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Mittwoch, 16.05.2018

Neue Kritik an Özil und Gündogan

Die Erdogan-Affäre ist für den DFB ein Ärgernis vor der heißen Phase der WM-Vorbereitung.

Von Arne Richter

Recep Tayyip Erdogan (2.v.r.), Staatspräsident der Türkei, posierte zusammen mit den Premier League Fußballspielern Ilkay Gündogan (l), Mesut Özil (2.v.l.) und Cenk Tosun (r).
Recep Tayyip Erdogan (2.v.r.), Staatspräsident der Türkei, posierte zusammen mit den Premier League Fußballspielern Ilkay Gündogan (l), Mesut Özil (2.v.l.) und Cenk Tosun (r).

© dpa

Joachim Löw beendete alle Spekulationen über einen WM-Rauswurf von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit wenigen Worten. „Selbstverständlich nicht. Daran habe ich nicht gedacht. Zu keiner Sekunde!“ Das Duo wegen des umstrittenen Treffens mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht für die WM in Russland zu berufen, kam für den Bundestrainer überhaupt nicht infrage. Und doch war die Erdogan-Affäre bei der Nominierung des vorläufigen Aufgebots der Nationalmannschaft im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund am Dienstag ein Thema, das weder der Weltmeister-Coach noch DFB-Chef Reinhard Grindel ignorieren konnten.

„Das war keine glückliche Aktion. Wenn man für Deutschland spielt, dann vertritt man das Land und die deutschen Werte“, sagte Löw. Und äußerte doch „ein bisschen Verständnis“ für die schwierige Situation von Spielern mit Migrationshintergrund. „Es ist nicht immer so leicht, das unter einen Hut zu bringen.“

Nach den klaren Worten Grindels am Montag, der Özil und Gündogan vorhielt, sie hätten sich von Erdogan bei dem Wahlkampf-Termin in London „missbrauchen lassen“, folgten nun relativierende Aussagen. Das Ziel war klar: Die heikle Aktion, die am Dienstag sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem von ihrem Sprecher Steffen Seibert vorgetragenen Statement veranlasste, soll keineswegs die anstehende WM-Vorbereitung belasten.

Es sei eine Situation gewesen, „die Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud“, sagte Seibert in Merkels Namen in Berlin. Als Nationalspieler hätten die beiden Vorbildfunktion. Die will Löw den Mittelfeldspielern nicht absprechen. „Ich kenne beide länger. Beide haben für die Integration sehr viel getan. Ich glaube, es ist eine Lehre für sie. Sie werden darüber nachdenken. Wir werden auch im Trainingslager noch einmal darüber reden“, sagte Löw.

Teammanager Oliver Bierhoff kündigte an, mit allen WM-Akteuren über politisch und gesellschaftlich relevante Themen sprechen zu wollen. Mit Özil und Gündogan habe er sich bereits unterhalten. Man müsse aber auch verstehen, „wie Türken ticken“. Özil und Gündogan hatten dem türkischen Präsidenten Erdogan in London Trikots überreicht. Die von Erdogans Partei veröffentlichten Bilder hatten harsche Kritik ausgelöst, da die Spieler mit dem Auftritt Wahlkampf-Hilfe für den umstrittenen Politiker geleistet hätten. Das sei nicht die Absicht gewesen, erklärte Gündogan in einem Statement. (dpa)