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Sonntag, 25.02.2018

Olympia-Silber fühlt sich an wie Gold

Das historische Olympia-Finale von Pyeongchang ging dramatisch verloren, doch das deutsche Eishockey-Nationalteam hat eine ganze Nation verzückt.

Von Carsten Lappe, Kristina Puck und Maximilian Haupt

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Frank Mauer (l) und Goalie Danny aus den Birken mit ihren Silbermedaillen.
Frank Mauer (l) und Goalie Danny aus den Birken mit ihren Silbermedaillen.

© Daniel Karmann/dpa

  • Frank Mauer (l) und Goalie Danny aus den Birken mit ihren Silbermedaillen.
    Frank Mauer (l) und Goalie Danny aus den Birken mit ihren Silbermedaillen.
  • Die Eishockeyspieler vom Team „Olympischer Athleten aus Russland“ jubelt nach dem Gewinn der Goldmedaille.
    Die Eishockeyspieler vom Team „Olympischer Athleten aus Russland“ jubelt nach dem Gewinn der Goldmedaille.
  • Die Spieler vom deutschen Eishockeyteam feiern ihre Silbermedaille.
    Die Spieler vom deutschen Eishockeyteam feiern ihre Silbermedaille.

Pyeongchang. Erst nach dem Partybefehl von Marco Sturm verflog beim deutschen Olympia-Wunderteam die lähmende Enttäuschung über das um 55,5 Sekunden verpasste Eishockey-Gold. Minutenlang erklärte der Bundestrainer Deutschlands neuen Sport-Lieblingen, was sie mit dem größten Erfolg des deutschen Eishockeys geleistet haben. „Er hat gesehen, dass jeder nur enttäuscht war und hat uns dann klargemacht, dass wir eine Medaille haben. Das ist die Silbermedaille, das gab es noch nie im deutschen Eishockey, und wir sollen stolz sein“, sagte Kapitän Marcel Goc nach dem 3:4 (0:1, 1:0, 2:2) nach Verlängerung gegen die Stars der Olympischen Athleten aus Russland (OAR).

Sturms Worte zeigten Wirkung. „Deshalb werden wir heute mal richtig die Sau rauslassen“, sagte Stürmer Patrick Reimer, der zuvor besonders geknickt war. Während einer Strafzeit gegen den Nürnberger schossen die Russen in der Verlängerung das Siegtor durch Kirill Kaprisow in der 10. Minute der Overtime. Der große Goldfavorit hatte gegen ein bravourös kämpfendes Team erst 55,5 Sekunden vor dem Ende ausgeglichen. „Hat Ihnen schon mal jemand ins Herz gestochen? So fühlt sich das an“, sagte der starke Goalie Danny aus den Birken.

Doch nach der Ansprache von Sturm trockneten allmählich die Tränen der deutschen Spieler, die die Russen nach Toren von Felix Schütz (30.), Dominik Kahun (54.) und Jonas Müller (57.) beinahe in der Knie gezwungen hätten. Erst mit den Silbermedaillen um den Hals kehrte das Lächeln ganz langsam in die Gesichter zurück. „Ganz Deutschland ist stolz auf uns“, meinte aus den Birken über den grandiosen Erfolg, der nach 42 Jahren endgültig Olympia-Bronze von 1976 vergessen machte.

„Wir lassen uns jetzt auch 40 Jahre lang feiern. Vielleicht hat ja Hollywood Lust einen Film über uns zu machen. Ich möchte nur, das Brad Pitt mich dann spielt“, witzelte der zum besten Olympia-Keeper benannte aus den Birken. „Yannic Seidenberg stand neben mir und hat gesagt: ‚Das ist ein Bild, auf das schauen wir ein Leben lang zurück‘. Da will ich nicht mit irgendeiner Grimasse dastehen, sondern mit lachendem Gesicht“, sagte Reimer (35). „Wir haben es uns verdient, dass wir lachen können. Wir können mehr als stolz sein.“

Zunächst ging es für die Silbergewinner weiter zur Schlussfeier, auf der Abwehr-Ass Christian Ehrhoff stellvertretend für das gesamte Team die deutsche Fahne trug. Danach stand die Abschluss-Sause im Deutschen Haus in den Bergen von Pyeongchang an.

„Wir sind nicht nur als eine Mannschaft zusammen gewachsen. Ich denke auch ganz Deutschland ist zusammengewachsen. Das werden wir als eine Mannschaft auch nicht vergessen“, sagte der ergriffene Bundestrainer zu den wundersamen 17 Tagen von Pyeongchang. Seit der Ankunft am 8. Februar in Südkorea entwickelte sich aus einem von der Fachwelt und Öffentlichkeit belächeltem Außenseiter ein Team, das zusammenwuchs, sich steigerte und die großen Nationen das Fürchten lehrte.

