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Donnerstag, 30.03.2017

Mulkwitz, Rohne und Schleifes Süden werden nicht abgebaggert

1 500 Menschen behalten ihre Heimat: Nur Mühlrose verschwindet im Tagebau Nochten, weil die Leag deutlich weniger Braunkohle fördern will als bisher geplant.

Von Tilo Berger

Die Braunkohlebagger und Kraftwerke in der Lausitz werden ihren Hunger drosseln: Mehr als 400 Millionen Tonnen Braunkohle sollen, anders als bisher geplant, in der Erde bleiben.
Die Braunkohlebagger und Kraftwerke in der Lausitz werden ihren Hunger drosseln: Mehr als 400 Millionen Tonnen Braunkohle sollen, anders als bisher geplant, in der Erde bleiben.

© André Schulze

Cottbus. Der Energiekonzern Leag hat die Tagebau-Pläne seines Vorgängers Vattenfall deutlich abgespeckt. Das Unternehmen verzichtet auf mehr als 400 Millionen Tonnen Braunkohle, deren Förderung bislang beabsichtigt war. Das beschloss am Donnerstag in Cottbus der Aufsichtsrat der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG (Leag). Damit reagiert der Konzern auf die veränderten Rahmenbedingungen für die Braunkohlebranche wie Eingriffe der Politik in die Energiewirtschaft und den Strommarkt. Leag-Vorstandschef Helmar Rendez nannte am Abend vor Journalisten als Beispiel die politisch erzwungene schrittweise Stilllegung zweier Kraftwerksblöcke in Jänschwalde bei Cottbus. „Wir müssen feststellen, dass seitens der Bundespolitik offensichtlich der Wille besteht, Deutschlands Klimaziele im Wesentlichen auf dem Rücken der Braunkohle zu erreichen.“

Konkret heißt das, dass die Leag im Tagebau Nochten bei Weißwasser nur die Hälfte des einst geplanten Abbaugebietes II in Anspruch nimmt. Gefördert werden rund 145 Millionen Tonnen Kohle unter der Ortschaft Mühlrose, deren 220 Einwohner dazu umziehen müssen. Dafür rollen in Mulkwitz, Rohne und dem für die Umsiedlung vorgesehenen Teil von Schleife keine Umzugswagen an; etwa 1 500 Menschen können in ihren Häusern bleiben. Die rund 157 Millionen Tonnen Kohle unter diesen drei Ortschaften bleiben im Boden. Etwa in zehn Jahren werden die Bagger des Tagebaus Nochten das Mühlroser Gebiet erreichen. Der Abbau der dort liegenden Kohle wird rund weitere zehn Jahre in Anspruch nehmen, danach wird der Tagebau Nochten geschlossen. Die sächsische Staatsregierung hatte 2014 nach einem fast zehnjährigen Planungsverfahren die Abbaggerung des gesamten Abbaugebietes II genehmigt. Der Tagebau Nochten versorgt gemeinsam mit der benachbarten Förderstätte Reichwalde das Kraftwerk Boxberg. Reichwalde soll bis etwa 2045 ohne Einschränkungen laufen.

Seitens der brandenburgischen Landesregierung liegt die Genehmigung für das Abbaufeld II des Tagebaus Welzow-Süd vor. Ob die Leag die hier liegenden 204 Millionen Tonnen Kohle fördert, will das Unternehmen spätestens bis 2020 entscheiden. Ganz aufgeben will die Leag den Energiestandort Jänschwalde bei Cottbus. Dort werde es weder einen erweiterten Tagebau noch ein neues Kraftwerk geben.

Neben der Förderung und Verstromung von Braunkohle will sich das Unternehmen in Zukunft auch anderen Geschäftsfeldern zuwenden. „Daran wird gearbeitet, es gibt aber noch nichts Spruchreifes“, erklärte ein Leag-Sprecher auf Anfrage der SZ.