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Donnerstag, 19.07.2018

Neuhaus knöpft sich Aosman vor

Wenn der Mittelfeldspieler bei Dynamo bleiben will, muss er richtig ackern. Sonst wird’s auch nichts mit der Nationalelf.

Von Cornelius de Haas, Herxheim

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Auf dem Trainingsplatz in Herxheim albert Aias Aosman (l.) mit Vasil Kusej, danach spricht er über ernste Themen.
Auf dem Trainingsplatz in Herxheim albert Aias Aosman (l.) mit Vasil Kusej, danach spricht er über ernste Themen.

© Lutz Hentschel

Als Aias Aosman zum Pressetermin in die Lobby des Mannschaftshotels in Herxheim kommt, wirkt er angespannt. Der 23-Jährige greift sich ein Sofakissen, das er während des Gespräches nervös streichelt. Es gibt ja auch einiges zu bereden. Nicht alle Fragen an den Mittelfeldspieler von Dynamo Dresden sind angenehm. Deshalb tut es gut, dass er erst einmal über eine positive Erfahrung reden kann: das Trainingscamp der syrischen Nationalmannschaft in Österreich Ende Juni.

In drei Testspielen gegen Erstligisten aus Japan, Slowenien und Aserbaidschan war er zum Einsatz gekommen. „Es hat mich sehr stolz gemacht, und ich hoffe, dass ich das Trikot meines Heimatlandes in Zukunft noch öfter tragen darf“, sagt er. Die Einladung hat er Bernd Stange zu verdanken. Der einstige DDR-Auswahltrainer, der aus Gnaschwitz bei Bautzen stammt, betreut das Team seit Februar. Er hatte Aosman mehrmals kontaktiert. „Ich war mir vorher nicht sicher, ob ich das machen will“, sagt Aosman. „Schon vor vier Jahren hätte ich dahin gehen können, aber ich spreche die Sprache nicht, und damals hatte ich Angst vor dem, was mich erwartet.“ Diese Angst konnte ihm Stange nehmen.

Der 70-Jährige überzeugte Aosman, „dass es mir gut gehen wird. Also bin ich wegen meines Passes nach Damaskus geflogen“. Was er dort sah, war ein harter Kontrast zum Leben in Deutschland: „Das Hotel war von Soldaten abgeriegelt. Drumherum habe ich viele kaputte Gebäude gesehen“, sagt er und erzählt, dass seine Großeltern, Onkels und Tanten noch in Syrien leben. „Mit den Verwandten, die in Damaskus wohnen, war ich abends essen. Die anderen konnte ich nicht besuchen, weil sie wenigstens 800 Kilometer weiter weg zu Hause sind.“ Als Aosman davon spricht, ist er nicht mehr der Spaßmacher, der er noch wenige Minuten zuvor auf dem Trainingsplatz in Herxheim war.

Dafür leuchten seine Augen, als er von den Tagen in Österreich erzählt. „Das war toll. Ich wurde gut aufgenommen.“ Viele seiner neuen Mitspieler wussten, wer er ist, hatten ihn schon spielen gesehen. Natürlich kam die Sprache auch auf die Lage in Syrien. „Ich kannte das bisher nur aus Erzählungen von meinen Eltern oder aus dem Fernsehen“, sagt Aosman. „Aber was die Spieler, die es selbst miterleben mussten, erzählt haben, war schon krass. Sie haben Angehörige verloren, haben gesehen, wie die Leute ums Leben gekommen sind, wie die Häuser gestürmt wurden. Das hat mich alles ziemlich mitgenommen“, sagt er und ist dabei sichtlich bedrückt.

Die Stimmung sei dennoch nicht niedergeschlagen gewesen, worauf der Trainer geachtet hat. „Obwohl er die Sprache nicht spricht, hat Bernd Stange das super gemacht“, sagt Aosman, dessen Eltern mit ihm geflohen waren, als er fünf Jahre alt war. Er hofft nun auf sein erstes offizielles Länderspiel, aber dafür muss er zunächst bei Dynamo überzeugen. Denn als er Anfang Juli nach Dresden zurückgekehrt ist, hat ihn sich Uwe Neuhaus erst einmal vorgeknöpft. Beim Trainer hatte sich einiges angestaut, wie Aosman jetzt zugibt. „Er hat mir gesagt, dass ich mir einiges geleistet habe, er öfter mal ein Auge zugedrückt hat, manchmal auch zwei.“

Vor dem Saisonfinale gegen Union Berlin war Aosman offiziell wegen disziplinarischer Verfehlungen aus dem Team geflogen. Aosman beteuert zwar, er habe die Kritik angenommen, nimmt aber für sich in Anspruch, ein emotionaler Spieler zu sein. Er nehme vieles persönlich. An der Forderung des Chefcoaches ändert das natürlich nichts. „Er hat mir gesagt, dass es so nicht geht und dass ich richtig ackern muss, wenn ich hierbleiben will.“ Und das will er.

Sein Vertrag bei Dynamo läuft noch ein Jahr, „und ich will ihn erfüllen“, erklärt Aosman und schließt auch auf Nachfrage einen Vereinswechsel in diesem Sommer aus. Denn trotz der großen Konkurrenz und seiner Vorgeschichte wolle er den Kampf annehmen. Chancenlos sieht er sich nicht. „Ich glaube, dass im Moment noch einiges offen ist und sich der Trainer noch nicht hundertprozentig entschieden hat. Ich versuche einfach, gut zu spielen und gut zu trainieren.“ Eigentlich Selbstverständlichkeiten. Trotzdem wirkt Aosman, als hätte ihn Neuhaus’ Ansage nachdenklich gemacht.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. die Susi

    Na dann, Aias, Kopf und nach vorn geschaut. Es kann nur besser werden als letzte Saison. Da waren zwar nette Ansätze, aber mehr auch nicht. Ich persöhnlich sehe das so. Seit bekannt wurde das er erst 22 Jahre alt ist kam eigentlich Fußballerisch nichts mehr. Aber wie gesagt das sehe nur ich persönlich so. Muß ja nicht stimmen.

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