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Donnerstag, 14.06.2018

Nur Trixi bemerkte den unerwünschten Besuch

Von Ralf Grunert

Jutta Thalmann, ihr Ehemann Dieter und die Hunde-Dame „Trixi“ vor dem Wiesenabschnitt auf ihrem umzäunten Grundstück mitten in der Ortslage Klein Neida, den Wildschweine in der Nacht zum gestrigen Mittwoch heimgesucht haben. Foto: Ralf Grunert
Jutta Thalmann, ihr Ehemann Dieter und die Hunde-Dame „Trixi“ vor dem Wiesenabschnitt auf ihrem umzäunten Grundstück mitten in der Ortslage Klein Neida, den Wildschweine in der Nacht zum gestrigen Mittwoch heimgesucht haben. Foto: Ralf Grunert

Als die elfjährige „Trixi“ gestern eine Stunde nach Mitternacht laut angeschlagen hat, dachten sich Jutta Thalmann und ihr Ehemann Dieter nichts dabei. Dass die Hunde-Dame dann gegen 4 Uhr unbedingt vor die Tür des mitten in Klein Neida gelegenen Fachwerkhauses drängte, machte beide schon etwas stutzig. Der Grund für die Aufregung des Tieres wurde mit dem Tageslicht erkennbar. Beim allmorgendlichen Rundgang durch den Garten erschrak Jutta Thalmann. Die Wiese war großflächig zerwühlt. „Das waren Wildschweine gewesen“, so ihr erster Gedanke. „Ich hatte auch sofort den typischen Geruch in der Nase.“

Der Schaden ist ärgerlich und das gleich in doppelter Hinsicht. „Das war unsere Krokuswiese mit Blausternchen und Schneeglöckchen. Das war im Frühjahr immer eine Pracht, wenn es hier geblüht hat.“ Nun befürchtet Jutta Thalmann, dass sich die Rasenfläche so schnell nicht vom Wildschwein-Übergriff erholen wird. Pragmatisch fügt sie hinzu: „Da hätte mein Mann gestern auch kein Gras mähen brauchen.“

Nachts auf der Straße gelaufen

Die beiden Eheleute können nur mutmaßen, wie die Tiere auf das ringsum eingezäunte Grundstück gelangt sein können. Eine flache Rinne, die unter dem Gartentor verläuft, komme dafür infrage. Noch am gestrigen Vormittag wurde sie mit einer Betonplatte und mit kleinen Findlingssteinen derart verschlossen, dass das Wasser zwar weiter abfließen kann, aber nun nicht mal mehr Katzen oder Igel durchschlüpfen können. Auch am Zaun zu einem der Nachbargrundstücke entdeckte Dieter Thalmann eine Stelle, an der sich die Wildschweine unter dem Zaun hindurchgezwängt haben könnten. Wofür sie aber keine Erklärung haben: Von ihrem an der Friedrich-Engels-Straße gelegenen Grundstück sind es in alle Richtungen mindestens 100 Meter, meist mehr, bis zum Rand der Wohnbebauung. „Die Wildschweine müssen doch in der Nacht auf der Straße gelaufen sein. Anders geht es nicht“, mutmaßt Jutta Thalmann. Davon mal ganz abgesehen, stellt sie sich die Frage: Warum hat das Borstenvieh ausgerechnet ihr Grundstück heimgesucht und die sprichwörtliche Sau rausgelassen?

Hubert Förster, Stadtjäger von Lauta, hält es für möglich, dass die Wildschweine, die derzeit viel Getreide fressen, auf der Suche nach tierischem Eiweiß waren. „Auch Wild braucht eine ausgewogene Ernährung“, weiß er. Da sich Engerlinge und Regenwürmer bei der momentanen Trockenheit tiefer in den Boden zurückziehen, kommen die Rüsseltiere in der freien Natur nicht an sie heran. In Gärten und auf Grünanlagen, die gepflegt und gewässert werden, haben sie da eher eine Chance.

Das würde auch erklären, warum zwei Staudenbeete auf dem Grundstück der Thalmanns ebenfalls durchwühlt wurden. Dort hatten es die Schweine eben nicht nur, wie von Jutta Thalmann vermutet, auf die Krokuszwiebeln abgesehen, sondern wohl auch auf Würmer im feuchten Boden.

Sichtlich stolz sind die Eheleute auf ihre Hündin. „Trixi hat aufgepasst. Wir haben nur nicht reagiert.“ Allerdings wären sie auch nicht gut beraten gewesen, sich selbst in der Dunkelheit in den Garten zu begeben oder ihren Vierbeiner loszulassen, um die Wildschweine zu vertreiben. Auch wenn Trixi allem Anschein nach Wildschweinen gegenüber furchtlos ist. So erinnern sich die Thalmanns an einen Vorfall vor ein paar Jahren. Da waren sie mit ihrem Hund unterwegs, als ein Mähdrescher bei der Ernte eine große Bache aufgescheucht hat. Diese flüchtet durch die Schwarze Elster. „Und unsere Trixi machte hinterher.“ Erst Stunden später sei sie wieder aufgetaucht, zum Glück unverletzt.

Ein mulmiges Gefühl im Bauch

Ob die Wildschweine, die ihr Grundstück heimgesucht haben, wiederkommen? Beim Gedanken an die nächsten Nächte hatte Jutta Thalmann durchaus ein mulmiges Gefühl im Bauch. Vor die Haustür würde sie jedenfalls nicht gehen. „Man weiß nie, wie die Tiere reagieren.“

Daher konzentrierten sie und ihr Ehemann sich auf die Sicherung ihres Grundstücks. Zuerst gilt es, alle möglichen Schlupflöcher zu finden und zu verschließen. „Ohne Strom wird da nichts zu machen sein“, glaubt Dieter Thalmann beim Blick auf das ebenfalls durchwühlte Beet außerhalb der Umfriedung. Ein Stück Weidezaun soll da helfen. „Ob es hilft, wissen wir nicht“, ergänzt Jutta Thalmann. „Wildschweine kommen immer wieder ...“