erweiterte Suche
Montag, 16.07.2018

Neugersdorf sucht noch die Regionalliga-Form

Von Frank Thümmler

Neugersdorfs Trainer Karsten Hutwelker erklärt Karl Petrick (Nr. 4) und Oliver Merkel, was er sich vorstellt. An klaren Worten mangelt es dem 46-jährigen Ex-Profi (u. a. Jena, Bochum, Köln, Saarbrücken, Florenz) dabei nicht. Foto: Florian Richter
Neugersdorfs Trainer Karsten Hutwelker erklärt Karl Petrick (Nr. 4) und Oliver Merkel, was er sich vorstellt. An klaren Worten mangelt es dem 46-jährigen Ex-Profi (u. a. Jena, Bochum, Köln, Saarbrücken, Florenz) dabei nicht. Foto: Florian Richter

© Florian Richter 2018

Knapp zwei Wochen sind es noch bis zum Saisonstart für den FC Oberlausitz Neugersdorf. Am 28. Juli geht es zum FSV Optik Rathenow. Eine schwierige Partie gegen den euphorisierten Aufsteiger aus der Oberliga-Nord-Staffel. Und danach kommt mit Wacker Nordhausen eine Mannschaft nach Neugersdorf, die zum erweiterten Favoritenkreis gehört. Einen Fehlstart zu vermeiden, ist immer ganz wichtig. Zumindest die Testspielergebnisse des FC Oberlausitz bisher bieten allerdings nicht viel Raum für Optimismus. Einem 0:1 beim tschechischen Erstligisten Liberec zum Vorbereitungsauftakt folgten ein 0:2 gegen eine Auswahl vertragsloser tschechischer Profis. Bei den drei Testspielen in der vergangenen Trainingslagerwoche in Tschechien kam es dann ganz dicke. Es setzte drei 0:4-Niederlagen, gegen die Zweitligisten FK Usti und FK Varnsdorf am Mittwoch und am Sonnabendvormittag sowie gegen den Drittligisten FK Dobrovice am Freitagabend. Das sind fast schon demoralisierende 0:15 Tore in fünf Testspielniederlagen.

Der neue Trainer Karsten Hutwelker sagt dazu: „Natürlich hätte ich mir auch das eine oder andere Erfolgserlebnis für meine Mannschaft gewünscht. Aber letztlich sind mir die Erkenntnisse aus diesen Spielen gegen hochklassige Gegner wichtiger, und der Erkenntnisgewinn war wirklich hervorragend.“ Die eine Niederlage gegen Dubrovice ist schnell erklärt. Da ließ Hutwelker das komplette U19-Team ran, das vor wenigen Wochen erst den Aufstieg in die A-Junioren-Regionalliga geschafft hatte, das gegen das tschechische Männerteam spielerisch gut mithielt, dessen Unerfahrenheit aber bestraft wurde.

Die beiden anderen 0:4-Niederlagen gegen Usti und Varnsdorf ordnet Hutwelker so ein: „Es gibt viele Gründe dafür. Wir sind im athletischen Bereich noch nicht dort, wo ich meine Mannschaften immer haben will. Deshalb habe ich diesen Teil der Vorbereitung um eine Woche verlängert. Natürlich waren die Beine schwer, während die Tschechen in ihrer Vorbereitung schon ein, zwei Wochen weiter sind.“ Außerdem waren einige Stammspieler krankheitsbedingt (Magen-Darm u. a.) ausgefallen, andere sind angeschlagen in die Saisonvorbereitung gestartet (Stohanzl, Rosa, Fagan, Neuzugang Koch). Dann müssen sich Trainer und Mannschaft erst kennenlernen. Der neue Trainer grübelt noch am taktischen System, mit dem er die Neugersdorfer auflaufen lassen will. „Ich richte mein System immer an der Mannschaft aus, die ich hier ja komplett zu meiner Vertragsunterschrift vorgefunden habe. Natürlich knirscht es da gerade am Anfang ein wenig, wenn ich die Spieler und die Spieler mich noch nicht richtig kennen.“ Bislang habe er ein 3-4-3-System spielen lassen. Das könne sich aber noch ändern.

Und schließlich täuschen die Spielergebnisse aus Sicht des neuen Trainers etwas über die wahren Kräfteverhältnisse hinweg. „Gerade gegen Varnsdorf haben wir über 75 Minuten ein klasse Spiel gemacht. Aber es gab insgesamt 15 Minuten, in denen wir nicht so präsent waren – und das haben die Profis aus Varnsdorf eben eiskalt ausgenutzt.“ Aber – und das mache ihm auch Mut, in jedem der Spiele habe sich seine Mannschaft drei, vier hundertprozentige Torchancen erspielt. Nur ins Tor wollte der Ball eben nicht. „Die Spieler haben sich dafür fast bei mir entschuldigt und mir versichert, dass der Knoten bald platzt“, erklärt Hutwelker lächelnd.

Insgesamt sei er zufrieden mit dem Trainingslager – optimale äußere Bedingungen, von Trainingsmöglichkeiten über Verpflegung bis hin zu Freizeitangeboten. Elf U-19-Spieler waren dabei, insgesamt fast 30 Spieler. Der Aufwand für das Trainerteam war riesig. Vier der jungen Spieler haben es sich laut Hutwelker verdient, ab kommende Woche ständig beim Regionalligateam zu trainieren. „Meine Aufgabe ist es, sie an das Regionalliga-Niveau der Männer heranzuführen“, so Hutwelker.

Klar dürfte nach den null Toren in fünf Testspielen aber auch sein, dass in der Offensive der Schuh drückt. Mit Vachousek, Vidal und Leihspieler Löwe haben drei Kreativspieler den Verein im Sommer verlassen, gekommen ist für diesen Bereich nur Robert Koch, nach dessen Verletzungen aber noch niemand genau weiß, wie stark er zurückkommen kann. Dabei waren die Offensivprobleme insbesondere während des Ausfalls von Mittelstürmer Josef Marek schon in der vergangenen Saison unübersehbar und sicherlich auch ein Hauptgrund für die Niederlage im Sachsenpokalfinale. Auf Nachfrage bestätigt Karsten Hutwelker, dass er vor allem auf der zentralen Kreativposition noch Handlungsbedarf sieht. „Wir halten die Augen offen, aber es muss auch für Neugersdorf realistisch sein“, sagt er.

Unabhängig davon ist er überzeugt, gut vorbereitet in das erste Spiel gegen Rathenow zu gehen: „Heute stehen wir im Fitnessbereich bei 90 Prozent, im spielerischen Bereich bei 65 bis 70 Prozent. Es gibt also noch viel Arbeit in den kommenden Wochen.“