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Montag, 31.01.2011

Neue Hoffnung für Bochmanns Ballhaus

Von Corinna Karl

Chemnitz. Drei Männer und ihr Baby: Nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafs erblüht das Kontaktlokal der 20er-Jahre bald wieder in frischem Glanze. Drei Herren haben es sich zur Aufgabe gemacht, Bochmanns Ballhaus an der Frankenberger Straße wieder-auferstehen zu lassen.

Haben Sie Ihre Großeltern jemals gefragt, wo sie sich kennengelernt haben? Wenn Oma und Opa vom Schwof in Bochmanns Ballhaus schwärmten, funkelten sicher ihre Augen. Als die junge Großstadt durch Maschinenbau und Textilproduktion boomte, gehörte das Haus zu den festen Veranstaltungsgrößen von Chemnitz. So manche Liebesgeschichte fand hier ihren zarten Anfang. Doch seit Jahrzehnten schlummert das Ballhaus im Dornröschenschlaf.

Jetzt werkeln flinke Hände für den Neubeginn. Seit acht Jahren widmet sich Maurer Michael Scheifl (61) in Handarbeit jedem Winkel des Gebäudes. Konzepte wurden eingereicht, Lösungen fürs Parkplatzproblem in Angriff genommen. Immer wenn Geld und Zeit da ist, helfen Freunde und Kollegen von Inhaber und Bauunternehmer Jens Viertel (39) und Thomas Lämmel (39). Sie sanierten erst die äußere Hülle. Viertel: „Die Kuppel hat ein Jahr in Anspruch genommen.“ Holz und Zinkblech wurden erneuert.Vor einigen Monaten hat Michael Scheifl mit dem Innenausbau begonnen. Ferienwohnung und Büros sind bald fertig. Im großen Saal ist jedoch noch viel zu tun. „Der Rohbau der Bühne ist abgeschlossen, neueste Technik verlegt. Die Wände rundherum werden von alter Farbe befreit und verspachtelt“, sagt der Maurer. Von der Decke blättert noch die Vergangenheit herab. Die verrosteten Original-Fluter warten auf ihre Frischekur. „Die Schäden eines Brandes wurden nie beseitigt“, sagt Viertel.

Dort, wo sich das alte Chemnitz in Frack und Ballkleid kennenlernte, Zigarrenrauch den Raum erfüllte, feine Damen von edlen Herren zum Tanz aufgefordert wurden, sollen bald Seminare, vielleicht Theater oder Hochzeiten stattfinden. Viertel: „Die Sanierung ist eine teure Geschichte. Wie viel wir reingesteckt haben, können wir so nicht sagen.“ Schon 2012 könnte Chemnitz einen seiner Schätze wiederhaben.