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Samstag, 11.08.2018

Neuer Schubert

Die Begegnung mit dem Nationaltorwart gibt Dynamos Nummer eins den vielleicht entscheidenden Motivationsschub.

Von Tino Meyer

Stimmung im Stadion und immer wieder Kassenrollen, die aus dem K-Block geflogen kommen. Markus Schubert bleibt konzentriert – und hilft beim Aufräumen.
Stimmung im Stadion und immer wieder Kassenrollen, die aus dem K-Block geflogen kommen. Markus Schubert bleibt konzentriert – und hilft beim Aufräumen.

© Robert Michael

Alle reden über Watutinki, wenn es um das deutsche Scheitern bei der Fußball-WM in Russland geht, also das Teamquartier in einem Birkenwäldchen vor den Toren Moskaus. Dabei liegt der Anfang vom frühen Ende der Nationalmannschaft vermutlich in Eppan, wo es Bundestrainer Joachim Löw nicht geschafft hat, die Spieler auf die Herausforderung Titelverteidigung einzuschwören. Alles, findet jedenfalls Markus Schubert, ist allerdings nicht schlecht gewesen in dem Vorbereitungscamp im sonnigen Südtirol.

Für Dynamos Torwart bedeutet Eppan stattdessen rückblickend das Ende vom Anfang, sozusagen den endgültigen Abschluss seiner Jugendjahre. Seit Eppan weiß er, was es heißt, Profifußballer zu sein – und ein noch besserer Torwart zu werden. „Das war ein ganz besonderes Erlebnis für mich“, sagt der 20-Jährige, der mit der deutschen U 21-Auswahl der Löw-Mannschaft als Testspielgegner diente.

Auch wenn er in den zwei Spielen nur einmal zum Einsatz kam, könnte das Trainingslager ein Wendepunkt in Schuberts junger Karriere sein. „Insbesondere die Begegnung mit Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen hat mir persönlich gezeigt, wie viel ich noch investieren muss“, erzählt Schubert in einem Interview mit Dynamos Stadionheft Kreisel, was zugleich ein Indiz auf seinen gestiegenen Stellenwert in der Vereinshierarchie ist. Die ausführlichen Gespräche zum Saisonstart sind de facto Geschäftsführer, Trainer oder Kapitän vorbehalten.

Ralf Minge hätte über seine Konsequenzen aus der krankheitsbedingten Auszeit sprechen können, Uwe Neuhaus vom Saisonziel und Marco Hartmann, warum jetzt alles besser wird. Auch Patrick Ebert, der am Samstag beim ersten Auswärtsspiel der Saison in Bielefeld die Kapitänsbinde des verletzten Hartmann trägt, hätte sich angeboten. Der Name Neuer wäre dann vermutlich auch gefallen. Mit dem hat Ebert vor neun Jahren die U 21-EM gewonnen.

Dynamo aber, und damit der sämtliche Medienaktivitäten seiner Spieler überwachende Neuhaus, hat sich für Schubert entschieden. Das ist also überraschend und doch wieder nicht. Mit einem wie Schubert als Titelheld macht man im Stadionheft definitiv nichts verkehrt, der sommersprossige Rotschopf gehört zu den großen Fanlieblingen. Und außerdem ist er ja nun auch aus sportlicher Sicht die Nummer eins.

Wobei es interessant gewesen wäre, ob sich Neuhaus auch für den Mann aus dem eigenen Nachwuchs entschieden hätte, wenn Konkurrent und Neuzugang Tim Boss zwei Wochen vorm Saisonstart nicht einen Muskelfaserriss erlitten hätte.

Dazu sagt natürlich keiner etwas, jetzt erst recht nicht. Denn der Auftakt mit Schubert ist geglückt, sogar mehr als das. Nimmt man Schuberts persönliche Ziele für diese Saison zum Maßstab, liegt er hundertprozentig im Soll. „So viele Spiele wie möglich im Tor zu stehen und davon möglichst viele Partien zu null zu spielen“, sagt er. Beim 1:0-Sieg gegen Duisburg – Stichwort Boss-Ausfall – spielt er selbstverständlich, und spätestens mit seiner Freistoß-Parade in der 75. Minute hat der gebürtige Freiberger seinen Anteil am „zu null“.

„Ich bin ein Wettkampftyp“

Dass er die wertvolle wie sehenswerte Flugeinlage herunterspielt, passt zu Schuberts Naturell. „Als Torhüter darfst du in solchen Situationen nicht zu viel nachdenken. Als der Ball über die Mauer kam, habe ich ihn gesehen, reagiert, gehalten“, beschreibt er die Szene fast mit einer gewissen Belanglosigkeit. An das Missverständnis mit Abwehrmann Brian Hamalainen in der ersten Hälfte kann er sich nach dem Abpfiff dagegen gar nicht mehr erinnern.

Als fehlerlos bezeichnet der Trainer die Leistung Schuberts. „Er hat große Ruhe ausgestrahlt und wie so oft im Wettkampf keine Nerven gezeigt – Kompliment“, sagt Neuhaus, der dem hochtalentierten Torhüter zumindest in der Vorsaison eine gewisse Trainingsträgheit attestierte, die Schubert indirekt bestätigt. „Ich bin ein Wettkampftyp, der an seinen Aufgaben wächst. Das war schon im Nachwuchs so.“

Offensichtlich hat Schubert in den vergangenen Monaten einen nennenswerten Entwicklungssprung gemacht. Er wirkt gereifter und lässt sich von nichts ablenken, zumindest nicht im Spiel, selbst wenn wie am Montag aus dem K-Block geworfene Kassenrollen in seinem Strafraum landen. Auf die daraus resultierende dreiminütige Spielverzögerung reagiert er kess – statt verlegen abzuducken. „Das Spiel beginnt eigentlich 20.30 Uhr, da wollte ich auch anfangen.“ Das ist der neue Schubert!

Die Wandlung hat eben nicht zuletzt mit Neuer und ter Stegen zu tun. „Wie professionell, ehrgeizig und zielstrebig diese beiden Weltklasse-Torhüter jeden Tag im Training an sich arbeiten, war unglaublich beeindruckend für mich“, sagt Schubert und betont, in den Tagen von Eppan nicht nur viel gelernt, sondern viel Motivation für sich mitgenommen zu haben.

Das Ziel, Dynamos neue Nummer eins zu sein, hat er sich dort gesetzt. Macht er nun in Bielefeld so weiter, könnte Eppan in dieser Saison noch öfter Thema sein, dann mit ausdrücklich schönen Anekdoten.

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