erweiterte Suche
Freitag, 20.10.2006

Mit Schere ins Finale

Mode. Die Stylistin Uli Herzner aus Gera landet in einer US-Reality-Show.

Von Rita Neubauer,New York

Uli Herzner, aufgewachsen in Gera, setzte sich frühzeitig an die Nähmaschine. „Wir hatten ja nicht viel Auswahl in der DDR.“ Ihre Nähkünste haben sie nun einem Traum – Modedesignerin – so nahe gebracht, dass sie auf New Yorks Straßen mit entzückten Fans fürs Fotoalbum posieren muss. Herzner (35) präsentierte ihre Kollektion dieses Jahr auf der Fashion Week in New York. „Es war der größte Tag meines Lebens.“

Den Weg ebnete ausgerechnet eine Reality Show: „Project Runway“, produziert von Supermodel Heidi Klum. Die Show, eine Mischung aus High Drama und High Fashion, ist mit vier Millionen Zuschauern ein Publikumsliebling in den USA. Herzner stach bei der Vorauswahl 3 500 Möchtegern-Designer aus und schaffte es mit ihren luftig bunten Kleidern aus Seide in die Wahl der 15 Besten. Sie ging als „underdog“ ins Rennen, kämpfte sich mit der Schere jedoch ins Finale der vier Top-Nachwuchsdesigner. „Es waren enorm intensive Monate, kaum geschlafen, 20 Stunden am Tag gearbeitet, Stress, Stress, Stress“, sprudelt sie hervor.

Luftige Seidenkleider

Es hat sich gelohnt. Wenn die Ostdeutsche, die seit acht Jahren in Miami Beach lebt, auch knapp am Sieg und einer Prämie von 100 000 Dollar vorbeischlitterte – sie wurde Zweite –: ihr Name ist plötzlich bekannt in der Modewelt. „Ich habe schon verschiedene Angebote, als Designerin zu arbeiten. Leute rufen an und wollen meine Kleider. Ich habe schon gewonnen.“

Herzner, gelernte Physiotherapeutin, ist Autodidaktin. Nach der Wende ging sie nach München, arbeitete in einer Werbeagentur, nähte für Freunde und flog schließlich über den Ozean nach Florida. Arbeitet seitdem als freie Stylistin. Verkauft eigene Kreationen in zwei Boutiquen auf der Nobelmeile Lincoln Road von Miami Beach.

Nach einer ersten Modenschau durch Gen Art, einer Nachwuchsschmiede, musste sie regelrecht gedrängt werden, bei „Project Runway“ mitzumachen. „Ich war mir nicht sicher, ob ich das durchstehe, ständig von Menschen umgeben zu sein, zwei Monate lang mit total Fremden zu leben und dann auch noch Neues zu produzieren.“ Um sicherzugehen, dass die Kandidaten auch mental fit sind, werden vorab alle zum Test beim Psychiater geschickt.

Heidi Klum als größter Fan

Und wie war die Zusammenarbeit mit Übermodel Heidi Klum? „Sie ist sehr aufgeschlossen. Ich glaube, sie war mein größter Fan“, sagt Herzner. Sie verlor schließlich gegen einen ehemaligen obdachlosen Drogenabhängigen mit einigen Tattoos zu viel am Körper. Jeffrey Sebelia, wilder Haarstil, wildes Outfit, überzeugte die Jury mit seinem „rocker-chick“, inspiriert von japanischen Geistergeschichten.

Herzner bekam den Trost der Jury auf den Weg. „Ihre Kleider sind fantastisch“, meinte Nina Garcia, die Fashion-Direktorin vom „Elle“-Magazin. „Frauen werden sie lieben und werden sie kaufen.“