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Mittwoch, 14.03.2018

Moskau lässt britisches Ultimatum verstreichen

Nun ist London wieder am Zug: Am Vormittag berät der Nationale Sicherheitsrat im Fall des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Skripal über Maßnahmen gegen Russland.

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Theresa May, Premierministerin von Großbritannien
Theresa May, Premierministerin von Großbritannien

© Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

London/Moskau. Russland hat das britische Ultimatum im Fall des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal verstreichen lassen. Bis zum Ablauf der von der britischen Premierministerin Theresa May gesetzten Frist am frühen Mittwochmorgen (01.00 Uhr MEZ) gab es keine Reaktion aus Moskau. Allerdings hatte Russland bereits zuvor deutlich gemacht, man werde nicht auf das Ultimatum antworten, so lange man keine Proben des Gifts erhalte. May will nun am Mittwochmorgen mit dem Nationalen Sicherheitsrat über das weitere Vorgehen beraten, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete.

May hatte Moskau am Montagabend aufgefordert, sich binnen 24 Stunden gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu erklären und darzulegen, wie das wohl aus sowjetischer Produktion stammende Gift nach Großbritannien gelangen konnte. Ansonsten drohten Konsequenzen, die May aber nicht näher ausführte.

So bleibt unklar, welche Sanktionen Großbritannien plant. May hatte bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland zu schicken. Britische Medien wie die „Times“ halten eine Cyberattacke auf den Kreml für möglich. Eine andere Maßnahme könnte die Ausweisung von Diplomaten sein. Auch finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen, die Immobilien in London besitzen, seien denkbar.

Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich in einem kritischen Zustand. Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet worden. May hatte am Montagabend erklärt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach Russland hinter dem Anschlag stecke. Rückendeckung erhielt Großbritannien unter anderem aus Deutschland, Frankreich, den USA und von der Nato.

Russland dagegen drohte am Dienstag mit Gegenmaßnahmen im Falle von Sanktionen. Das russische Außenministerium erklärte: „Jegliche Drohungen, Russland mit Strafmaßnahmen zu belegen, werden nicht unbeantwortet bleiben.“. Darauf müsse sich Großbritannien gefasst machen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte: „Russland ist nicht schuldig.“ Er forderte einen kompletten Zugang zu den Ermittlungen und zu den verdächtigen Proben, um eine eigene Analyse der verdächtigen Substanz vorzunehmen. Moskau habe bereits eine offizielle Anfrage dazu gestellt. Russland sei bereit, mit Großbritannien auf der Ebene der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zusammenzuarbeiten, sagte Lawrow. Die russische Botschaft in London bekräftigte, so lange man keine Proben des Gifts erhalte, werde man auf das Ultimatum nicht antworten.

Russland hat nach eigener Darstellung alle Chemiewaffen zwischen 2002 und 2017 vernichtet. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen habe dies bezeugt, teilte das Industrieministerium in Moskau mit.

Der Fall erinnert an den Mord an dem Ex-Agenten und Kremlkritiker Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Die Spuren der Täter führten auch nach Moskau.

Die Briten wollen nun weitere etwa 14 Todesfälle im Land mit einer möglichen Verbindung nach Russland erneut untersuchen, wie Innenministerin Amber Rudd ankündigte. Die Fälle reichen teils mehr als zehn Jahre zurück. Darunter sind auch prominente Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, etwa der Oligarch Boris Beresowski.

Ein Vertrauter Beresowskis, der Geschäftsmann Nikolai Gluschkow, wurde vor wenigen Tagen tot in seinem Haus in London entdeckt. Die Todesursache war am Dienstag noch unklar. Die Anti-Terror-Polizei übernahm aber vorsichtshalber die Ermittlungen, sieht aber derzeit keine Verbindung zu dem Attentat in Salisbury. 2004 war er in Russland zu drei Jahren und drei Monaten Haft nach Vorwürfen von Betrug und Geldwäsche verurteilt worden. 2010 erhielt er in Großbritannien Asyl. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 12 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. nettosteuerzahler

    Nach dem alle so sicher sind das das Gift aus Sowjetbeständen stammt gibt es neben der „Die Russen waren es“ Theorie auch noch eine andere Möglichkeit. Im Rahme der Vereinbarung über die Vernichtung der C Waffen zwischen USA und der SU wurde eine Probenbank unter UN Verwaltung eingerichtet. Diese dient dazu Zweifelsfrei die Herkunft und Hersteller von Kampstoffen zu identifizieren. Da die UN Institution sich in den Letzten Jahren als hochgradig korrupt erwiesen hat, kann das Gift auch aus UN Beständen stammen. Da das fragliche „Opfer“ Kontakt zu Personen hatte die Clinton den berüchtigten „Trump-Bericht“ beschafft hatten baut sich hier eine neue sehr plausible Spur auf. Außerdem scheinen sich Geschäftsbeziehungen zu den Clintons generell sehr negativ auf die Lebenserwahrung auszuwirken…. Sollten wir uns da vielleicht Sorgen und Frau Merkel machen????

  2. Sören Göhler, Dresden

    Hat sich schon mal jemand gefragt, welche Motivation Rußland haben soll, ausgerechnet jetzt Skripal derart dilettantisch umbringen zu wollen? Jetzt, nachdem man es hätte Jahre vorher bereits viel einfacher und spurenärmer tun können?

  3. Realist

    Es ist immer wieder köstlich, wie die Terrorhelfer Putins versuchen, jede noch so abwegige Theorie zu bemühen, um ihren Gott Putin zu verteidigen. Er ist nach 20 Jahren Diktatur eben nur ein Massenmörder, der sich als Pate aller Terrorregime der Welt gefällt. Sei es Nordkorea, der Iran, Assad, die Taliban etc. Immer wenn es gegen die Menschenrechte und Demokratie geht, ist Putin in der ersten Reihe zu finden. Er hat eben nur Agent gelernt und ist dummerweise von dem Alkoholiker Jelzin auf den Präsidenten-Stuhl gesetzt worden, weil der ihm versprochen hat, ihn und seine Familie von der Strafverfolgung zu schützen. So wie das seit ca. einem Jahrhundert bei Amtsübernahmen in Russland/SU zum schlechten Ton gehört. Die komplette Isolation Moskaus ist die einzig angebrachte Antwort. Wer braucht schon einen Terrorstaat, der nur eine funktionierende Waffen-, Geheimdienst- und klimaschädliche Öl- und Gasindustrie im Angebot hat. Niemand außer ein paar Sektenanhängern von Putin.

  4. Meyer

    @2 stimme ich zu. Es gibt sicher geeignetere Mittel als ein solches, was eine anscheinend klare und eindeutige Spur legt. @3 Realist: Bitte nur nüchtern Kommentare abgeben.

  5. cattenaccio

    Wenn es um chemische Kampfstoffe geht glaube ich den Atlantikern kein Wort.

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