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Donnerstag, 13.09.2018

Nudelfabrik unterm Hammer

Für einen Verkehrswert von 328 000 Euro wird sie am Donnerstag am Amtsgericht Görlitz versteigert. Ein Termin für Frühaufsteher.

Von Markus van Appeldorn

Die Nudelfabrik an der Äußeren Bautzner Straße.
Die Nudelfabrik an der Äußeren Bautzner Straße.

© Markus van Appeldorn

Löbau. Am heutigen Donnerstag könnte ein neues Kapitel für eines der bekanntesten Löbauer Gebäude aufgeschlagen werden. Um 8.45 Uhr beginnt in Saal 119 am Amtsgericht Görlitz die Zwangsversteigerung zweier Immobilien des ehemaligen Lehrbauhofs an der Äußeren Bautzner Straße. Das Sahnestück: Die ehemalige Anker-Nudelfabrik. Ein architektonisches Erbe der Stadt, denn einen Treppenhausturm und Teile der Inneneinrichtung gestaltete der Bauhaus-Architekt Hans Scharoun, der auch das benachbarte Haus Schminke für die Nudelfabrikanten schuf.

Den Verkehrswert gibt das Zwangsversteigerungsportal des Amtsgerichts mit 328 000 Euro an. Da es sich um eine Zwangsversteigerung handele, könne man die Immobilie bereits zu 70 Prozent des Verkehrswertes (229 600 Euro) erwerben. Bleibt das Höchstgebot bei unter 50 Prozent des Verkehrswertes, kann der Zuschlag nur unter Vorbehalt erfolgen. Ebenfalls versteigert wird eine Halle mit Schulungsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Hier beläuft sich der Verkehrswert auf 150 000 Euro, der minimale Zuschlagpreis also auf 105 000 Euro.

1992 endete die Produktion der Löbauer Anker-Nudeln nach über 100 Jahren. In der Folgezeit richtete der Unternehmer Herrmann Siewert in dem denkmalgeschützten Fabrikkomplex die Lehrbauhof GmbH ein. Der Lehrbauhof wurde im Auftrag des damaligen Kreises Löbau als zentrale Ausbildungsstätte für Bauberufe im Kreis betrieben. Das Unternehmen geriet aber in wirtschaftliche Schräglage und musste schließlich Insolvenz anmelden.

In den letzten Jahren gab es viele Ideen, wie man die alte Nudelfabrik weiter nutzen können. Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), damals noch Bundestagsabgeordneter, sicherte bei einem Besuch 2011 zu, Projekte für die Zukunft der Immobilie zu unterstützen. Eine Vision war ein Konferenzzentrum mit Saal, Restaurant und Hotel – das Anker-Kongresszentrum. Die Idee stammte von einem Architekturstudenten der Hochschule Zittau/Görlitz. In seiner Diplomarbeit hatte er einen Vorschlag zum möglichen Umbau der ehemaligen Nudelfabrik von Fritz Schminke entworfen. Die Diplomarbeit hatte damals die Stiftung in Auftrag gegeben. Ein weiterer Gedanke war, die Nudelfabrik als Einheit mit der Schminke-Villa der architekturinteressierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Beide Gebäude standen einst auf einem gemeinsamen Grundstück.