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Dienstag, 15.05.2018

Natur- und Umweltschule muss schließen

Ab August müssen die Kinder woanders lernen. Viele Dresdner bedauern das Gerichtsurteil vom vergangenen Freitag.

Von Nora Domschke

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Blick auf die NUS auf dem Manfred von Ardenne Ring
Blick auf die NUS auf dem Manfred von Ardenne Ring

© Archivbild: Sven Ellger

Ob die Kinder, die derzeit an der Natur- und Umweltschule Dresden lernen, ihre Sommerferien in diesem Jahr richtig genießen können, ist fraglich. Denn nach den Ferien werden sie nicht in das Schulgebäude am Manfred-von-Ardenne-Ring zurückkehren. Und auch nicht in den Wald der nahe gelegenen Heide – zumindest nicht zum Unterricht. „Die Natur- und Umweltschule muss ihren Schulbetrieb mit Ablauf des Schuljahres 2017/18 einstellen, da nunmehr feststeht, dass sie keine Genehmigung erhalten wird“, teilt Petra Nikolov, Sprecherin des Landesamts für Schule und Bildung auf SZ-Anfrage mit. Gleichzeitig laufe die vom Landesamt ausgesprochene Duldung aus, so Nikolov weiter.

Seit ihrer Gründung 2011 verweigert das Landesamt der Dresdner Natur- und Umweltschule die Genehmigung. Die Kinder seien beim Unterricht im Wald Gefahren ausgesetzt. Das Konzept sieht vor, dass die Schüler mehr als die Hälfte der Zeit im Freien lernen. Nach langem Rechtsstreit urteilte das Oberverwaltungsgericht Bautzen jetzt, dass die Schule keinen Anspruch auf Genehmigung habe. Grundlage waren zwei Gutachten, in denen Sachverständige zu dem Ergebnis kamen, dass das Konzept des Trägers Verbund Sozialpädagogischer Projekte nicht sinnvoll umgesetzt werden könne. Schulleiterin Julia Pörschke konnte sich aus Zeitgründen am Montag nicht dazu äußern.

Stadträtin Ulrike Caspary (Grüne) hat kein Verständnis für das Urteil. Sie nehme es mit Bedauern zur Kenntnis. „Mir ist kein einziger nachvollziehbarer Grund für den Entzug der Betriebserlaubnis bekannt“, teilt die bildungspolitische Sprecherin mit. Die Schule sei eine Bereicherung für Dresden und die zahlreichen Unterschriften für eine Petition, die den Erhalt forderte, würden zeigen, dass das auch viele Dresdner so sehen. 10 500 Unterstützer hatten sich daran beteiligt. Für SZ-Leser Volker Sielaff ist das Verbot der Natur- und Umweltschule eine „Dresdner Provinzposse“. Als Opa einer Schülerin meint Günter Busch: „Dieses Urteil ist wohl allenfalls unter verwaltungsrechtlichen Aspekten, nicht aber aus dem mangelnden pädagogischen Konzept oder etwa schulischem Versagen der Kinder beim Übergang in die weiterführenden Schulen erklärbar.“

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. S.

    Die SZ bleibt wie gewohnt an der Oberfläche kleben. Behörde und Gericht reduzieren ein umfängliches Konzept auf eine einzige Ziffer: 50. Und SZ quatscht es unverdaut nach. Was hat es mit dieser magischen "50" auf sich? Warum fehlt zum wiederholten Mal ein Verweis der Journalistin auf das gebetsmühlenartig im Prozess vorgebrachte Postulat der Schulbehörde, in staatlichen Regelschulen seien die Kinder zu ca. 30% ihrer Unterrichtszeit im FREIEN anzutreffen? Warum? Weil ihnen dann ein Schwall der Empörung durch die sächsische Elternschaft entgegen wehen würde! Stattdessen beteiligt sich die SZ an der Vertuschung sächsischer Bildungsverfehlungen und stellt die Leser dumm!

  2. V. S.

    Ich hätte mir von der Sächsischen Zeitung auch mehr Kritik dieses doch sehr zweifelhaften Vorgangs gewünscht. Hey, hier wird ohne Not eine bei Eltern beliebte, gut funktionierende Grundschule geschlossen, weil sie der Politik ein Dorn im Auge ist! Warum wird das nicht kommentiert, sondern nur zitiert. Im übrigen: die sächsischen Regierungsparteien CDU und SPD tragen die poltische Verantwortung für dieses wirklich nicht nachvollziehbare Urteil. Der Bürger sollte es sich merken, demnächst sind in Sachsen wieder Landtagswahlen.

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