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Mittwoch, 01.06.2016

Nazikoffer hat ein Nachspiel

Der Heimatverein kritisiert den Auftritt der Militärtechnikfreunde beim Festumzug. Dem Ortschef reicht das nicht.

Von Maik Brückner

Ein Mann und ein Koffer mit einem verbotenen Kreuz. Colmnitz hat das in die Schlagzeilen gebracht. Der Staatsschutz ermittelt.
Ein Mann und ein Koffer mit einem verbotenen Kreuz. Colmnitz hat das in die Schlagzeilen gebracht. Der Staatsschutz ermittelt.

© dpa/M.Fischer

Colmnitz. Ein Koffer mit Hakenkreuz hat Colmnitz bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Dieser wurde am Sonntag beim Festumzug des Heimatvereins durchs Dorf getragen. Bereits am Montag kritisierten sowohl Ortsvorsteher Thomas Schumann (CDU) als auch Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg) den Auftritt sogenannter Militärtechnikfreunde. Am Dienstagabend befasst sich der Vorstand des Heimatvereins mit dem Vorfall und wird sich dazu positionieren, kündigt Schumann an, der auch Vereinsmitglied ist.

Sein Verein habe die Wagengruppe, die den Zweiten Weltkrieg darstellen sollte, zu Beginn des Festzuges abgenommen. Dabei sei nichts Verfassungsfeindliches festgestellt worden. Der Koffer mit dem Hakenkreuz wurde offenbar erst später aus einem der Fahrzeuge herausgenommen, mutmaßt Schumann. „Wir hätten noch mehr kontrollieren müssen“, sagt er. Dennoch sieht er die Hauptverantwortung bei der Gruppe. Denn die habe dem Verein versichert, dass sie sich an die Vorschriften halten werde. Und die besagen, dass keine verfassungsfeindlichen Zeichen gezeigt werden dürften. Zudem haben sich die Militärtechnikfans mit falschem Namen angemeldet, behauptet Schumann. Gegenüber dem Heimatverein sollen sie erklärt haben, dass sie zur IG Militärtechnikfreunde Sachsen gehören. Doch dem ist nicht so, wie Organisator Oliver Großmann auf Nachfrage gegenüber der SZ erklärte.

Der Freitaler war zwar selbst beim Festumzug nicht dabei, hatte aber den Kontakt zu jenen lose organisierten Militärtechnikfans aus Sachsen und Brandenburg hergestellt, von denen ein Teil des Umzugs bestritten wurde. Der Verein IG Militärtechnikfreunde Sachsen reagierte indes verärgert darüber, dass andere unter seinem Namen auftreten. Ein IG-Sprecher erklärte gegenüber der SZ, dass man bei solchen Auftritten streng darauf achte, dass die verfassungsfeindlichen Symbole wie das Hakenkreuz überklebt werden.

Der Heimatverein Colmnitz wird sich in einer Erklärung von den Militärtechnikfans distanzieren, kündigt Ortsvorsteher Schumann an. Er selbst werde vorschlagen, rechtlich gegen die Gruppe vorzugehen.

Inzwischen hat der Staatsschutz seine Ermittlungen aufgenommen, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Die Szene sei überschaubar. Deshalb dürfte es nicht schwer sein, den Kofferträger zu ermitteln. Zum Stand der laufenden Ermittlungen wollte er sich aber nicht äußern.