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Freitag, 19.10.2018

Mit Still-Ecken und „Strassenkicker“ wirbt dm um neue Kunden

Die Drogeriekette wächst und wächst, aber der Bauboom dämpft die Expansion.

Von Nora Miethke

Geschützt vor Blicken und rempelnden Einkaufswagen können junge Mütter bei dm ihre Babys stillen.
Geschützt vor Blicken und rempelnden Einkaufswagen können junge Mütter bei dm ihre Babys stillen.

© dpa

Dresden. Als Gert Moßler im Jahr 1990 bei der Drogeriemarktkette dm anfing zu arbeiten, machte diese im Jahr einen Umsatz von 800 Millionen D-Mark, also rund 400 Millionen Euro. „Seitdem ging es immer nur nach oben, es gab kein einziges Jahr ohne Wachstum“, sagt der Gebietsverantwortliche für Sachsen. Am Donnerstag präsentierte der Drogerieriese bei seiner Bilanzvorlage einen Jahresumsatz von 8,1 Milliarden Euro für den deutschen Markt im abgelaufenen Geschäftsjahr. Konzernweit erreichten die Erlöse in fast 2000 Filialen 10,7 Milliarden Euro, ein Plus von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Geschäft in Sachsen wächst voll im Trend, der Umsatz in den 63 Filialen lag bei 243 Millionen Euro, ein Plus von 4,3 Prozent. Die Zahl der meist weiblichen Beschäftigten stieg um 28 auf 1093 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Darunter sind 152 Lehrlinge, zehn mehr als im Vorjahr.

Nachwuchssorgen treiben die Manager der Drogeriekette mit Sitz in Karlsruhe nicht um. Ein Ausbildungsplatz bei dm zu ergattern, scheint bei jungen Männern und Frauen beliebt zu sein. 63 000 Bewerbungen erhielt das Unternehmen für die angebotenen 2 000 Lehrstellen im aktuellen Ausbildungsjahr. Die Mitarbeiter werden in Sachsen nach dem Tarifvertrag für den sächsischen Einzelhandel bezahlt. „Das ist aber die unterste Gehaltsgrenze“, betont Moßler. Hinzu kämen noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Verkaufsprämien. Seit Kurzem tragen die Verkäuferinnen immer ein Smartphone bei sich, um auf Kundenfragen sofort antworten zu können.

Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, investiert das Unternehmen stetig in neue Berufszweige und Technologien. So begannen im vergangenen Jahr die ersten Lehrlinge ihre Ausbildung im Bereich E-Commerce. Nun folgt ein eigener dualer Bauingenieur-Studiengang, um innovative Ideen und eigene Entwicklungen bei Filialrenovierungen und Neueröffnungen schneller umsetzen zu können.

Denn der Bauboom dämpft das Wachstum von Deutschlands größter Drogeriemarktkette. Eigentlich sollen im abgelaufenen Geschäftsjahr 80 bis 90 neue dm-Märkte eröffnet werden. Es waren aber nur 64, davon drei in Sachsen. Zu einigen geplanten Neueröffnungen sei es nicht gekommen, weil es schlicht an Ressourcen in der Baubranche gefehlt habe oder zu lange Genehmigungsverfahren dies verhinderten, betonte dm-Chef Erich Harsch bei der Bilanzvorlage in Karlsruhe. Und der Konzern hat noch weitere Großbaustellen. Derzeit wird eine neue Zentrale in Karlsruhe errichtet. In Wustermark bei Berlin entsteht ein neues Verteilzentrum, um die Filialen in Ostdeutschland mit Waren zu versorgen. Es werden aber auch Filialen geschlossen wie die im Leipziger Karstadt, weil das Kaufhaus schließt. Die betroffenen Mitarbeiter erhalten neue Arbeitsplätze in benachbarten Standorten, versichert Moßler.

Um die Kunden an sich zu binden, ist die Drogeriekette höchst innovativ und lässt sich immer wieder neue Produkte und Serviceangebote einfallen. So sollen bis Ende des Jahres in 650 Filialen abgeschirmte Stillecken für junge Mütter eingerichtet werden. In Dresden könnten laut Moßler die ersten schon aufgesucht werden. Eine weitere Innovation sind exklusive Kooperationsmarken, die dm gemeinsam mit bekannten Sportlern und Youtube-Influencern vermarktet wie etwa „Strassenkicker“ mit Lukas Podolski oder LVLY by Paola. Das begeistert vor allem junge Kunden.

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