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Montag, 11.06.2018

Nach dem großen Fischsterben sind noch viele Fragen offen

Die Nedaschützer Forellenzucht hat am Wochenende ihren gesamten Bestand eingebüßt. Durch eine Verunreinigung des Schwarzwassers.

Von Katja Schäfer

Forellen verendet

© Rocci Klein

Wie geht’s jetzt weiter? Kerstin Wehner weiß es nicht. Ein dramatisches Wochenende liegt hinter ihr und ihrer Familie. Eine Gewässerverunreinigung im Schwarzwasser hat am Freitagabend innerhalb kurzer Zeit den gesamten Bestand der Nedaschützer Forellenzucht vernichtet, die sie mit ihrem Mann Frank betreibt. Ihren Aussagen nach sind Fische mit einem Gewicht von insgesamt 13 Tonnen verendet, von kleinen Brutfischen über Laichfische bis hin zu großen Speisefischen; vor allem Forellen, aber auch Saiblinge und andere.

Forellen verendet

Von den Behörden allein gelassen

„Ich habe gerade einen Hilferuf ans Landratsamt geschickt“, erzählt sie am Montagmorgen und man merkt ihr dabei an, wie fertig sie nach den Ereignissen des Wochenendes ist. Aber auch verärgert und enttäuscht. Denn sie fühlt sich von den Behörden ziemlich allein gelassen. „Am Sonntag ist nichts passiert, ich habe keine Mitteilungen vom Amt bekommen, wie es jetzt weitergeht. Dabei brauche ich ganz dringend Auskünfte“, sagt Kerstin Wehner. Zum Beispiel dazu, was jetzt mit dem Schlamm aus den Becken passieren soll und wie die Anlage gereinigt werden muss. Und was mit den paar Stören ist, die überlebt haben. „Es heißt, sie seien vergiftet. Ich habe mündlich die Anordnung erhalten, sie zu töten. Aber ehe ich das mache, brauche ich mehr Gewissheit“, äußert die Nedaschützer Fischzüchterin.

Überwältigende Hilfsbereitschaft

Doch sie ist nicht nur ärgerlich, sondern auch überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft, die sie erlebt hat. „Ein großes Dankeschön geht an alle Nachbarn, Freunde, Bekannte und die Einsatzkräfte von der Feuerwehr“, betont Kerstin Wehner. Viele haben mit angepackt; andere Technik bereitgestellt, einige einfach Essen vorbei gebracht.

Wie sie erzählt, hatte Frank Wehner am Freitagabend gerade die Fische im unteren Becken gefüttert und wollte den leeren Futtersack aufräumen. Da sah er, dass im oberen Becken verschmutztes Wasser ankam und die ersten Fische schon Kopf standen. Die Weiteren starben innerhalb kurzer Zeit. Eine herbei gerufene Tierärztin bestätigte, dass das nicht an den sommerlichen Temperaturen oder einer Krankheit lag. „Wir konnten nichts dagegen machen, nur zusehen, wie unsere Existenz kaputt geht“, schildert Kerstin Wehner und ringt dabei um Fassung. Ihren Vermutungen nach ist eine Chemikalie für das Drama verantwortlich, die oberhalb der Fischzucht ins Schwarzwasser gelangte. Und zwar nicht nur kurz „wie wenn jemand einen Betoneimer ausspült“. „Es ging über Stunden, dass diese Substanz im Bach war“, sagt sie. Worum es sich handelt, dazu gibt es bisher keine Aussagen. Wasserproben waren am Freitag entnommen worden. Aufgrund der komplexen Untersuchung ist hierzu aber nicht vor Freitag mit konkreten Ergebnissen zu rechnen. Die Kriminalpolizei ermittelt zum Verdacht der Gewässerverunreinigung.

Umwelt- und Gesundheitsgefährdung ist nicht auszuschließen

Mit der Beseitigung der toten Fische hatten Wehners und ihre Helfer am Sonnabend stundenlang zu tun. „Das musste möglichst schnell gehen, denn die fingen schon nach Mitternacht an zu stinken“, berichtet Kerstin Wehner. Zuerst waren die Becken abzulassen, dann die Kadaver in Behälter zu schaufeln. – Nachdem sich der Leiter des Kreisumweltamtes, Georg Richter, vor Ort informiert hatte, wiesen Landratsamt und Polizei in einer gemeinsamen Pressemitteilung darauf hin, dass „eine Umwelt- und Gesundheitsgefährdung für das Schwarzwasser und für dessen Anlieger nicht gänzlich ausgeschlossen“ werden könne. Anliegern am Schwarzwasser von Nedaschütz bis zum Zusammenfluss in die Schwarze Elster wurde geraten, vorsorglich kein Wasser aus dem Fluss nutzen, bis die Ergebnisse der Wasserproben vorliegen. Die Betroffenen warten derzeit genau so dringend auf weitere Information seitens des Amts wie Kerstin Wehner.