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Samstag, 12.05.2018

Natur- und Umweltschule steht vor dem Aus

Von Nora Domschke

Protest vor dem Landtag, wie hier im September vergangenen Jahres, oder mehr als 10000 Unterstützer, die eine Petition für den Erhalt der Natur- und Umweltschule unterschrieben haben – das Oberverwaltungsgericht hat anders entschieden.Foto: Rene Meinig
Protest vor dem Landtag, wie hier im September vergangenen Jahres, oder mehr als 10 000 Unterstützer, die eine Petition für den Erhalt der Natur- und Umweltschule unterschrieben haben – das Oberverwaltungsgericht hat anders entschieden.Foto: Rene Meinig

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Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hat jetzt entschieden, dass die Grundschule der Natur- und Umweltschule Dresden keinen Anspruch auf eine Genehmigung hat. Damit wurde die Klage des Schulträgers, dem Verbund Sozialpädagogischer Projekte, in zweiter Instanz abgewiesen. Dabei hatte das Verwaltungsgericht Dresden die Schule 2015 noch für genehmigungsfähig erklärt und das Landesamt für Schule und Bildung damit dazu verpflichtet, über den Genehmigungsantrag neu zu entscheiden. Dagegen hatte das Landesamt allerdings Berufung eingelegt und nun recht bekommen.

Hintergrund ist der Streit darum, ob die Natur- und Umweltschule ein besonderes pädagogisches Konzept vorweisen kann. Bei weiterführenden Schulen spielt das keine Rolle, wohl aber bei Grundschulen, denn das Grundgesetz geht davon aus, dass Kinder grundsätzlich auf eine öffentliche Grundschule zu gehen haben. Ausnahmen gibt es lediglich für Bekenntnis- oder Weltanschauungsschulen – oder eben Schulen mit besonderem pädagogischen Konzept.

Und genau das liege bei der Natur- und Umweltschule nicht vor, urteilte jetzt der zweite Senat des Oberverwaltungsgerichts in Bautzen. Aus folgendem Grund: Ein zentraler Punkt des Konzeptes ist es, die Kinder mindestens die Hälfte der Zeit im Freien oder außerhalb des Schulgebäudes am Manfred-von-Ardenne-Ring zu unterrichten. Dafür nutzen die Lehrer unter anderem den angrenzenden Wald. Allerdings haben zwei Gutachten ergeben, dass dieses Konzept nicht sinnvoll umgesetzt werden kann. Sowohl der Schulträger selbst als auch der Senat hatten Sachverständige damit beauftragt, das Konzept zu überprüfen – beide kamen zum gleichen Ergebnis. Damit fehle das besondere pädagogische Interesse am Konzept des Schulträgers, so die Begründung des Oberverwaltungsgerichts.

Die Revision beim Bundesverwaltungsgericht wird übrigens nicht zugelassen. Innerhalb eines Monats könne der Schulträger aber gegen die Nichtzulassung der Revision Beschwerde erheben. Weil die Schule seit einem Jahr kein Geld mehr bekommt und die finanziellen Mittel des Trägers ausgeschöpft sind, drängt aber die Zeit. Schulleiterin Julia Pörschke hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass das Urteil zugunsten ihrer Schule ausgeht. An diesem Freitag war sie für die SZ nicht zu erreichen.

Oliver Sicker ist Lehrer an der Natur- und Umweltschule und sagte gegenüber der SZ, dass er sich zum Gerichtsurteil und den damit verbundenen Folgen für Schüler und Lehrer nicht äußern wolle, weil das zunächst schulintern besprochen werden müsse. Ein Vater, der nicht namentlich genannt werden will, wusste zumindest, dass das Landesamt für Schule und Bildung signalisiert hat, dass dieses Schuljahr noch beendet werden dürfe. „Was danach passiert, ist unklar.“ Der Vater macht allerdings auch seiner Verärgerung Luft, dass bei allen Diskussionen rund um die Schule nicht beachtet werden würde, dass die Lehrer seit sieben Jahren gut und erfolgreich mit den Kindern arbeiten. Auch sei das ursprüngliche Konzept von 2011 drei Jahre später noch einmal überarbeitet worden. Er hoffe nun auf Unterstützung aus der Politik. An Anmeldungen jedenfalls mangelt es nicht, oft bewerben sich mehr Familien als Plätze zur Verfügung stehen. Anfang des Schuljahres kamen 17 Erstklässler dazu, derzeit lernen insgesamt 65 Schüler in der Einrichtung an der Dresdner Heide. Im Januar dieses Jahres wurde sie mit dem ersten Preis beim bundesweiten Schulwanderwettbewerb ausgezeichnet, den der Deutsche Wanderverband vergibt.

Auf den jahrelangen Streit um die Genehmigung hat das keinen Einfluss. Ebenso wenig sei es nun die Verpflichtung der Stadt, sich in den Konflikt einzumischen, sagt CDU-Stadträtin Heike Ahnert. „Wenn das Gericht jetzt so urteilt und die Genehmigung verweigert, wird es dafür Gründe geben“, meint die bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Zumindest habe sie die Information, dass die Schüler an anderen Schulen untergebracht werden sollen.

Das bestätigt auch SPD-Stadträtin Dana Frohwieser. Da sei die Stadt in der Pflicht, die Familien haben einen Anspruch auf einen Platz an einer staatlichen Schule. „Allerdings ist das für die Kinder natürlich sehr bedauerlich. Sie verlieren nicht nur ihren gewohnten Schulalltag, sondern auch Freunde.“ Denn sicherlich könnten nicht ganze Klassen an andere Schulen wechseln. Beim Platzproblem in den Grundschulen im Dresdner Norden werde es ohnehin schwierig, alle Kinder unterzubringen.