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Samstag, 15.09.2018

Mufflons sind wohl Wölfen gewichen

Auch in der Lausitz waren die Wildschafe einst weit verbreitet. Im Tierpark Weißwasser sind sie noch zu sehen.

Von Constanze Knappe

Charakteristisch für Mufflons sind die geschwungenen Hörner der Böcke, auch Schnecken genannt.
Charakteristisch für Mufflons sind die geschwungenen Hörner der Böcke, auch Schnecken genannt.

© Constanze Knappe

Weißwasser. Auf Anhieb nicht sofort zu entdecken, macht es sich das Mufflon in einer Kuhle zwischen toten Ästen bequem. In freier Natur wäre die Farbe des Gestrüpps die perfekte Tarnung. Im Tierpark Weißwasser hat der Bock jedoch nichts zu befürchten. Seelenruhig lässt er seinen Blick über die weiträumige Anlage streifen. Ein Muttertier samt Nachwuchs hat es sich zu dieser Mittagsstunde auf der hinteren Seite des Geheges bequem gemacht.

Ursprünglich stammen Mufflons aus Asien. Bekannt waren sie schon zu Zeiten lange vor Christus. Sie gelten – zumindest teilweise – als Vorfahren unserer Hausschafe. Vor 10 000 Jahren sollen Mufflons domestiziert worden sein. Damit gehören Schafe neben den Hunden zu den ältesten Haustieren. Wie in ganz Europa wurden die Mufflons auch in Deutschland einst als jagbares Wild eingeführt. Sie waren nach den Worten von Gert Emmrich in der Lausitz ebenfalls weit verbreitet. Der Tierparkchef spricht von Herden von bis zu 200 Tieren, die einst um Weißwasser herum verbreitet gewesen sein sollen. Heute gebe es in der Region in freier Natur höchstens noch 20 Mufflons. Ein Grund dafür ist die sich ausbreitende Wolfspopulation. Wenn auch Mufflons hierzulande nicht unmittelbar zu Opfern der Wölfe wurden – die zunehmende Zahl der Raubtiere sorgte zumindest für eine Vertreibung der an sich sehr ortstreuen Wildschafe.

Im Zoo in Weißwasser werden Mufflons als heimische Wildtierart schon seit mehr als 20 Jahren gezeigt. Besonders interessant sind die Böcke wegen ihrer ausladenden Hörner, die auf Grund der Form auch als Schnecken bezeichnet werden. Derzeit besteht die Gruppe aus fünf Tieren – dem Bock, drei weiblichen Schafen und jenem Jungtier, welches im Mai dieses Jahres geboren wurde. „Wir hatten mitunter auch schon zwölf Tiere“, erzählt Gert Emmrich. Denn beinahe jedes Jahr konnten sich Tierpfleger und Besucher über ein Mufflonbaby freuen. Gelegentlich gab es sogar Zwillinge. Die meisten Jungtiere wurden in andere Zoos abgegeben oder auch in private Hand. Allerdings braucht man für die Gatterhaltung eine behördliche Genehmigung und muss auch einige Kriterien erfüllen. „Das jetzige Jungtier wird vermutlich gegen eins aus einem anderen Tierpark getauscht“, sagt Gert Emmrich. Das sei immer mal wieder notwendig, um Inzucht zu vermeiden und frisches Blut in die Gruppe reinzubringen, so die Begründung.

Mufflons können zwischen 20 und 25 Jahre alt werden. Eins der Weibchen im Zoo Weißwasser ist bereits 15 Jahre alt, die anderen erwachsenen Tiere zwischen drei und fünf Jahre. Von Hause aus sind Mufflons Gebirgstiere. In freier Natur ziehen sich Muttertiere mit ihren Jungen gerne auf felsiges Terrain zurück, wo sie relativ sicher vor Wölfen geschützt sind. Gefahr könnte dort allerdings aus der Luft drohen, denn Mufflonbabys stehen auf der „Speisekarte“ von Adlern.

Mittlerweile sind die Wildschafe in ganz Europa verbreitet und haben sich selbst im Flachland angesiedelt. Vor allem in Gegenden mit trockenen Böden. Die Tiere könnten sonst Probleme mit den Klauen bekommen, sagt Gert Emmrich. Vom Futterangebot in Gebirgsgegenden nicht gerade verwöhnt, sind die Mufflons auch im Zoo recht genügsame Tiere. Als Pflanzenfresser bekommen sie Gras und Heu sowie zum Frühstück etwas Frisches dazu. Etwa eine Möhre oder ein bisschen Kohl. Die Wildschafe sind winterhart und robust. Sie kommen mit dem Wetter hier bei uns bestens zurecht. Fluchttiere, die sie von Natur aus sind, sind auch die Mufflons in Weißwasser relativ scheu. Sie haben sich selbst im Zoo den Wildtiercharakter erhalten.

Tierpark Weißwasser, Teichstraße 56. Geöffnet ist in der Saison täglich 9 bis 18 Uhr, 03576 208366.

www.tierpark-weisswasser.de