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Donnerstag, 09.08.2018

Neuer Name, anderes Geschlecht

Kleines Kreuz, großer Schritt: Neun transsexuelle Menschen haben vergangenes Jahr in Görlitz beantragt, ihr Geschlecht im Ausweis zu ändern.

Symbolbild.
Symbolbild.

© Pixel - Fotolia

Görlitz. Neun Menschen haben vergangenes Jahr beim Amtsgericht Görlitz beantragt, ihren Vornamen und die Geschlechtszugehörigkeit ändern zu lassen. „Für transsexuelle Menschen ist das ein sehr wichtiger Schritt“, sagt Danilo Ziemen vom Dresdner Verein „Gerede“. „Es wird damit das gefühlt richtige Geschlecht auch als offiziell richtiges Geschlecht eingetragen.“ Ziemen leitet die mobile Beratung im ländlichen Raum. Regelmäßig ist er dafür auch in Görlitz, im Camillo finden die mobilen Beratungen statt. „Es geht zum Beispiel um die Frage, wie ein Transweg aussehen kann“, erklärt Danilo Ziemen. Oder wie ist der Weg zu und während einer Hormontherapie? Manchmal gehe es auch um Diskriminierung, die Betroffene erfahren haben.

Fünf der neun Anträge, die vergangenes Jahr eingingen, hat das Amtsgericht Görlitz abgeschlossen, vier sind noch offen. 2015 waren in Görlitz fünf Anträge auf Änderung der Vornamen und Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit eingegangen, 2016 waren es vier. In diesem Jahr sind beim Görlitzer Amtsgericht bis jetzt zwei Anträge eingegangen. Die Verfahrensdauer liegt im Schnitt bei elf Monaten. Die Zahlen stammen aus der Antwort des sächsischen Justizministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag.

„Insgesamt merken wir bereits seit den 90er Jahren, dass transsexuelle Menschen sich eher trauen, ein Coming-Out zu vollziehen“, sagt Danilo Ziemen. „Wir merken es bei uns an der Zahl der Transberatungen, die steigt. Die Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit wird größer.“ Es ist seit einigen Jahren nicht mehr Voraussetzung, das physische Geschlecht operativ angleichen zu lassen, bevor man Vornamen und Geschlecht auch im Ausweis ändern lassen kann. Einfach sei der Weg zum Amtsgericht trotzdem nicht, sagt Danilo Ziemen. „Man muss die Gutachten von zwei Psychologen vorlegen“, erklärt er. Das sei – egal wie das Gutachten ausfällt – eine finanzielle Herausforderung für viele. (SZ/sdn)