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Donnerstag, 09.08.2018

Nur gucken, nicht anfassen

Was wäre passiert, wenn die Löbtauer Fliegerbombe komplett detoniert wäre? Beim Stadtfest werden Experten die Antwort geben.

Von Sandro Rahrisch

So groß sieht sie gar nicht aus. Kaum zu glauben, dass wegen dieser Fliegerbombe im Mai etwa 9000 Menschen ihre Wohnung verlassen mussten.
So groß sieht sie gar nicht aus. Kaum zu glauben, dass wegen dieser Fliegerbombe im Mai etwa 9 000 Menschen ihre Wohnung verlassen mussten.

© Sebastian Schultz

Die teilweise Detonation der Fliegerbombe können die Entschärfer nicht mehr verhindern. Mitten in der Nacht zum 24. Mai schießt über Löbtau ein Rauchpilz in die Luft. Verletzt wird niemand, 9 000 Menschen mussten vorher ihre Wohnungen verlassen. In der Tat hätte alles viel schlimmer kommen können, sagt Daniel Großer-Scholz vom Kampfmittel-beseitigungsdienst gut zwei Monate nach der Explosion.

Hätte der Baggerfahrer, der auf den englischen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg stieß, seine Schaufel nur noch einmal vor an die Bombe gezogen, hätte das vermutlich genügt, um sie völlig detonieren zu lassen. Dann wäre von der Kreuzung Löbtauer Straße/Wernerstraße und den Häusern ringsherum vermutlich nicht mehr viel da. Großer-Scholz schätzt, dass die Bombe ein Loch von etwa sechs Metern Tiefe in den Boden gesprengt hätte. Der Krater hätte vermutlich einen Durchmesser von sechs Metern gehabt. Und alle Gebäude im Umkreis von einem Kilometer wären beschädigt worden. Denn so weit hätten die Splitter fliegen können. So aber blieb es bei Schäden am Haus direkt neben dem Sprengkörper. Der Flachbau eines Umzugsunternehmens hatte nach der Teildetonation Löcher in der Fassade. Außerdem schmolz durch die unvorstellbar große Hitze die Plastikreklame an der Dachkante und tropfte an der Wand hinunter.

Der 250 Kilogramm schwere Blindgänger ist inzwischen zwar unschädlich gemacht worden. Während andere Sprengkörper in Zeithain aber zerlegt werden, hat sich der Kampfmittelbeseitigungsdienst dieses eher gewöhnliche Exemplar englischer Bauart aufgehoben. Die Behörde wird die Bombe noch einmal zurück nach Dresden fahren und sie auf der Blaulichtmeile des Dresdner Stadtfestes ausstellen. „Anschauen darf man sie, aber nicht berühren“, sagt Daniel Großer-Scholz. Denn die Bombenhülle sei bei der Detonation aufgerissen worden, die geborstenen Teile sehr scharfkantig. „Anfassen wäre auch die falsche Botschaft. Wenn man draußen irgendwo auf einen Sprengkörper trifft, sollte man ja auch die Hände davonlassen.“

Zu finden ist die Blaulichtmeile am Stadtfestwochenende unterhalb des Sächsischen Landtages. Auch Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr und THW zeigen dort, was sie für die Landeshauptstadt und das Land leisten und wie ihre Jobs aussehen. Dabei ist auch die Flughafen-Feuerwehr mit ihrem Panther-Löschfahrzeug. Die Bundeswehr bringt wie schon in den letzten Jahren militärisches Gerät mit, zum Beispiel den Transportpanzer Fuchs. Gleichzeitig öffnet der Landtag. Im Halbstundentakt werden Führungen angeboten. Die Dresdner Feuerwehr lässt die Stadtfestbesucher an Einsatzübungen teilhaben. Das Deutsche Rote Kreuz zeigt die Rettungshundestaffel in Aktion. Und das Hauptzollamt bietet an, seine eigene Tasche mal durchleuchten zu lassen.