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Mittwoch, 07.03.2018

Müllwagen-Fahrer vor Gericht

Ein schwerer Müll-Lkw kippt um und begräbt ein Auto unter sich - fünf Menschen sterben. Jetzt steht der Unfallfahrer vor Gericht. Sein Anwalt erklärt schon mal, weshalb sein Mandant nicht ins Gefängnis gehört.

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Rettungskräfte am 11. August 2017 an der Unfallstelle bei Nagold in Baden-Württemberg.
Rettungskräfte am 11. August 2017 an der Unfallstelle bei Nagold in Baden-Württemberg.

© Andreas Rosar/dpa

Tübingen. Fünf Menschen starben, als im vergangenen Sommer ein Müllwagen in Baden-Württemberg auf ein Auto kippte. Jetzt beschäftigt sich das Landgericht Tübingen mit dem Unfall. Von Mittwoch an muss sich der Müllwagen-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung vor der Zweiten Großen Strafkammer verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 54-Jährigen vor, zu schnell in eine Kurve gefahren zu sein. Dadurch sei der schwere Müllwagen umgekippt. Der Prozess ist auf drei Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird für den 19. März erwartet.

Der Müllwagen war am 11. August 2017 bei Nagold im Kreis Calw auf ein voll besetztes Auto gestürzt. Dabei starben die 25 Jahre alte Fahrerin, ihr Freund (22), die zweijährige Tochter und der nur wenige Wochen alte Sohn sowie die Schwester der Fahrerin (17).

Vier Familienangehörige der Getöteten werden nach Angaben des Landgerichts als Nebenkläger auftreten. Nach dem Unfall habe in der Familie große Wut auf den Müllwagen-Fahrer geherrscht, sagte Seelsorger Johannes Bräuchle, der die beiden Zirkus- und Schaustellerfamilien nach dem Unfall begleitet hat. Der Prozess wird mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen geführt, alle Besucher werden vor dem Saal durchsucht.

Der Verteidiger des Angeklagten warnte vor Vergeltungsgedanken. „Der Angeklagte ist keinesfalls ein Krimineller, der weggeschlossen werden muss, sondern ist selbst Opfer seiner Tat“, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung von Rechtsanwalt Thomas Weiskirchner.

Der Anwalt hält nicht viel davon, den Angeklagten im Fall einer Verurteilung ins Gefängnis zu schicken. „Eine solche Strafe kann den unermesslichen Verlust und das tiefe Leid der Angehörigen niemals abbilden, sondern dient einem meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäßen Vergeltungsgedanken - Auge um Auge, Zahn um Zahn“, teilte Weiskirchner mit.

Als Zeugen werden einer Gerichtssprecherin zufolge unter anderem Polizisten, Sachverständige und der Arbeitgeber des Angeklagten befragt. Ob schon am 19. März ein Urteil fällt, hängt nach Einschätzung von Weiskirchner mitunter davon ab, wie lange am Stück der Angeklagte verhandlungsfähig ist. Er habe bei dem Unfall einen schweren Schock erlitten und sei immer noch in ärztlicher Behandlung. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. ich

    Da fragt man sich, ob der Anwalt nicht seinen Beruf verfehlt hat. Ist denn nicht jeder Täter "Opfer seiner Tat"? Und ist somit das StGB etwa obsolet? Ziemlich lächerliche Aussagen eines Juristen...

  2. Reisender

    Keineswegs. Rache ist nicht Sinn des deutschen Strafrechts (auch wenn es der Stammtisch manchmal will). Sinn ist die Besserung des Täters. Und es ist ein wesentlicher Unterschied, ob ein Mensch vorsätzlich oder fahrlässig handelt (deswegen ja auch das unterschiedliche Strafmass). Hier hat der Täter den Erfolgt der Tat nicht gewollt - anders als etwa ein Gewalttäter, der andere mit Waffen attackiert. Ein Täter, der einsitzt, zerstört noch eine Familie (seine eigene). Ein Täter, der arbeitet, kann hingegen zum Täter/Opfer-Ausgleich beitragen (z. B. finanziell).

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