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Montag, 17.09.2018

Neues Mittel reduziert Gewicht

Semaglutid erzeugt bei Adipositas-Patienten ein Sättigungsgefühl. Dresdner Mediziner haben nun gezeigt, dass das Medikament das Gewicht verringern kann.

Ein Viertel der deutschen Männer und jede fünfte Frau im Land sind fettleibig. Adipositas, wie diese Krankheit heißt, ist Ursache für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Therapie könnte Betroffenen helfen.
Ein Viertel der deutschen Männer und jede fünfte Frau im Land sind fettleibig. Adipositas, wie diese Krankheit heißt, ist Ursache für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Therapie könnte Betroffenen helfen.

© dpa

Die Deutschen werden immer dicker. Laut einer jetzt veröffentlichten Studie der Weltgesund-heitsorganisation ist die Hälfte der deutschen Frauen übergewichtig. Bei den Männern sind es sogar 65 Prozent. Für das Gesundheitssystem ist das alarmierend. Denn Übergewicht und Adipositas, also Fettleibigkeit, können zu Diabetes oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Bisher sind Diäten und Magenverkleinerungen in solchen Fällen wichtige Schritte, um das Gewicht zu reduzieren. Dresdner Mediziner haben nun gezeigt, dass ein neues Medikament das Gewicht wirksam verringern kann.

Das Medikament heißt Semaglutid. In einer weltweiten Studie mit 900 Patienten wurden seine Wirksamkeit und die Sicherheit bei Adipositas erstmals bewiesen. Die Substanz wirkt so ähnlich wie die körpereigenen Darmhormone. Diese sind dafür zuständig, dass der Mensch ein Sättigungsgefühl empfindet. Schon die einmalige Einnahme pro Woche soll Erfolge zeigen, veröffentlichten die Dresdner Mediziner jetzt. Das Medikament könnte somit in Zukunft bei der Therapie von Fettleibigkeit eingesetzt werden.

Bei der Untersuchung bekam ein Teil der Patienten das Mittel, dem Rest wurden Placebos, also Pillen ohne Wirkstoff, verabreicht. Das Studienteam um Andreas Birkenfeld, Stoffwechselexperte am Dresdner Universitätsklinikum, fand heraus, dass alle Semaglutid-Dosen im Vergleich zu den Placebos deutlich das Körpergewicht reduzieren. In der höchsten Dosierung beobachteten die Wissenschaftler sogar eine Gewichtsabnahme von bis zu 17 Prozent des Ausgangskörpergewichts. Damit war es möglich, einen Patienten, der zuvor laut Zahlenwerten eine mittelschwere Adipositas hatte, auf Werte eines Übergewichts zu reduzieren. Zeitgleich wurden der Blutzucker, der Blutdruck und die Blutfette deutlich gesenkt. Studienleiter Andreas Birkenfeld, der auch das neu gegründete Universitätsstudienzentrum für Stoffwechselerkrankungen leitet, bewertet die Reaktion positiv: „Der Patient hat nicht nur abgenommen, sondern Semaglutid gut vertragen“, sagt er. „Die Nebenwirkungen entsprachen dabei denen anderer bekannter Substanzen und sind nicht als kritisch einzustufen.“ Es wurde erstmals eine Gewichtsreduktion erreicht, die sonst meist nur mit einer chirurgischen Therapie möglich war.

Diese Wirkung von Semaglutid auf das Körpergewicht macht nun eine vollkommen neue Adipositastherapie mittels Medikamenten möglich. In Fachkreisen ist die Substanz keine Unbekannte. Derzeit ist sie bereits für die Therapie von Patienten mit Typ-2-Diabetes zugelassen. Laut Birkenfeld sei es deshalb absehbar, dass es auch bei Adipositaspatienten zum Einsatz kommt. Bei Diabetespatienten wurde bereits bewiesen, dass Semaglutid nicht nur eine Gewichtsreduktion bewirkt. Es verringert auch das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese positiven Effekte wurden ebenfalls erst kürzlich in Fachzeitschriften veröffentlicht.

Für viele Betroffene wäre die Zulassung des Medikaments für Menschen mit extremem Übergewicht eine wichtige Hilfe. Nicht bei allen funktionieren Diäten, nicht jeder will sich operieren lassen. „Heute sind auch andere wirksame Methoden gefragt, um einer drohenden Diabetesepidemie etwas entgegenzusetzen“, sagt Andreas Birkenfeld. (jam)