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Mittwoch, 08.08.2018

Neuer Anlauf für Geschichtslehrpfad

Von Britta Veltzke

Onat aus der Türkei und Adriana aus Spanien packen mit an. Die beiden 18-Jährigen haben sich auch deshalb für das Workcamp in Zeithain entschieden, weil sie bei der Arbeit auch etwas über die Geschichte des Ortes lernen wollen.Foto: Sebastian Schultz
Onat aus der Türkei und Adriana aus Spanien packen mit an. Die beiden 18-Jährigen haben sich auch deshalb für das Workcamp in Zeithain entschieden, weil sie bei der Arbeit auch etwas über die Geschichte des Ortes lernen wollen. Foto: Sebastian Schultz

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Campleiter Rolf Schwarz holt Schaufeln und Astscheren aus seinem Kofferraum. Onat aus der Türkei und Adriana aus Spanien greifen zu. Die beiden Freiwillen sollen den Baum über einer Fundstelle beschneiden. Die beiden 18-Jährigen sind zwei von rund 20 jungen Teilnehmern, die in diesem Jahr auf dem ehemaligen Lagergelände des Kriegsgefangenenlagers im Einsatz sind. Sechs Nationen sind vertreten. Am weitesten gereist ist eine Mexikanerin. Drei Wochen lang werden sie Wege und die Abdeckungen alter Fundamente instandhalten und Fundstücke sichern. Die historische Einordnung übernimmt unter anderem Architektin und Denkmalpflegerin Barbara Schulz. Oft sind es „nur“ Alltagsgegenstände wie Geschirr oder alte Flaschen, die die Freiwilligen in ehemaligen Sammelbecken von Latrinen finden. „Doch es waren auch schon Erkennungsmarken dabei, die Spuren zu echten Menschen und damit Schicksalen geben“, so Schulz. Zum Tag des offenen Denkmals am 9. September sollen einige der Fundstücke in der Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain ausgestellt werden.

Rolf Schwarz ist seit Anfang an dabei. Seit 16 Jahren gibt es die Workcamps in Zeithain. Er freut sich darüber, dass die Teilnehmer in diesem Jahr wieder mit Fundstücken arbeiten können – Geschichte zum Anfassen. „In anderen Jahren haben wir fast nur Landschaftspflege gemacht. Das ist natürlich nicht so spannend. Da haben mich die Teilnehmer schon gefragt: Warum machen wir das eigentlich?“ Noch mehr Sinnhaftigkeit würde sich aus Sicht des Campleiters aber einstellen, wenn das Projekt Geschichts- und Naturlehrpfad endlich Form annehmen würde. Seit rund zehn Jahren laufen die Vorbereitungen. Würde es nach der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten gehen, wäre der museale Weg über das ehemalige Kriegsgefangenenlager nahe des Bahnhofs Jacobsthal längst fertig. Bislang hakt es an der Naturschutzbehörde. Schließlich ist das Areal Naturschutzgebiet. Ein Konzept ist bereits durchgefallen. Die Eingriffe in die Natur waren aus Sicht der Behörde zu groß. So sollten etwa die Standorte einiger Baracken durch Holzkonstruktionen sichtbar gemacht werden. „Wir wollen noch in diesem Sommer eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung beim Landratsamt auf den Weg bringen“, erklärt Julia Spohr, Pressesprecherin der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten.

Während sich Campleiter Rolf Schwarz freuen würde, wenn sich in Sachen Geschichtslehrpfad  etwas tut, ist der Stillstand den Campteilnehmern gar nicht so bewusst. Schließlich sind die meisten von ihnen nur einmal dabei. Inzwischen sind alle von ihnen auf dem Gelände unterwegs. Am Montag waren die Temperaturen noch vergleichsweise verträglich. Campleiter Rolf Schwarz macht sich jedoch schon Gedanken über die kommenden Tage. Schließlich sind Temperaturen von bis zu 40 Grad angesagt. „Ich denke, dann werden wir einfach morgens früher anfangen.“ Den Vorschlag der Mexikanerin, um fünf Uhr zu starten, wurde allerdings schon abgelehnt.

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