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Sonntag, 23.09.2018

Ohne Auto durchs Leben

Falk Richter erledigt alles mit dem Rad. Die Stadt will mehr Menschen dazu bewegen.

Von Julia Vollmer

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Falk Richter und seine Kinder Helene und Ammon sind gern mit dem Lastenrad unterwegs. Natürlich auch am autofreien Samstag auf dem Dr.-Külz-Ring.
Falk Richter und seine Kinder Helene und Ammon sind gern mit dem Lastenrad unterwegs. Natürlich auch am autofreien Samstag auf dem Dr.-Külz-Ring.

© Marion Gröning

Die Liebe zu seinem Fahrrad hat sich Falk Richter auf die Wade tätowieren lassen. Dort prangt sein Drahtesel plus die vier Jahreszeiten. „Das Rad im Winter stehen lassen? Das kommt für mich nicht infrage“, erklärt der 31-Jährige das Bild. Ein Auto besitzt der berufstätige Vater zweier Kinder nicht. Es geht auch ohne. Immer mit dabei: sein Lastenrad. „Da sitzen meine Tochter und mein Sohn vorne drin und damit transportiere ich den Wocheneinkauf“, erzählt Richter, der sich auch im ADFC engagiert. Bis zu 100 Kilogramm Gewicht trägt sein Rad. „Ich bin sogar schon den 650 Kilometer langen Oder-Neiße-Radweg samt Gepäck damit gefahren“, so der Kindergärtner. Und das Auto fehlt ihm gar nicht? „Nein, das ist so, wie bei Alkohol oder Fleisch. Wenn du es weglässt, denkst du irgendwann gar nicht mehr dran.“

Die Idee, zumindest mal einen Tag lang auf das Auto zu verzichten, wollte auch die Stadtverwaltung am Samstag den Dresdnern näherbringen. Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (beide Grüne) luden gemeinsam mit den Dresdner Verkehrsbetrieben, dem ADFC und anderen zum autofreien Samstag ein. Auf dem Dr.-Külz-Ring war das Stück zwischen Georgplatz und Dippoldiswalder Platz von 8 bis 19 Uhr gesperrt. Das Interesse war mit 9 000 Besuchern, die die Stadt zählte, rege und die erwarteten großen Staus blieben aus. Vereinzelt stauten sich Autos auf der Wilsdruffer und auf der St. Petersburger Straße, aber nicht mehr als an einem normalen Einkaufssamstag.

„Wir wollen den Menschen mit der Aktion einen Anstoß geben, um über Alternativen zum Auto nachzudenken“, so Schmidt-Lamontain, der selbst mit dem Skateboard kam. Ebenso wie Jähnigen nutzt er in Dresden so gut wie nie ein Auto, sondern fährt Rad, Bus oder Bahn.

Der autofreie Samstag habe sich etabliert und in diesem Jahr konnten mehr Akteure gefunden werden als 2017. Wird es bald eine komplett autofreie Stadt für einen Tag geben? „Das wird aus wirtschaftlichen Gründen nicht funktionieren“, sagte Schmidt-Lamontain.

Jedes Jahr ist der 22. September europaweit der autofreie Tag. Erreicht werden soll damit die Verringerung von Schadstoffen in der Luft und von Lärm. In den Städten wurde das Event unterschiedlich begangen. In Hannover war im Juni die komplette Innenstadt für einen Tag gesperrt. In Leipzig beispielsweise war am Samstag aber mit dem Lindenauer Markt auch nur ein Platz weitab des Zentrums gesperrt, in Wien nur der Ring. In der österreichischen Stadt galt dafür jedes Einzelfahrtticket, das am 22. September gekauft wurde, als Tagesticket. Wäre das auch eine Option für Dresden? „Die meisten unserer Kunden nutzen ohnehin eine Zeitkarte, die erreichen wir damit nicht“, so DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach. Die Aktion auf dem Dr.-Külz-Ring sei die bessere Marketingaktion. Und was wünschen sich Falk Richter und seine Kinder Helene und Ammon, damit Dresden radfreundlicher wird? „Eine Lösung für die St. Petersburger Straße, damit dort niemand mehr verunglückt.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

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  1. Autofahrer

    Ich finde es toll, die Abwechslung, Samstag Autofrei und Sonntag Fahrradfrei. Darum liebe ich die schlechte Jahreszeit. Sobald das Wetter schlechter ist, ist es wohl bei viel vorbei mit dem Öko-Gender-Wahn. Finde an solchen Tagen sollten auch mal die Zahlen genommen werden, für die evtl. Neu/Ausbau der Fahrradwege. Dann sieht man den realen Bedarf und nicht nur den schön Wetter Bedarf.

  2. Bürgerin

    Man würde ja gern öfters die Bahn oder Bus nehmen ,aber solange ich Ullersdorferplatz zum Schillerplatz (10min.) eine Stundenkarte lösen muß und in der restlichen meine Wege nicht erledigt habe, das Gleiche zurück bezahle fahre ich mit dem Auto . Die Verkehrsbetrieb haben Geld von einem Stundenticket gewonnen. Stunden Kurzstrecken für 4 Haltestellen ist ein Witz ,es gab sie schon einmal für 30 Min. . Ältere Menschen können eben nicht mehr alles mit dem Rad erledigen , in dem Alter von Herrn Richter machten wir es auch . Taxipreise sind auch nicht mehr preiswert .

  3. Lore

    Es ist schon nicht nachzuvollziehen, für ein Tagesticket zahle ich als Seniorin den ermäßigten Preis. Für eine Monatskarte muß ich voll zahlen. Es gibt viele Rentner die nicht unbedingt mehr Geld zur Verfügung haben als Studenten, warum kommen wir nicht in den Genuß eines "Rentner-Simester-Tickets"? In London fahren die Senioren-Einwohner kostenlos im Bus!!!!

  4. Straba

    Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wieso die öffentlichen Verkehrsmittel so wenig dafür tun, dass die Menschen auf Straßenbahn und Bus ausweichen. Die Preise werden erhöht noch und nöcher, der Service immer schlechter. @Lore - ja, auch in Prag fahren Senioren kostenfrei mit Bahn und Bus! Wieso muss das Jobticket denn für das ganze Jahr gekauft werden? Ich fahr im Sommer mit dem Rad - im Winter mit dem Auto, weil ich das Jobticket nur für das ganze Jahr und nicht nur für das Winterhalbjahr bekomme! Ich kennt mehrere Leute, die das Jobticket für das Winterhalbjahr kaufen würden, da das nicht möglich ist, wird halt mit dem Auto gefahren! Überall wird gerechnet, auch ich muss rechnen, wieso soll ich einbüßen, nur damit die Stadt autofrei wird?

  5. Um die Ecke

    Hauptsache , dass dem Herrn mit seinem Lastenfahrrad seine Einkäufe vorher per Diesel-LKW in den Neustadt-Späti gekarrt wurden. Man kann auf's Auto verzichten, auf Fleisch und auf Aikohol. Und natürlich auch auf's Nachdenken.

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