Selbst der russische Super-Stürmer Pawel Dazjuk war beeindruckt. „Ich bin sehr überrascht, sie haben sehr gut gespielt. Sie waren besonders läuferisch gut, sie haben gut verteidigt, sie haben ein gutes System, eine gute Organisation“, sagte der frühere NHL-Star. „Je länger das Turnier ging, desto mehr haben wir dran geglaubt. Ich denke, wir haben hier Großes geleistet“, sagte Kapitän Goc (34).

„Dieses Turnier und diese Mannschaft werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, sagte Sturm. „Das gab es noch nie und wird es nicht so schnell wieder geben“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl, der 1976 beim Bronze-Gewinn von Innsbruck selbst auf dem Eis gestanden hatte. Dies ist nun endgültig Geschichte. „Man kann das noch nicht richtig realisieren. Aber eine Eishockey-Nationalmannschaft hat ein ganzes Land sportlich begeistert, die Zuschauer elektrisiert“, sagte Reindl.

Unmittelbar mit Spielschluss gingen permanent Glückwünsche aus der Heimat ein. „Ihr seid Helden! Feiert die Silbermedaille!“, twitterte Fußball-Nationalspieler und Eishockey-Fan Thomas Müller. „Absolute Inspiration für Wille, Kampfgeist und Zusammenhalt! Danke!“, schrieb Golf-Profi Martin Kaymer und Fußball-Weltmeister Lukas Podolski schrieb: „Aber ihr habt viele neue Eishockey Fans dazugewonnen und ganz Deutschland hinter euch gebracht. Ihr habt unser Land und Eishockey super präsentiert. Danke für diese geile Zeit!“

Auch die Nationalspieler aus der NHL, die wegen des Olympia-Boykotts der besten Liga der Welt nicht mithelfen konnten, fieberten mit. „Jungs ihr wart Weltklasse. Könnt unglaublich Stolz auf euch sein“, twitterte Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl und Abwehrspieler Korbinian Holzer meinte: „So unglaublich stolz auf diese Jungs. We’ll be back.“ Genau darauf setzen nun auch Reindl und Sturm.

Der sensationelle Gewinn der Silbermedaille soll nun einen Boom begründen. Nach dem Fußball ist Eishockey zwar nach Zuschauerzahlen immer noch die populärste Mannschaftssportart in Deutschland, hatte es in der Öffentlichkeit auch wegen ausbleibender Erfolge aber zunehmend schwerer. „Ich hoffe, dass es dem deutschen Eishockey einen Push nach vorne gibt. Jeder zu Hause war aufgeregt, ganz viele haben geschaut. Da sind wir natürlich stolz, dass wir ein Land so mitziehen konnten“, sagte auch Sympathieträger Ehrhoff. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Biker

    Glückwunsch an die Deutsche Mannschaft! Sie war die beste im Turnier. Ein unverdienter Sieg, einer Mannschaft, die hätte gar nicht bei Olympia dabei sein dürfen. Aber warten wir mal die Dopingproben ab, am Ende gibt es doch noch Gold!

  2. @Biker

    Jaja, die anderen gewinnen immer unverdient. Auf jeden Fall ne tolle Leistung des deutschen Teams. Die Gegner hatten zweifelsohne die besseren Einzelspieler, man hat mit Teamgeist und großem Kampf gegengehalten. Bleibt zu hoffen, dass dieser Erfolg bei der Jugendarbeit an der Basis etwas hilft. Grad ist es paar Tage Dauerfrost. Aber welcher Ort ohne Eishalle legt da noch eine Spritzeisbahn an?

  3. Coschützer

    Danke für dieses Wahnsinnsturnier und Glückwunsch für Silber. Ich freue mich auf den 15.04. wenn die Helden nach Dresden kommen. Aber jetzt freue ich mich erstmal auf den Mittagsschlaf...

  4. Mal ne Anmerkung

    Glückwunsch an unsere Jungs,eine nie erwartete Silbermedallie!Und an den Dauerstänkerer Biker ,natürlich hat die ganze Mannschaft der Russen irgenwelches Zeugs genommen und Putin hat die Schiedsrichter bestochen!Ihre Russland -Phobie grenzt schon an eine geistige Verarmung.Hetzen und stänkern ,das ist der Biker. Und die bessere Mannschaft ist der Gewinner der Goldmedallie.Einfach nur mal diesen Russlandhass aus der Birne verbannen.Geht aber bei Biker nicht.

  5. Klonk

    @Mal ne Anmerkung, ganz abwegig ist es aber auch nicht, schließlich dopte selbst der russische Curler.

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