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Mittwoch, 08.08.2018

Nicht nur Tomaten im Stress

Radebeuls Gemüsebauer Reiche hat Tipps für Kunden und Kleingärtner – wie es bei der Hitze trotzdem funktioniert.

Von Peter Redlich

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Gemüsebauer Stephan Reiche kontrolliert seine Tomaten in den Gewächshäusern am Elbufer. Die Blättern kräuseln sich vor Hitze. Die Früchte selbst wachsen mit reichlich Wasser in drei Etagen.
Gemüsebauer Stephan Reiche kontrolliert seine Tomaten in den Gewächshäusern am Elbufer. Die Blättern kräuseln sich vor Hitze. Die Früchte selbst wachsen mit reichlich Wasser in drei Etagen.

© Norbert Millauer

  • Gemüsebauer Stephan Reiche kontrolliert seine Tomaten in den Gewächshäusern am Elbufer. Die Blättern kräuseln sich vor Hitze. Die Früchte selbst wachsen mit reichlich Wasser in drei Etagen.
    Gemüsebauer Stephan Reiche kontrolliert seine Tomaten in den Gewächshäusern am Elbufer. Die Blättern kräuseln sich vor Hitze. Die Früchte selbst wachsen mit reichlich Wasser in drei Etagen.
  • Verkauft wird der eigene Anbau im Hofladen am Anger in Altkötzschenbroda. Auch Blumen gibt es dort, gepflegt von Mitarbeiterin Kathrin Seidel.
    Verkauft wird der eigene Anbau im Hofladen am Anger in Altkötzschenbroda. Auch Blumen gibt es dort, gepflegt von Mitarbeiterin Kathrin Seidel.

Radebeul. Das muss keinem erklärt werden, die Tomatenpflanzen wehren sich gegen die Hitze. Eingerollte, fast welke Blätter. Alle Kraft geht in die Frucht. In den Gewächshäusern von Radebeuls Gemüsebauern Reiche ist derzeit Wachstum ohne Ende angesagt. Vorausgesetzt, der Wasserhaushalt stimmt.

Überall sind Schläuche mit Tröpfchenbewässerung angesetzt. Direkt zur Wurzel geht das Wasser. „Nichts verschenken“, sagt Stephan Reiche. Doch die zielgenauen Tröpfchen reichen in diesen Tagen nicht aus. Temperatur und auch UV-Strahlen setzen den Pflanzen wie den Menschen zu. In den Gewächshäusern streichen Stephan Reiche und seine elf Mitarbeiter teils Schattierkreide an Wände und Dächer, um wenigstens etwas die grelle Sonne zu minimieren. Und, was in normalen Sommern neben der Tröpfchenbewässerung sonst nie nötig ist – abends und morgens muss zusätzlich über Kopf, also von oben herab mit der Dusche beregnet werden.

Der Schnittlauch würde sonst welken, auch der Salat braucht Wasser. 40 und mehr Grad sind derzeit unter den Gewächshausdächern – trotz offener Tore und Durchzug. Die Pflanzen schaffen es zum Teil gar nicht, so viel Wasser nach oben zu ziehen, wie sie bräuchten, sagt Stephan Reiche. Deshalb auch die welken Blätter und das Extra-Gießen.

Gurken, klein als Partygurke und groß wie überall, über 30 Sorten Tomaten, Paprika, Auberginen, Salate, Zucchini, Frischkräuter wie Schnittlauch, Schnittknoblauch, Melisse, Minze, Basilikum und im Frühjahr und Herbst Kohl und Radieschen gedeihen bei Bauer Reiche Junior. Hier wird alles noch in Erde und nicht in Substrat groß gezogen, betont der Gärtner.

Das kostet auch ein wenig mehr als im Supermarkt. Die Tomaten gibt es das Kilo zwischen einem und knapp sechs Euro. Letztere sind seltene Sorten mit wenig Ertrag, aber eben voller Aroma.

Und all das braucht jetzt Wasser, viel Wasser, das nicht vom Himmel kommt. Die Reiches haben glücklicherweise auf ihren knapp drei Hektar Land schon lange eigene Brunnen, aus denen sie Elbe-Uferfiltrat ziehen, um damit bewässern zu können. Eine Wassermessuhr ist nicht dran, sagt Stephan Reiche. Aber ich höre ja, wenn die Pumpe läuft. Der Stromverbrauch ist wesentlich höher als etwa im letzten Sommer, der allerdings auch verregnet war.

Vor allem morgens sollte das Gemüse bewässert werden, rät der Gemüsebauer. Zu viel Feuchtigkeit bei absinkenden Temperaturen in der Nacht befördert die Pilzbildung – auch als Tipp für Hobbygärtner. Keinesfalls mittags gießen. Dann bilden sich Wasserlinsen und die Sonne kann verheerend auf Blätter und Früchte brennen.

Eigentlich wären so maximal 27 bis 28 Grad die ideale Temperatur für den Gemüseanbau. So wie am letzten Sonntag. Höhere Temperaturen beschleunigen alles ungemein. Im Frühjahr gab es teilweise zwei Wochen Wachstumsrückstand. Jetzt sind es zwei Wochen Vorsprung. „Die Natur hat also vier Wochen mehr Tempo gemacht als üblicherweise“, sagt Bauer Reiche. Was sich auswirkt bei den Preisen fürs Gemüse.

Für Kunden seien das derzeit die besten Wochen zum Einkaufen. Jetzt kommt alles viel schneller und in dichter Folge auf den Markt. Selbst Gemüsebauer Reiche erntet mehr, als er im Hofladen am Altkötzschenbrodaer Anger verkaufen kann.

Er liefert einen Teil in den Großmarkt nach Dresden. Auf die Kisten schreibt er drauf, dass seine Früchte in Erde großgezogen wurden, und auch, dass gegen Läuse und Fliegen die Schlupfwespe eingesetzt wird, also Bio statt Chemie. Aus kleinen Beuteln in den Gurken- und Tomatenzelten kommen die nützlichen Tiere.

Den Ochsentomaten, die großen Dicken mit den gelben Streifen, gönnt Stephan Reiche derzeit besonders Wasser und Röte. Sie sollen für Tomatensuppe geerntet werden. Etwa 50 Gläser werden das, ein Teil für den Eigenbedarf, ein Teil für den Laden, sagt Stephan Reiche. Wer jüngst beim Tomatenverkosten im Hof war, konnte die Ochsentomatensuppe schon kosten. Eine Sorte, die allerdings besonders viel Durst auf Wasser hat.