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Freitag, 22.05.2009

OB geht für Kaufhaus auf Investorensuche

Die Meinungen zu Hertie und dem Angebot gehen auseinander. Aber alle hoffen, dass das Haus schnell wieder öffnet.

Von Carla Mattern

Die Schließung des Hertie-Kaufhauses ist zurzeit das meistdiskutierte Thema in Görlitz. Das sagten am Freitag Einheimische und Touristen der SZ dazu:

Die Touristen

„So ein wunderschönes Kaufhaus wie das Görlitzer wird gar nicht mehr gebaut“, sagt Günter Horn. Mit Familienangehörigen stand er gestern bei Hertie, wollte noch einmal reingehen. „Wir sind nicht das erste Mal hier “, sagt der Tourist aus Dresden. „Als es schon einmal hieß, dass es damals von Karstadt geschlossen werden sollte, sind wir extra nach Görlitz gefahren. Wir hatten von der Schönheit des Hauses gehört und uns gesagt, das müssen wir uns unbedingt ansehen.“

Die Einheimischen

„Für die Mitarbeiter ist es schade“, sagt eine Deutsch Paulsdorferin. Sie hofft, dass sich schnell jemand findet, der die Hertie-Nachfolge antritt. „Ich werde das Haus mit seinem Angebot vermissen“, so die Frau. Arnim Müller sieht das ähnlich. „Das Haus darf nicht lange zu sein, es ist einer der wichtigsten Anlaufpunkte in der Stadt“, sagt der Görlitzer. Von einem Nachfolger wünscht er sich, „dass auch gewisse Extras geboten werden“. Viele Bekannte des Görlitzer fahren zum Einkaufen weg, meist nach Dresden und Berlin. Für Mann aus Ebersbach steckt in der Entscheidung zum Hertie-Kaufhaus auch eine Chance. „Das war absehbar: Trotz der verschiedenen Schließungsabsichten haben sich in den Jahren der Service und die Atmosphäre nicht verbessert. Das Sortiment ist bescheiden“, sagt er. Für die Mitarbeiter sei die Entscheidung tragisch. Möglicherweise brauche es für das Haus auch ein anderes Nutzungskonzept, so der Ebersbacher. „Vielleicht kommt jemand auf die Idee, eine moderne Disko einzubauen, die Gäste auch von weiterher nach Görlitz zieht.

Die StadtPolitiker

Der Stadtverband der CDU erklärt seine Solidarität mit den Beschäftigten des Hertie-Standortes Görlitz. Er wird sich auf allen politischen Ebenen dafür einsetzen, dass der Kaufhausstandort in Görlitz eine Zukunft hat. „Wir fordern die Staatsregierung auf, alles für den Erhalt der betroffenen Arbeitsplätze zu tun“, sagt Dieter Gleisberg, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat. Schnelles Handeln fordern auch die Görlitzer Linken. Primäres Ziel müsse es sein, das Görlitzer Kaufhaus zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern. „Unkonventionelle Lösungen müssen jetzt gedacht werden. Ein Weg könnte sein, dass der OB, der Stadtrat und die Wirtschaftsförderung gemeinsam nach regionalen Investoren suchen, die ein Angebot für den Kauf des Hauses unterbreiten, um als Eigentümer bei moderaten Mietpreisen Interessenten anzulocken“, so Mirko Schultze, der Vorsitzende des Ortsverbands der Linken. Eine Idee wäre die Schaffung eines Lausitzkaufhauses, in dem regionale Anbieter ihre Produkte anbieten.

Der Oberbürgermeister

Das Interesse an Görlitz als Handelsplatz sei groß, so Joachim Paulick. Gemeinsam mit der Europastadt GmbH wurde bereits mit Investoren gesprochen, die aber noch ergebnislos waren. „Nun werden wir aktiv auf die Suche gehen“, sagt der Oberbürgermeister.