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Freitag, 10.08.2018

Neuer Optimismus nach dem Brand

Die Agrargenossenschaft hat zehn Tage nach dem Feuer das größte Problem gelöst. Und die Kühe haben ihren Rhythmus wieder.

Von Heike Sabel

Etwa 600 Stroh- und Heuballen mussten gelöscht werden. In einem hatte sich noch einmal ein Glutnest entzündet. Verwendbar sind die Ballen nicht mehr, sie werden kompostiert. Ersatz ist bereits beschafft.
Etwa 600 Stroh- und Heuballen mussten gelöscht werden. In einem hatte sich noch einmal ein Glutnest entzündet. Verwendbar sind die Ballen nicht mehr, sie werden kompostiert. Ersatz ist bereits beschafft.

© Daniel Schäfer

Niederseidewitz. Zwei Millionen Liter: Das sind zwei Millionen Tetrapacks Milch, vier Millionen Halbliter-Flaschen Wasser, 200 000 Zehn-Liter-Gießkannen: Mit so viel Wasser wurde der Brand in der Agrargenossenschaft Niederseidewitz gelöscht. In der Nacht zum 1. August hatten hier Streu und Heu Feuer gefangen, was die Feuerwehrleute über 24 Stunden beschäftigte.

Der Betrieb hat sich weitgehend normalisiert, sagt Vorstand Jörg Fleischer. Traktoren und Güllewagen fahren, die Kühe werden gefüttert und gemolken. Menschen und Tiere finden zu ihrem Alltagsrhythmus zurück. Die Mitarbeiter sind wieder ausgeschlafen, und die Kühe geben wieder wie wie gewohnt Milch. Sie waren in der Brandnacht aus ihrem Stall getrieben worden. Sie haben es gut überstanden. Nur ihr Rhythmus von Fressen und Melken war unterbrochen, was sich in der Milchmenge zeigte. Der schnelle Wechsel ihres Stalles war für sie Stress gewesen. Der Tierarzt hat sich die Tiere angesehen, keines wurde in der Brandnacht verletzt. Inzwischen haben die Kühe ihren gewohnten Rhythmus wieder, sagt Fleischer.

Heu bis aus Bayern


Ein großes Problem, das größte, ist auch gelöst: Heu und Stroh sind gekauft. Das Stroh von anderen Genossenschaften im Landkreis, das Heu bis aus Bayern. Dank Internet fand Fleischer einige Quellen. Geliefert wird dann nach und nach. Der Eigenbedarf ist gesichert, Reserven gibt es aber nicht. Fleischer war optimistisch, das Futterproblem in Griff zu bekommen, obwohl die Situation insgesamt angespannt ist. Die noch auf dem Hof liegenden abgelöschten Ballen Stroh und Heu werden kompostiert.

Die Biogasanlage auf dem Gelände, auf die die Genossenschaft besonders stolz ist und die sie gern auch internationalen Gästen zeigt, war zu keiner Zeit gefährdet, sagt Fleischer. Er macht einen ruhigen und unaufgeregten Eindruck. Was ihn ärgert, dass seine Genossenschaft mit dem Brand plötzlich so in der Öffentlichkeit steht und nicht mit dem, was sie die restlichen 364 Tage machen. Fleischer steht für die „Freude an der Landwirtschaft“. Deshalb freut er sich auf den 31. August. Da steht die sogenannte Freisprechung des Nachwuchses an. Von den Niederseidewitzern ist eine junge Tierwirtin dabei. Für Fleischer hat die Landwirtschaft Zukunft und in der Öffentlichkeit eine andere Darstellung und Anerkennung verdient. Für den Brand konnte keiner was, die täglichen Leistungen aber sind hart erarbeitet, sagt er.

Der Brand war nach 26 Stunden gelöscht. Als ein Glutnest dann noch einmal aufflammte, konnte das die Niederseidewitzer nicht wirklich beunruhigen. Das war schnell gelöscht, sagt Fleischer. Es habe alles gut funktioniert, jeder wusste, was zu tun ist. „Da erkennt man, wozu der Brandschutz, die Begehungen und Vorkehrungen gut sind und wofür man das braucht.“

Fleischer hat jetzt noch mehr Schreibkram zu erledigen als sonst. Dass die Polizei schnell eine Selbstentzündung als Ursache für den Brand ermittelte, ist für die Niederseidewitzer Glück im Unglück. Damit ist es ein Versicherungsfall. Das bedeutet zwar viele Anträge auszufüllen, aber es geht schneller, als wenn es Brandstiftung gewesen wäre.