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Donnerstag, 08.03.2018

Noch nichts erreicht, aber ...

Seit bald elf Jahren ist Frank Schmidt Trainer des 1. FC Heidenheim. Vor dem Gastspiel in Dresden spricht der 44-Jährige über die Stärken der Liga, wie er Dynamo erwartet und welche personellen Probleme ihn plagen.

Heidenheims Trainer Frank Schmidt hat noch nie in Dresden gewinnen können.
Heidenheims Trainer Frank Schmidt hat noch nie in Dresden gewinnen können.

© Robert Michael

Herr Schmidt, wie sehr hilft die Niederlage in der Hinrunde für die Motivation ihrer Mannschaft vor dem Spiel in Dresden?

Gar nicht, die ist total uninteressant. Das Spiel ist gespielt, ist vorbei. Es geht momentan um ganz andere Dinge. Jeder weiß, auch Dynamo und die anderen Mannschaften, dass es in der Tabelle sehr eng zugeht. Darum braucht man Erfolgserlebnisse,

Anfang Oktober stand der FCH auf dem Abstiegsrelegationsplatz, Dynamo ein paar Wochen später auch. In Dresden wurde – nicht zuletzt wegen des hochemotionalen Umfelds und einer hohen medialen Präsenz – der Druck recht groß. Wie war das in Heidenheim?

Wir können die Stadt nicht größer machen, als sie ist, deswegen gibt es auch keinen neuen Zeitungsverlag. Aber natürlich ist es in der Phase auch bei uns unruhig gewesen, klar. Wir hatten nach elf Spielen gerade einmal acht Punkte. Dass da keiner Juchhu schreit und kritische Stimmen kommen, ist sicher überall gleich. Wichtig für mich war, dass wir intern ganz ruhig weiter gearbeitet und uns auch gegenseitig unterstützt haben. Wir haben zwar jetzt noch nichts erreicht, aber wir haben uns aus dieser kritischen Situation befreien können und nun eine bessere Ausgangsposition. Und dieser Zusammenhalt hat uns ja auch schon in den vergangenen Jahren extrem ausgezeichnet.

Seit dem letzten Aufeinandertreffen hat der FCH sechs Punkte mehr geholt als Dynamo. Sehen Sie sich als Favoriten?

Es gibt keinen Favoriten. Dynamo hat sich sicher etwas anderes vorgestellt, als nach dem 25. Spieltag 32 Punkte zu haben. Wir hätten gern auch eine bessere Ausgangsposition, haben zuletzt zweimal zwei Punkte verschenkt. Damit kann man überhaupt nicht zufrieden sein. Es ändert sich nichts im Vergleich zu den anderen Spielen. Wichtig ist, dass man im Spiel drin ist und dagegenhält. Aber dann ist es immer noch eine offene Partie.

Auf wen müssen Sie am Freitag verzichten?

Das ist noch nicht hundertprozentig sicher. Es ist nur klar, dass unsere Langzeitverletzten Maurice Multhaup und Marnon Busch definitiv ausfallen – genau wie Kolja Pusch und Timo Beermann. Jetzt kam noch Oliver Steurer dazu. Bei Arne Feick muss man jeden Tag abwarten, wie sich seine Sprunggelenksverletzung entwickelt.

Erwarten Sie die Schwarz-Gelben mit einer extra Portion Wut im Bauch nach der harten Kritik von Uwe Neuhaus?

Ich glaube, jeder Spieler von uns – aber auch von Dynamo Dresden – war nicht begeistert über das letzte Spiel. Wir Trainer allein können da mit Wut im Bauch bei der Mannschaft nichts erreichen. Natürlich ist mir bewusst, dass nach der Niederlage gegen Darmstadt – die, das darf man nicht vergessen, auch eine sehr gute Mannschaft haben – das Messer zwischen den Zähnen sein wird. Aber das ist für mich keine Überraschung. Auf so etwas treffen wir Woche für Woche und wollen selbst so ein unangenehmer Gegner sein.

Heidenheim ist in einer ähnlichen Situation wie Dynamo vor dem Darmstadt-Spiel. Der Abstand zu den Relegationsplätzen ist in beide Richtungen fast identisch. Müssen Sie ihre Spieler vor dem Abheben bewahren?

