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Mittwoch, 12.09.2018

Neuer Schulleiter kommt aus Japan nach Görlitz

Weiter Umzug: Zwei Jahre hat Ronny Staudte in Yokohama unterrichtet. Jetzt ist er Leiter der Melanchthon-Grundschule.

Von Susanne Sodan

Ein ruhiger Moment fürs Foto. Ansonsten herrscht für Ronny Staudte (37) mit neuer Stelle und neuer Wohnung gerade viel Trubel.
Ein ruhiger Moment fürs Foto. Ansonsten herrscht für Ronny Staudte (37) mit neuer Stelle und neuer Wohnung gerade viel Trubel.

© nikolaischmidt.de

Görlitz. Für die Görlitzer Architektur kann Ronny Staudte sich begeistern. Da ist er mit der Melanchthon-Schule am richtigen Ort gelandet, mit ihrem auffälligen, roten Backsteinwerk. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Schule gebaut. Zwei historische Inschriften an der Front zeugen noch von der damaligen Unterteilung: Rechterhand lernten die Mädchen, linkerhand die Knaben. Längst gilt ein moderneres System: Im rechten Gebäudeteil ist heute die Oberschule, links lernen die Grundschüler. Und für den linken Teil ist nun Ronny Staudte verantwortlich – als neuer Schulleiter der Melanchthon-Grundschule.

Ronny Staudte hat einen reichlich weiten Umzug hinter sich: Rund 9 000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Yokohama und Görlitz. In Japan hat Ronny Staudte in den vergangenen zwei Jahren gelebt und als Lehrer gearbeitet. Ursprünglich kommt er aber aus Dresden. Dort hat er auch studiert. Ganz unbekannt ist ihm auch die Oberlausitz nicht. Mehrere Jahre unterrichtete Ronny Staudte an der Grundschule Frankenthal, danach vier Jahre in Weißwasser. Er ist Fachlehrer für Musik, Mathematik, Sport, Deutsch, Sachunterricht. Warum Grundschule? „Es macht einfach Freude, die Stärken jedes Kindes zu erkennen“, sagt Staudte. Sich im wahrsten Sinne ein Bild von den einzelnen Kindern zu machen, das sei das Spannende. Vor dem Studium hatte er in einem Heim für schwerhörige Menschen mit Kindern gearbeitet, „das hatte mich geprägt“, erzählt er. „Aber die Großen sind auch toll“, sagt er.

Die Erfahrung hat er erst kürzlich gemacht, in Japan. Dort arbeitete er an einer Gesamtschule, an der bis zu den obersten Klassenstufen unterrichtet wurde. Vor über zwei Jahren hatte er sich für den Auslandschuldienst beworben, wollte eine andere Kultur kennenlernen. Ein ganz bestimmtes Ziel hatten Ronny Staudte und seine Familie damals gar nicht im Sinn. Wen es als Lehrer in die Ferne zieht, für den führt der Weg meist über die Zentralstelle für Auslandsschulwesen (ZfA). Sie gehört zum Bundesverwaltungsamt, das weltweit über 1 000 Schulen unterstützt, darunter 140 Deutsche Auslandsschulen. Für Ronny Staudte gab es verschiedene Optionen, darunter Schulen in Afrika und Südamerika. Japan hatten er und seine Familie am Anfang gar nicht so auf dem Schirm. Aber dann stand der Inselstaat im Pazifik mit auf der Liste – und auf ihn fiel am Ende die Wahl. Ein Aspekt sei dabei auch die Sicherheitslage gewesen, erzählt Staudte. Mit Frau und Kind ging es nach Yokohama. „Es war wirklich schön“, erzählt er. Was ihm vor allem im Kopf geblieben ist – neben Landschaft und Wetter – ist der sehr respektvolle, höfliche Umgang miteinander. Und eine völlig andere Kultur. Staudte hat an einer Deutschen Auslandsschule gearbeitet, er kann aber auch bestätigen, wie hart das japanische Schulsystem ist.

Als sich die zwei Jahre dem Ende neigten, sah sich Ronny Staudte nach einer neuen Stelle in Deutschland um. In Görlitz war der Schulleiterposten der Melanchthon-Grundschule ausgeschrieben, den bisher Marion Jainsch innehatte. Sie ist mit diesem Schuljahr als Grundschulleiterin nach Sagar gewechselt. Die Qualifikationen zum Schulleiter hat Ronny Staudte, die Weiterbildungen und Seminare hatte er vor seinem Auslandsschuldienst in Deutschland absolviert. Er probierte es, bewarb sich, „und dann ging alles Knall auf Fall“, erzählt er. Zum Vorstellungsgespräch war er zwischenzeitlich in Görlitz, dann kam die Zusage, im Juli dann zog die Familie um. Görlitz hat Charme, findet Ronny Staudte. Die Architektur, die Kultur, „es wird viel gemacht in der Stadt“. Die Sonnenorgel in der Peterskirche würde er sich gerne bald mal anhören. Musik ist ohnehin seins: Er spielt Schlagzeug, gerne auch mit anderen Musikern zusammen.

Aber Orgel und Schlagzeug müssen warten. Im Moment muss er sich noch in die Dirigentenrolle, also ins Schulleiter-Dasein einarbeiten: von der Statistik bis zum Elterngespräch – das Komplexe sei die Herausforderung. Dazu kommt natürlich der Unterricht. Der Schulleiter ist froh, zu einem eingespielten Team zu kommen. 15 Lehrer hat das Kollegium der Melanchthon-Grundschule, „sie sind mir eine sehr große Hilfe“, sagt Ronny Staudte. „Es ist ein tolles Kollegium.“ Von einer Zukunftsherausforderung weiß er schon, es werden Bauarbeiten anstehen. Und was er sich noch wünschen würde, wäre ein stellvertretender Schulleiter.

Ansonsten aber merkt man Ronny Staudte vor allem die Vorfreude an. „Ich habe zum Beispiel große Lust darauf, mit der Oberschule zusammenzuarbeiten“, erzählt er. Und er freut sich darauf, seine Schüler kennzulernen, die Stärken finden.