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Dienstag, 07.08.2007

Monsun in Asien fordert weit mehr als 1000 Menschenleben

Wissenschaftler machen auch den Klimawandelfür die Flutkatastrophe verantwortlich.

Von Willi Germund,SZ-Korrespondent in Bangkok

Es ist eine Aufzählung des Schreckens: Erdrutsche an steilen Himalaja-Hängen Nepals haben Dörfer begraben. Fast eine Million Menschen sind obdachlos. Im Norden und Nordosten von Indien kampieren 14 Millionen Menschen auf Dämmen, Straßen und teilweise in Bäumen. In Bangladesch stehen rund zwei Drittel des Landes unter Wasser, fünf Millionen Einwohner harren dort unter Plastikplanen aus, während ihre Dörfer in den Fluten versinken, 131 Menschen sind hier nach Angaben der Behörden gestorben.

Auch wenn sich die Lage nach dreiwöchigem Monsunregen gestern leicht entspannt hat, der Monsun, für die Landwirtschaft der Region lebenswichtig, schlägt in diesem Jahr besonders heftig zu. Schneeschmelze im Himalaja, die anhaltende Abholzung der Wälder und die Verschlammung der Flüsse Ganges und Brahmaputra sorgen dafür, dass der Regen in einer Katastrophe endet. Zudem öffneten Nepals Behörden die Staudämme, um die Wassermassen abfließen zu lassen. Lokale Quellen in den betroffenen Regionen beziffern die Zahl der Opfer auf inzwischen rund 1000.

Das indische Meteorologische Department in Neu-Delhi macht die Natur für die Katastrophe verantwortlich. Die Überschwemmungen fallen indes von Jahr zu Jahr schlimmer aus. Wie so oft sind die Behörden völlig überfordert, weil sie sich trotz der regelmäßigen Überschwemmungen nur mangelhaft vorbereiten.

Unicef ruft zur Hilfe auf

Derweil hat das Uno-Kinderhilfswerk Unicef zu schneller Hilfe für die Opfer in Südasien aufgerufen. Den betroffenen Menschen müsse dringend Zugang zu sauberem Trinkwasser, Essen und Unterkunft verschafft werden, sagte eine Sprecherin gestern in Neu-Delhi.

Auch die Bundesregierung kündigte an, Hilfe in Höhe von 500000 Euro bereitzustellen. Über deutsche Hilfsorganisationen würden Notunterkünfte, Nahrungsmittel, Hygieneartikel und Basismedizin angeboten. Gesundheitsexperten fürchten vor allem Durchfallerkrankungen.

Im Nordosten Indiens werden die Hilfsaktionen jedoch durch einen Zusammenbruch der Infrastruktur behindert. 60 Brücken sind durch Überschwemmungen zerstört. Das Land, das Atombomben baut, ist nicht in der Lage, den eigenen Bürgern aus der Not zu helfen. 1258 von ihnen starben.

Die Behörden sprechen inzwischen von den größten Überflutungen seit Menschengedenken. Wissenschaftler sind überzeugt, dass dies eine Folge der Klimaveränderung ist. Denn auf dem Himalaja verschwinden nicht nur Gletscher. Der Monsun gebärdet sich ebenfalls anders als noch vor 20 Jahren. Doch obwohl Indien direkt unter den Folgen leidet, blockiert Delhi bei internationalen Verhandlungen Übereinkünfte zum Klimaschutz. Das Land will seine Entwicklung nicht behindern. (mit dpa)