erweiterte Suche
Samstag, 07.01.2012

Mühlen für den besonderen Kaffee

Von wegen Made in Italy – die besten Kaffeemühlen kommen aus Hamburg. Der Weltmarktführer hofft nun hierzulande auf einen neuen Genießertrend.

Von Miriam Schmidt, Hamburg

Bei Nils Erichsen kommt nicht irgendetwas in die Tasse: Ein guter und frisch gemahlener Kaffee ist für ihn selbstverständlich. Der 46 Jahre alte Hamburger Unternehmer ist Chef des Weltmarktführers für Kaffeemühlen. Wer die unscheinbaren Büroräume von Mahlkönig im Hamburg betritt, wird von einem verführerischen Kaffeeduft empfangen.

Mancherorts ähneln die Räume einem Museum – bunte und moderne Kaffeemühlen reihen sich an antike Schätzchen. Hier dreht sich alles um den perfekt gemahlenen Kaffee. Erichsen ist seit rund zehn Jahren Chef des Familienunternehmens, das 2014 seinen 90. Geburtstag feiert. Die Kernkompetenz ist das Herz der Mühle, die Mahlscheibe. Billig sind die Produkte nicht, aber in seinem Premiumsegment ist Mahlkönig Marktführer. Zwischen 1000 und 20000 Euro kosten die Mühlen, die überwiegend an Industrie- und Gastronomiebetriebe oder Kaffeeläden verkauft werden. Nur zwei Haushaltsmühlen hat das Unternehmen im Sortiment, sie kosten 500 und knapp 1000 Euro. Rund 4000 Stück werden davon im Jahr verkauft.

Qualität steht für Unternehmenschef Erichsen an erster Stelle. „Wir verfolgen konsequent die Premiumstrategie, als letztes kommt der Preis“, erklärt er. Das Werk in Hamburg verlassen pro Jahr rund 20000 fertige Mühlen. Gemeinsam mit der Schweizer Schwesterfirma Ditting hat Mahlkönig einen Jahresumsatz von rund 32 Millionen Euro.

Hergestellt werden die Mühlen teils in Handarbeit, teils mit Hilfe von Maschinen. Bis aus dem Stahlrohling eine Mahlscheibe und schließlich die fertige Mühle wird, ist es ein langer Weg. Zunächst werden die Stahlstücke in Rohlinge zersägt. Nach dem Glühen werden sie gedreht und die Zähne geschliffen, gefräst und gelasert. Größte Präzision ist dabei unerlässlich. Jede Mahlscheibe soll den Wünschen des Kunden entsprechen. Als letzter Schritt folgt die Montage der Mühlen, die je nach Modell mehrere Stunden dauern kann.

Gemeinsam mit Ditting produziert Mahlkönig pro Jahr 350000 Rohlinge und fertige Mahlscheiben. Knapp 200 verschiedene Mahlscheibenmodelle gibt es, sie sind 64 bis 188 Millimeter groß. Rund 65 Mitarbeiter hat das Unternehmen, es sollen noch mehr werden.

Mahlkönig hat sogar ein eigenes Labor. Hier werden zum Beispiel die Kornverteilung des Mahlguts getestet und verbessert und neue Maschinen entwickelt. In Zukunft kann der Barista sich via Chipkarte anmelden oder auf einem Display Details einstellen. Die Mühlen werden auf Anfrage und in Kleinserien produziert, eine massenhafte Serienproduktion gibt es nicht.

Erichsens Credo lautet: Kaffee muss frisch gemahlen sein. „Gemahlener Espresso verliert nach 15 Minuten 50 Prozent seines Aromas“, erklärt er. Es werde immer mehr umgestellt auf „Grind on Demand“ (Mahlen nach Bedarf). Erichsens Ziel ist es, das Mahlen so schnell, einfach und komfortabel wie möglich zu machen. „In der Regel ist die Mühle noch so laut, dass in Bars auf Vorrat gemahlen wird, wenn noch kein Kunde da ist“, erklärt er. Das will Erichsen ändern. „Das Aroma will man schließlich in der Tasse, und nicht in der Luft.“

Auch im Service will er das Angebot ausbauen. Erichsen glaubt an die Zukunft von frisch gemahlenem Kaffee. „Immer mehr Menschen werfen zu Hause Espressomaschine und Mühle an“, sagt er. „Der Trend geht weg vom Vollautomaten.“ (dpa)