsingen im Klosterhof. Im SZ-Gespräch erklärt er, was den Reiz der Veranstaltung ausmacht.
Peter Gierth und andere Mitglieder des Konzertchores Riesa organisieren jährlich das Chorsingen im Klosterhof. Im SZ-Gespräch erklärt er, was den Reiz der Veranstaltung ausmacht.

© Lutz Weidler

Riesa. Es ist ein Highlight im Terminkalender des Riesaer Konzertchores: das jährliche Chorsingen im Klosterhof. Am kommenden Sonntag, 17. Juni, um 15 Uhr ist es wieder so weit. Vier Chöre sind zu Gast. Wie viel Arbeit dahinter steckt, verrät Vereinschef Peter Gierth im SZ-Gespräch.

Herr Gierth, gibt es in Riesa aus Ihrer Sicht genug kulturelle Angebote?

Schon, aber nicht für alle Alters- und Interessengruppen. Angebote für Chorliebhaber sind eher unterrepräsentiert.

Warum?

Es gibt in Riesa nicht so viele Chöre und Menschen, die sich für diese Art von Musik erwärmen. Das liegt auch an den Interessen der jungen Leute. Die meisten sind eher sportlich unterwegs. Wenn jemand als Kind oder Jugendlicher singt, dann ist er für uns als Konzertchor spätestens verloren, wenn die Ausbildung beginnt. Dann ziehen die meisten Potenziale weg.

Wenn es, wie Sie sagen, wenig Chorinteressierte in der Region gibt, ist es doch auch in Ordnung, dass es wenig Chorkonzerte gibt.

Je mehr wir in diese Richtung anbieten, desto mehr wecken wir das Interesse. Aus diesem Grund veranstalten wir unser jährliches Chorsingen im Klosterhof.

Wie viel Arbeit steckt dahinter, die das Publikum nicht sieht?

Die Vorbereitungen beginnen ein knappes Jahr vorher. Das geht damit los, den Klosterhof zu sichern. Der ist ja stark nachgefragt. Dann geht es damit weiter, die Chöre anzufragen. Auch die sind im Sommer sehr beschäftigt. Da muss man spätestens im Herbst die Einladungen rausschicken. Weiter geht es mit dem Programm, dem Catering, der Werbung und so weiter.

Wie viele Sängerinnen und Sänger erwarten Sie am Sonntag?

So etwa 130, inklusive Konzertchor Riesa. Allein wir sind 40.

Wo übernachten die alle?

Von weither kommt nur der Hamburger Chor. Der verbindet die Veranstaltung in Riesa mit einer mehrtägigen Chorfahrt. Ein weiteres Konzert wird er einen Tag vorher in Röderau geben. Die Hamburger übernachten im Hotel Mercure. Alle anderen kommen nur für den Tag nach Riesa.

Wie kommt es, dass ein Chor aus Hamburg dabei ist?

Zufall. Wir veranstalten jährlich eine Chorfahrt. Dafür brauchen wir vor Ort einen Partnerchor. 2017 haben wir uns durch halb Norddeutschland telefoniert – ohne Erfolg. Über Ecken erfuhren wir, dass ein Mann, der aus Röderau stammt, einen Chor in Hamburg leitet. Im Herbst 2017 waren wir dort. Jetzt folgt der Rückbesuch.

Und? Singen der Riesaer Konzertchor und das Hamburger „Quartett Mozart“ in einer Liga?

Das will ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass die Hamburger als reiner Männerchor ein anderes Repertoire haben als wir. Die singen auch moderne Stücke. Bis hin zu Pop und Schlager.

Was ist der Reiz des Chorsingens?

Dass eben alle Chöre so verschieden sind.

Eignet sich der Klosterhof überhaupt für ein Chorkonzert?

Open Air zu singen ist schon schwieriger als in einem Konzertsaal. Andererseits bietet der Klosterhof unbestritten ein tolles Ambiente.

Und was, wenn es regnet?

Dann weichen wir in den Ratssaal im Klosternordflügel aus. Aber ich gehe nicht davon aus, dass es regnen wird.

Das Gespräch führte Britta Veltzke.

Zum Chorkonzert im Klosterhof kommen neben dem Konzertchor vier Chöre: Männerchor Großenhain-Reinersdorf, Kaleidoschor (Ebersbach), Männerchor „Quartett Mozart“ (Hamburg), Chorisma (Leipzig). Karten für sieben Euro gibt es an der Tageskasse. Kinder bis zehn Jahre frei.