Nein. Nochmal: Wenn man nach elf Spielen acht Punkte hat, dann sollte man nicht am 25. Spieltag daher gehen und sagen: „Wir stehen jetzt auf Platz neun, unsere Situation hat sich so verbessert, dass es nur nach oben gehen kann.“ Wir haben es klar formuliert, so schnell wie möglich so viele Punkte zu holen, dass wir von den unteren drei Plätzen sicher entfernt sind. Dafür wollen wir jedes Spiel nutzen.

Die Ausgeglichenheit der Liga sieht Dresdens Trainer Uwe Neuhaus als Stärke, sein Kapitän eher als Schwäche. Und Sie?

Das ist jedes Jahr anders. Es war klar, dass es in dieser Saison durch den Abgang Aufstieg von Stuttgart und Hannover nicht den klaren Favoriten gibt und Kleinigkeiten den Unterschied machen. 95 Prozent kann jeder in der Liga, die letzten fünf Prozent entscheiden, ob du gewinnst, verlierst oder nur einen Punkt holst. Ich glaube, wenn man zum jetzigen Zeitpunkt draufguckt, erkennt man, dass alle Mannschaften wissen, wie die zweite Liga funktioniert. Sie ist sich treu geblieben – mit viel Kampf, mit viel Leidenschaft. Natürlich kann in jedem Spiel irgendeine Stärke eines Teams den Ausschlag geben – darum war das für mich von Anfang an klar. Deswegen beschäftige ich mich auch nicht damit, ob das nun eine starke oder schwache Liga ist.

Sind Sie froh, dass mit Marco Hartmann das Dresdner „Mentalitätsmonster“ noch ausfallen wird?

Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht weiß, ob es wirklich so ist. Deswegen kann ich mich im Vorfeld nicht mit irgendwelchen Eventualitäten beschäftigen. Er hat zuletzt nicht gespielt und müsste auch erst mal wieder seinen Rhythmus finden. Außerdem kommt es sowieso nie auf nur einen Spieler an, auch wenn zum Beispiel Marc Schnatterer natürlich Partien entscheiden kann, der ist schon sehr wichtig für uns. Aber wenn man den Kader von Dynamo Dresden nimmt, dann ist dort über Marco Hartmann hinaus jede Menge Qualität vorhanden. Deswegen bleibt es dabei: Es wird eine schwere Aufgabe für uns. Aber wenn wir es gut machen, dann gilt das auch für Dynamo Dresden.

Sie sind gebürtiger Heidenheimer und seit der Gründung des FCH Trainer des Vereins. Können Sie sich überhaupt vorstellen, bei einem anderen Verein zu arbeiten?

Ich bin noch ein junger Trainer und habe noch zwei Jahre Vertrag. Im Trainergeschäft kann man nie sagen: „Ich beende hier meine Karriere.“ Die Situation hat es aber bislang noch nicht gegeben, dass ich mir Gedanken gemacht hätte, den Verein zu wechseln. Aber ich möchte im Fußball nichts ausschließen – und das wird auch niemand anderes tun.

Fast so lange wie Sie ist auch ihr Kapitän Marc Schnatterer im Verein. Wäre er ein geeigneter Nachfolger für Sie?

Da müssen Sie ihn fragen. Er hat als Kapitän den ganzen Werdegang mitgemacht und unheimlich viel Erfahrung gesammelt. In unseren vielen Gesprächen merke ich, dass er auch über den Tellerrand hinausschauen kann. Die Frage ist aber: Will er das überhaupt werden? Definitiv ist er einer, der großen Fußballsachverstand hat und auch über die emotionale Intelligenz verfügt, um nach seiner eigenen Karriere als Trainer weiterzumachen. Das sind zu viele Eventualitäten, aber ich würde es ihm schon zutrauen.

Dynamos Bilanz gegen Heidenheim: 7 Spiele. 3 Siege, 2 Remis, 2 Niederlagen. 8:10 Tore.

Dynamos Heimbilanz gegen Heidenheim: 3 Spiele. 2 Siege, 1 Remis, 0 Niederlagen. 6:4 Tore.

Das Gespräch führte Cornelius de Haas

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