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Mittwoch, 11.07.2018

Müll-Chaos programmiert

Die SZ hat sich umgehört: Der künftige Müllentsorger für Riesa-Großenhain hatte anderswo Startschwierigkeiten.

Werden die Mülltonnen ab Oktober, wie im Abfallkalender vorgesehen, abgeholt? Oder bleiben sie stehen? Das sind Fragen, die nicht nur den ZAOE beschäftigten.
Werden die Mülltonnen ab Oktober, wie im Abfallkalender vorgesehen, abgeholt? Oder bleiben sie stehen? Das sind Fragen, die nicht nur den ZAOE beschäftigten.

© Archiv/Sven Ellger

Großenhain/Riesa. Mehrere Leser der Sächsischen Zeitung zeigen sich besorgt über den Wechsel des Müllentsorgers im Raum Riesa-Großenhain (SZ berichtete). Zum einen äußern sie Unverständnis darüber, dass ortskundige Müllfahrer der in Quersa und Riesa ansässigen Firma Remondis ihre Arbeitsplätze verlieren sollen. Und zum anderen zweifeln sie daran, dass der neue Anbieter Knettenbrech + Gurdulic aus Wiesbaden rechtzeitig die Voraussetzungen schafft, um ab 1. Oktober für einen reibungslosen Übergang bei der Entsorgung von Rest-, Bio-, Sperr- und Elektromüll zu sorgen. Aussagen von Raimund Otteni, dem Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE), weisen deutlich daraufhin, dass es zu Übergangsschwierigkeiten kommen kann. Anlass genug für eine bundesweite Presseschau der SZ, um zu erfahren, wie Knettenbrech + Gurdulic ähnliche Neuanfänge gemeistert hat oder nicht.

Startschwierigkeiten in Kitzingen

Das Internetportal „inFranken.de“ berichtete Mitte Februar 2017 über anhaltende Startschwierigkeiten bei der Müllabfuhr im Landkreis Kitzingen. 40 Jahre lang hatte dort ein anderes Unternehmen für die Müllentsorgung gesorgt. Ab 1. Januar 2017 übernahm Knettenbrech + Gurdulic diese Aufgabe. Nach sechs Wochen musste das für die Vergabe zuständige Landratsamt eingestehen: „Es läuft noch nicht alles rund.“ Zwar sei die Anzahl der Beschwerden zurückgegangen, aber die Probleme seien da. Vor allem der Mangel an Ortskenntnis habe dazu beigetragen.

Wie „inFranken.de“ berichtet, hatte Knettenbrech + Gurdulic allerdings nur zwei Monate Zeit zur Vorbereitung. Der Grund war die Klage eines unterlegenen Bieters, die sieben Monate Verzögerung bedeutete. – Das könnte auch im Altkreis Riesa-Großenhain so kommen. Denn hier hat die Remondis Elbe-Röder GmbH vor der Vergabekammer Leipzig Einspruch dagegen erhoben, dass der ZAOE die ursprüngliche Ausschreibung zurücknahm. Die hatte Remondis gewonnen. Doch das Angebot war dem ZAOE zu hoch und im Interesse stabiler Abfallgebühren nicht hinnehmbar. Ein Urteil der Vergabekammer Leipzig wird nicht vor Mitte Juli erwartet.

Probleme mit Altglas in Karlsruhe

Seit Januar 2018 ist Knettenbrech + Gurdulic in Karlsruhe für die Glascontainer zuständig. Wie von der dortigen Internetzeitung ka-news zu erfahren ist, hagelte es bereits im ersten Monat eine Flut an Beschwerden. Rund 360. Die Wiesbadener kamen monatelang mit der Entleerung der Glascontainer nicht hinterher. Der vorhergehende Entsorger soll bis Jahreswechsel mit drei Fahrzeugen in Karlsruhe unterwegs gewesen sein, um das Altglas einzusammeln. Knettenbrech + Gurdulic fuhren nur mit einem Lkw.

Volle Tonnen in Marburg-Biedenkopf

Auch im Müllabfuhrzweckverband (MZV) Biedenkopf haben die Mitarbeiter viele Beschwerden erhalten. Das war in der Oberhessischen Presse am 27. April dieses Jahres zu lesen. Nach drei Monaten konstatierte die Zeitung: „Der Start in die Müllentsorgung mit dem neuen Abfuhrunternehmen Knettenbrech und Gurdulic aus Wiesbaden ist nicht geglückt. Weiterhin gibt es Beschwerden über nicht geleerte Mülltonnen – in Einzelfällen oder auch in ganzen Dörfern.“

Die MZV-Mitarbeiter verschickten von Februar bis Mitte März fast genauso viele Beschwerdeformulare an Knettenbrech + Gurdulic wie an den vorhergehenden Entsorger in einem ganzen Jahr. Neben den Frust über gelbe Tonnen gab es die meisten Reklamationen beim Biomüll. Dessen Menge hatte sich im Frühjahr aufgrund der Vegetationsexplosion nahezu verdoppelt.

Noch im Juli 2017 hatte sich die Geschäftsstellenleiterin des MZV Biedenkopf in einem Interview mit der Oberhessischen Presse zuversichtlich geäußert, dass der Wechsel des Müllentsorgers ab 1. Januar 2018 „problemlos“ verläuft. Falsch gedacht. – Immerhin ist der hiesige ZAOE-Geschäftsführer Otteni nicht ganz so blauäugig. Allerdings hält er sich momentan mit jeglichen Kommentaren zurück, solange eine Entscheidung im Vergaberechtsstreit zwischen dem ZAOE und der Remondis Elbe-Röder GmbH noch nicht gefallen ist.

Standortfrage weiter unklar

Wie bei der Presseschau zu erfahren war, setzt Knettenbrech + Gurdulic auf kurze Wege. Die Wiesbadener Firma hat mittlerweile zehn Standorte. Die meisten in Hessen, aber auch dort, wo sie die Müllentsorgung neu übernommen hat, z. B. in Kitzingen und Karlsruhe. Eine Anfrage der SZ, ob, wann und wo sich Knettenbrech + Gurdulic im Landkreis Meißen niederlassen, ließen die Wiesbadener unbeantwortet. Und auch im Landratsamt Meißen sowie in den Stadtverwaltungen von Riesa und Großenhain gibt es bisher keine Hinweise, dass sich die Firma hier ansässig machen will.