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Montag, 17.09.2018

Mitreden gefragt

Von Anja Beutler

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Roland Löffler ist Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen und macht Werbung für sein neues Projekt.Foto: slpb
Roland Löffler ist Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen und macht Werbung für sein neues Projekt.Foto: slpb

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  • Roland Löffler ist Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen und macht Werbung für sein neues Projekt.Foto: slpb
    Roland Löffler ist Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen und macht Werbung für sein neues Projekt.Foto: slpb
  • Matthias Weber leitet die Volkshochschule Dreiländereck und bietet gern gesellschaftspolitische Themen an. Foto: Sampedro
    Matthias Weber leitet die Volkshochschule Dreiländereck und bietet gern gesellschaftspolitische Themen an. Foto: Sampedro

Wo reden Menschen heute noch über strittige Themen miteinander? Der Kretscham oder die Dorfkneipe haben vielerorts geschlossen oder sind kein Ort mehr für Gespräche. Oft gibt es nicht einmal mehr einen Einkaufsladen. Auch die sozialen Netzwerke bieten da keine neuen Räume, denn echte Auseinandersetzung findet selten statt. Diskutieren und argumentieren sind allerdings Grundpfeiler der politischen Bildung und die – so sagt Roland Löffler, der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung – ist in ländlichen Regionen schwächer ausgeprägt als in größeren Städten.

Mit einem neuen Programm wollen Volkshochschulen und Landeszentrale nun aber genau diese Fähigkeiten auch auf dem Land wieder in Schwung bringen – ohne erhobenen Zeigefinger freilich – sondern vielmehr mit interessanten Angeboten. „Kontrovers vor Ort“ heißt das Ganze, und um es publik zu machen, gab es dieser Tage in der Volkshochschule in Löbau ein Treffen mit Menschen, die davon in Vereinen und Verbänden weitererzählen können.

Ab Herbst soll es losgehen – nicht mit Talkrunden a la Anne Will, sondern mit interessanten Vorträgen, die von den sächsischen Volkshochschulen in ländlichen Gebieten „gebucht“ werden können. Mit dabei ist beispielsweise Buchautor Tobias Ginsburg, der in diesem Jahr mit dem Titel „Unter Reichsbürgern“ Aufmerksamkeit erregte. Auch Julia Ebner, die in „Wut“ über Islamisten und Extreme schrieb, ist mit dabei. „Wir wollen die Menschen mit prominenten Personen und interessanten Themen aus ihrem Schneckenhaus locken“, umschreibt es Roland Löffler. Donald Trumps Politik ist ebenfalls ein solches Thema und Volkshochschulchef Matthias Weber weiß genau: „Das interessiert die Leute hier durchaus.“ Deshalb hat er für den November schon einmal einen Vortrag bei der Landeszentrale dazu gebucht.

Drei Jahre läuft das Projekt, für das die Landeszentrale pro Jahr 145 000 Euro zur Verfügung hat. Bei den Auftakttreffen wie jetzt in Löbau werden für die nächsten Monate deshalb auch Themen und Wünsche gesammelt, um in den kommenden Monaten dann auch mehr Angebote zum Diskutieren und Mitreden anzubieten. Für die Volkshochschulen ist das ein Geschenk, denn viele haben nicht den finanziellen und personellen Spielraum, solche Gesellschaftsthemen regelmäßig anzubieten, das weiß auch die Landeszentrale. Die wiederum nutzt gern die gute Vernetzung der Volkshochschulen in den Regionen.

Roland Löffler macht sich keine Illusionen, dass es schwer wird, all jene zu erreichen, die sich einer Diskussion komplett verschließen. Dennoch hoffen er und Mathias Weber, dass man gemeinsam die Menschen zum Diskutieren und Argumentieren ermutigen kann. „Eine Meinung auszuhalten, das muss man auch erst einmal üben“, sagt Löffler. Aber das gehöre zu einem mündigen, selbstbewussten und aktiven Bürger dazu.

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