erweiterte Suche
Donnerstag, 30.03.2017

Neue Aufträge und Proteste

1 000 Bombardier-Mitarbeiter aus allen Werken versammelten sich am Donnerstag in Berlin. Für gute Nachrichten sorgte zunächst einmal die Deutsche Bahn.

Von Tilo Berger

Bild 1 von 2

Beschäftigte des Zug-Herstellers Bombardier demonstrieren in Berlin gegen den drohenden Stellenabbau.
Beschäftigte des Zug-Herstellers Bombardier demonstrieren in Berlin gegen den drohenden Stellenabbau.

© dpa

  • Beschäftigte des Zug-Herstellers Bombardier demonstrieren in Berlin gegen den drohenden Stellenabbau.
    Beschäftigte des Zug-Herstellers Bombardier demonstrieren in Berlin gegen den drohenden Stellenabbau.
  • 25 weitere Intercity-Doppelstockzüge kauft die Deutsche Bahn von Bombardier – gefertigt werden sollen sie in Görlitz und Bautzen.
    25 weitere Intercity-Doppelstockzüge kauft die Deutsche Bahn von Bombardier – gefertigt werden sollen sie in Görlitz und Bautzen.

Berlin/Görlitz. Die Industriegewerkschaft (IG) Metall hat nach der Aufsichtsratssitzung des Schienenfahrzeugbauers Bombardier Transportation am Donnerstag ein positives Fazit gezogen. Ein Gutachten externer Berater über die Zukunft des Unternehmens sei von der Konzernspitze wohlwollend aufgenommen worden, bilanzierte der ostsächsische IG-Metall-Bevollmächtigte Jan Otto. Beide Seiten wollen auf Grundlage des Gutachtens weiter zusammenarbeiten. Es sei möglich, die Produktivität des Unternehmens zu steigern und gleichzeitig Standorte zu erhalten.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Tölsner äußerte sich zuversichtlich, dass bis Juli eine einvernehmliche Lösung für ein Zukunftskonzept der deutschen Standorte und damit auch vollständige Klarheit für alle Beschäftigten erzielt wird. Voraussetzungen dafür seien die zeitnahe und intensive Fortsetzung des Dialogs zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung sowie die lösungsorientierte Kompromissbereitschaft aller Beteiligten. Ein „Weiter so“ dürfe es angesichts deutlich verschärfter Wettbewerbsbedingungen nicht geben.

Vor der Bombardier-Zentrale in Berlin hatten etwa 1 000 Beschäftigte aus allen deutschen Werken gegen einen möglichen Stellenabbau protestiert. Bei der Zugsparte des kanadischen Flugzeug- und Bahnkonzerns sollen bis Ende 2018 weltweit 5 000 Arbeitsplätze wegfallen. Die deutschen Produktionsstandorte liegen in Hennigsdorf, Görlitz, Bautzen, Kassel, Mannheim, Braunschweig und Siegen.

Am Vorabend der Aufsichtsratssitzung hatten bündnisgrüne Bundes- und Landtagsabgeordnete aus der Oberlausitz die Bundesregierung aufgefordert, ihrer Rolle als Eigentümerin der Deutschen Bahn AG (DB) gerecht zu werden: Die DB solle ein Zeichen setzen und eine noch offene Option für die Bestellung neuer Doppelstockwagen ziehen. Ob der Aufruf der Abgeordneten ausschlaggebend war oder nicht – jedenfalls informierte Bombardier gestern Mittag, dass die DB 25 weitere Intercity-Doppelstockzüge bestellt. Die dafür erforderlichen 124 Doppelstockwagen werden in den Werken Görlitz und Bautzen gebaut, sagte ein Bombardier-Sprecher auf Anfrage der SZ. Der Auftrag basiert auf zwei Rahmenverträgen mit der DB aus den Jahren 2008 und 2013. „Dieser Auftrag ist ein großer Erfolg für unser Bahngeschäft und bedeutet zugleich die Fortsetzung unserer erfolgreichen langjährigen Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn“, sagte Bombardiers Deutschland-Chef Michael Fohrer. Bereits 27 fünfteilige, doppelstöckige Fernverkehrszüge der ersten Lieferung sind auf mehreren Strecken in Deutschland im Einsatz. Im Sommer 2018 werden weitere 17 Doppelstockzüge an die Deutsche Bahn geliefert, teilte Bombardier mit.