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Donnerstag, 27.09.2018

Mit Volldampf unter der Haube

Von Stephan Klingbeil

Will Gold: Nico Walther. Foto: Robert Michael
Will Gold: Nico Walther. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Nach seiner Silbermedaille im großen Schlitten bei den Winterspielen in Pyeongchang hat sich bei Bobpilot Nico Walther viel verändert. Sportlich musste er nach dem Karriere-Ende von Rekordbobsportler Kevin Kuske sein Team umbauen. Obendrein pausiert sein Anschieber Christian Poser vom SC Potsdam in dieser Saison. Mit ihm gewann er mehrere Weltcuprennen. Doch der 27-Jährige müsse nun seine Feuerwehrausbildung beenden und setzt daher zumindest in dieser Saison aus.

„Danach sehen wir weiter“, sagt Walther. Ersatz hat der Vize-Olympiasieger bereits gefunden. Der 26-jährige Paul Krenz vom Mitteldeutschen Sportclub wechselte nach den Winterspielen ins Team Walther. Der aus dem thüringischen Heringen stammende Vize-Juniorenweltmeister von 2015 hatte in den vergangenen Rennzeiten eine starke Entwicklung gezeigt. Er war in Südkorea bereits als Ersatzmann dabei und hat dort „noch einmal Blut geleckt“. Walther wollte ihn unbedingt in seiner Crew. Jetzt ist er dabei und setzte beim Leistungstest des deutschen Bob- und Schlittenverbands Mitte September in Oberhof gleich ein Ausrufezeichen – er war der schnellste Anschieber, das Maß aller Dinge.

An diesem Sonnabend soll Krenz zusammen mit Walther bei den Deutschen Startermeisterschaften in Oberhof antreten. „Wir wollen uns dort empfehlen“, erklärt Walther. Er geht derzeit davon aus, dass er in diesem Winter mit Krenz im Zweier an den Start geht. „Und vom Können und dem Material her, müssten wir uns wieder für Weltcup und WM qualifizieren“, hofft der Dresdner. Zu den weiteren Anschiebern in seinem Team für diese Saison zählen definitiv Eric Franke, Alexander Rödiger sowie der derzeit am Rücken verletzte Kevin Korona und Routinier Marko Hübenbecker.

„Jetzt wäre es an der Zeit für Gold“

Auch privat hat sich einiges getan bei dem aus Altenberg stammende Dresdner. Er ist jetzt unter der Haube. Am 1. September hat der Vize-Olympiasieger vom BSC Sachsen Oberbärenburg seine langjährige Freundin Lisa geheiratet. Nach der Hochzeit im Barockgarten Großsedlitz in Heidenau gab es zwar noch „ein paar entspannte Tage“ für beide in den Flitterwochen in Dänemark. Gefeiert werden soll aber erst im kommenden März, also nach der Saison. Und geht es nach dem 28-jährigen Bobpiloten, soll dieser Winter möglichst mit einer goldenen Medaille für ihn gekrönt werden. „Bronze und Silber habe ich schon gewonnen. Jetzt wäre es an der Zeit für Gold“, sagt Walther. 2017 wurde er mit seinem Team bei der WM in Königssee Dritter im Viererbob, ein Jahr später bei Olympia in Südkorea sogar Zweiter. Und den Sieg im Zweier hatte der später Viertplazierte dort sogar bis zur Rennhalbzeit vor Augen gehabt. Für den Sachsen, der weiterhin auf seine beiden Olympiaschlitten aus der Berliner Schlittenschmiede FES setzt, ging es zuletzt nur in eine Richtung: nach oben.

Das soll auch möglichst oft in der neuen Weltcup-Saison so bleiben - und im Februar 2019 bei der WM im kanadischen Whistler mit einem Podestplatz enden. „Eine Medaille ist das Minimalziel“, sagt er. Und wenn es in dieser Saison nicht mit einem erhofften Titel für ihn klappt, dann in den nachfolgenden Jahren 2020 oder 2021. „Ich denke, auf den WM-Bahnen in Whistler, daheim in Altenberg oder dann in Lake Placid habe ich bessere Chancen das zu schaffen als in Vorjahren, zum Beispiel in Igls oder Winterberg“, erklärt der ehemalige Rennrodler. Denn letztere seien zum Beispiel für starke Starter optimal. Die drei nächsten WM-Bahnen sind die schwierigsten, sie sind schnell, lang und anspruchsvoll“, so Walther. Das komme ihm zugute. Am Start wurde er zwar in letzten Rennzeiten immer besser, doch vor allem sein fahrerisches Können ist ein Pfund.

Doch ehe er überhaupt für die WM oder den Weltcup planen kann, muss sich der frühere Junioren-Weltmeister für die erste internationale Liga qualifizieren. Denn nur sein Vereinskollege Francesco Friedrich aus Pirna ist als amtierender Doppel-Olympiasieger und Titelverteidiger gesetzt. Alle anderen müssen sich ihr Ticket bei den Deutschen Meisterschaften in Winterberg im Oktober und beim zweiten, finalen Ausscheid Mitte November in Altenberg verdienen. Nach Olympia hatten Walther und sein Team erst einmal eine längere Pause als sonst eingelegt. „Das war wichtig, nun wollen wir aber voll angreifen“, sagt er. Bis zur Selektion soll auch bei ihm wieder Volldampf unter der (Bob-)Haube sein.